Miltärs weist PIAC-Bericht als „unbegründet“ zurück

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 7. Februar 2014

Colombo – Das srilankische Militär weist den neuesten Bericht des australischen “Public Interest Advocacy Centre” (PIAC) und seinem “International Crimes Evidence Projekt” (ICEP) zurück, in dem behauptet wird, dass die srilankischen Streitkräfte systematisch Beweise für angebliche Massenmorde in den letzten Phasen des Krieges im Land zerstört habe – und dies mitunter noch immer tut.

Militärsprecher Ruwan Wanigasooriya sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Bericht „unbegründet“ sei. Er warf auch Zweifel auf an der Richtigkeit der Zeugenaussagen in dem Dokument, die behaupteten, dass das Militär aktiv Beweise für Kriegsverbrechen, wie zum Beispiel Massengräber, entferne. Doch der Militärsprecher antwortet in einer sehr zweideutigen Art und Weise, die darauf hindeuten könnte, dass auch ihm selbst klar geworden ist, dass seine Aussagen mittlerweile auf die Goldwaage gelegt werden und dass im Falle einer internationalen Untersuchung auch seine eigene militärische Karriere zu einem abrupten Ende kommen würde.

„Meinen Sie, wir könnten Skelettreste, die in den Dörfern liegen, wo die Menschen nun wieder umgesiedelt sind, ausgegraben und vernichtet haben…?“, so die verschurbelte Aussage von Wanigasooriya gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. (Was aber ist, so stellt sich dem aufmerksamen Leser die Fragen, ist mit jenen Gebieten, wo Zivilisten nach wie vor keinen Zutritt haben? Und ist das der Grund – erst nachdem die „Cleaner“ der Armee da waren – warum es so lange gedauert hat, bis zumindest einige der Anwohner in ihrer Ursprungsgebiete zurück kehren durften?)

Auch Sri Lankas Hochkommissar in Australien, Admiral Thisara Samarasinghe, meldete sich umgehend zu Wort: „Sri Lankas Regierung hat keinen, und ich wiederhole, keinen Völkermord begangen, und spreche mit Autorität, denn ich war damals Kommandeur der Marine, somit ein militärischer Befehlshaber (und damit möglicher künftiger Angeklagter…) und auch keine Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ja, wir kämpften in einen brutalen Konflikt, und weil die Zivilbevölkerung beteiligt war, könnte es einige unglückliche Opfer gegeben haben… Aber nie, nie geschahen diese Opfer systematisch, das sind absolut falsche Behauptungen“, sagte er gegenüber Radio-World-News Australia.

Doch auch der Hohe Kommissar zeigt Nerven, schließlich weiß er genau, was ihm blühte, im Falle dass…: „Warum (wird immer nur über) über die letzte Phase des Konflikts geredet? Was ist passiert in 30 Jahren (Krieg)? Wo waren diese Meister der Menschenrechte, als sie (die LTTE) unschuldigen Kinder wie ein Stück Brot in Scheiben schnitten, während diese im Tempel beteten? Wo waren sie? Sagen Sie mir, warum werden diese Gräueltaten nicht angesprochen?“

Admiral Samarasinghe verstieg sich zu Schluss noch zu einer gewagten Begründung dafür, dass keine internationale Untersuchung der Vorfälle stattfinden solle: Er sagte, dass der Bürgerkrieg in seinem Lande nichts mit dem Rest der Welt zu tun habe und es daher keine Notwendigkeit für eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebe.

Der Bericht des australischen „Public Interest Advocacy Centre“, einer Non-Profit-Gruppe, liefert detaillierte Zeugenaussagen über mögliche Kriegsverbrechen, wie den absichtlichen Artillerie-Beschuss von markierten Krankenhäusern, über systematische Vergewaltigung, Folter und sexuelle Gewalt sowie die Ermordung von Tamil Tiger-Kämpfern, die sich ergeben hatten. Außerdem wird erstmals die exakte Kommandostruktur der Einheiten der Streitkräfte offenbart, so dass Täter namentlich genannt werden können.

„Obwohl Verstöße von beiden Seiten begangen wurden, zeigt das Beweismaterial, dass die Mitglieder der srilankischen Sicherheitskräfte (SF) die große Mehrheit der angeblichen Verbrechen verübten, die während des Untersuchungszeitraums stattfanden“, so der Bericht.

Der neue Bericht platzt mitten hinein in eine für das Rajapaksa-Regime immer brenzliger werdende Sitaution, in der die Vereinigten Staaten planen, eine weitere, die dritte Resolution vor dem UN-Menschenrechtrat  im März gegen Sri Lanka einzusetzen, um erneuten Druck auf Colombo auszuüben, endlich die Kriegsverbrechens-Vorwürfe transparent zu adressieren.

Der Bericht des PIAC mit dem Titel „Insel der Straflosigkeit“ zitiert viele Zeugen, wonach Folter, sexuelle Gewalt und das Verschwindenlassen missliebiger Personen in Teilen auch heute verübt werden.

Der Bericht kommt zu dem Fazit, dass mittlerweile die Kommando- und Kontrollstrukturen der Sicherheitskräfte so gut dokumentiert und so gut etabliert sind, dass, sollten die manigfaltigen Vorwürfe vor einem Gericht bewiesen werden, dies zur Verurteilung von hochrangigen Militärkommandanten und srilankischen Regierungsbeamten führen werde.

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