Massengrab von Mannar – und noch viele andere mehr?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom Samstag, 18. Januar 2014

Mannar  – Die Entdeckung eines Massengrabes mit mittlerweile mehr als 30 geborgenen Schädeln im Norden Sri Lankas hat Spekulationen darüber angeheizt, dass es noch viele mehr davon geben könnte, in denen sich die Überreste von jenen Tausenden befinden, die während des fast drei Jahrzehnte langen Krieges zu Tode kamen.

Etwas voreilig vermutet Polizei noch vor der Untersuchung der gefundenen Überreste, dass das Grab von den vor fünf Jahren besiegten Rebellen der Tamil Tigers stammen könnte, das in der Nähe eines historischen Hindu-Tempels im Bezirk Mannar entdeckt worden war.

Sri Lanka steht auch ohne diesen Massengrabfund unter internationalem Druck wegen angeblicher Kriegsmenschenrechtsverletzungen. Die Verweigerung einer ornungsgemässen Untersuchung der grausigen Entdeckung von Mannar könnte den Zorn der westlichen Nationen erregen, die seit langem eine unabhängige internationale Untersuchung vermuteter Missbräuche – hauptsächlich zum Ende des Krieges, aber auch danach – fordern.

Die menschlichen Überreste, über die Arbeiter stolperten, als sie eine Abwassergraben neben einer Strasse anlegten, sind noch nicht identifiziert werden. Diese erste Massengrab, das im ehemaligen Kriegsgebiet, in Matale, gefunden werden konnte, ist auf eine Fläche verteilt, die etwa 400 Quadratfuß (37 Quadratmeter) entspricht und bis zu 5 Meter tief ist.

„Die Körper wurden in mehreren Schichten begraben. Leider ist die oberste Schicht der Körper durch Straßenbauarbeiten zerstört worden“, sagte Dhanajaya Waidyaratne, der verantwortliche Gerichtsmediziner bei der Ausgrabung.

Mehr als 100.000 Menschen wurden seit dem Jahr 1983 im Krieg zwischen den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) und der srilankischen Regierung getötet und weitere Tausende, vor allem von der ethnische Minderheiten der Tamilen, gelten außerdem als vermisst, respektive als gewaltsam entführt.

Ein UN-Gremium fand heraus, dass rund 40.000 vor allem tamilische Zivilisten in den wilden letzten Monaten des Konflikts starben, Sri Lanka bestreitet diese Zahl, hat aber keine eigene. Beide Seiten begingen Gräueltaten, aber die meisten Opfer gabe es durch den Beschuss der srilankischen Armee, so der Bericht des UN-Gremiums.

Polizeisprecher Ajith sagte, dass erste Untersuchungen der Skelette von Mannar nahelegen, dass die Körper vor mindestens 15 Jahren begraben worden sind.

„Diese Gegend wurde damals von der LTTE – über 20 Jahren lang – kontrolliert und es gibt Berichte, dass Hunderte von Armee-Soldaten in diesem Bereich vermisst  werden. Aber wir wissen noch nichts sicher. Die Untersuchungen werden fortgesetzt“, sagte Rohana gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Anwohner sowie ein religiöser Führer in Mannar sage jedoch, dass das Gebiet vor allem von der Armee kontrolliert wurde – seit1990, als sie es von der LTTE eroberten.

„Im Grab sind Erwachsene und Kinder, und es gibt einige Löcher in den Schädeln, die vermutlich von Schüsse sind“, sagte der katholische Bischof von Mannar, Monsignore Rayappu Joseph, der das Massengrab und die Skelette inspizieren ging, gegenüber Reuters.

„Wir wissen nicht, wer diese Leute getötet hat. Dies ist ein Bereich, der für eine lange Zeit durch die Armee gehalten wurde. Wo auch immer es ein LTTE- oder Armeelager gab, da müssen wir graben.“

Ein Top-Militärsprecher bestritten, dass das Gebiet unter Kontrolle der Armee während des Krieges war. „Das Gebiet wechselte zwischen der LTTE, den indischen Friedenstruppe und der srilankischen Armee im Laufe der Zeit“, sagte er; und möchte nicht mit Namen genannt werden.

Das ehemalige politische Proxy der Tiger , die Tamil National Alliance (TNA), die an die bei den Wahlen in der Nordprovinz im vergangenen September in die Provinzregoerung gewählt wurde, sagte, das Massengrab bei Mannar sei nur die Spitze des Eisbergs, und es müssten noch viele mehr geben.

„Der von uns berechnete Verlust von Menschenleben ist zwischen 75.000 und 150.000. Wo sind die Überreste all‘ dieser Menschen?“ fragte der TNA-Abgeordnete M. A. Sumanthiran den Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie müssen ja irgendwo sein. Wenn sie in Verbrennungsanlagen gebracht und vernichtet wurden, dann können wir sie nicht mehr finden. Aber wir denken nicht, dass mehr als 100.000 Leichen so behandelt werden konnten.“

Letztes Jahr, richtete Präsident Mahinda Rajpaksa eine Kommission ein, die ein Massengrab mit den Überresten von mehr als 150 Menschen in des srilankischen Zentral-Provinz untersuchen solte. Die Beweise und Skelette wurden für forensische Untersuchungen nach China geschickt. Bislang gab es angeblich keine Ergebnisse, geschweige denn einen Bericht. Die Opposition des Landes spricht von den regime-üblichen Vertuschungen, Gotabhaya, der Bruder des Präsidenten war zur Zeit der JVP-Aufstände in dieser Provinz Gebietsleiter der Armee…

Brad Adams, Leiter der Asien-Abteilung von Human Rights Watch, sagte, es könne durchaus sein, dass die LTTE für die neueste Fundstelle verantwortlich sei.

„Wenn es wieder keine echte Transparenz in der forensischen Untersuchung gibt, werden wir nie sicher sein können“, sagte er in einem Kommentar per E-Mail.

„Aber wir wissen auch, dass sie (das Rajapaksa-Regime) nicht wollen, das die Büchse der Pandora geöffnet wird, da viele hochrangige Persönlichkeiten und führende Politiker belastet würden.“

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