Sri Lankas Radikale Buddhisten auf dem Vormarsch?

Radikale Buddhisten? In der geistigen Welt verstand man bislang darunter Menschen, denen es besonders ernst ist in der Ausübung der „Nicht-Religion“ Buddhismus, Menschen, die sich den Lehren des Buddha voll und ganz unterwerfen und sie im Sinne des Erleuchteten leben.

„Radikale Buddhisten“ sind aber auch ein politisches Phänomen, das sich derzeit verstärkt nicht nur in Myanmar, sondern auch in Sri Lanka beobachten lässt. Und diese radikalen Buddhisten nehmen es mit dem Buddhismus im Sinne des Erleuchteten nicht so genau, vielmehr erinnern sie in ihrem Tun und in ihren xenophoben Äußerungen stark an die Nazis des Dritten Reiches.

Rosie DiManno, Kolumnistin und Korrespondentin von The Star berichtet von ihrem erschreckendem Treffen mit radikalen Buddhisten in Sri Lanka.

Von Rosie DiManno

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus The Star vom 13. Januar 2014

Colombo  – Der verehrte Mönch (Bhikkhu) nestelt an seinem safrangelben Gewand, und bietet dem Gast Bananen und das Wasser King-Kokosnuss an und lächelt dabei gütig.

Alles an diesem Mann strahlt die friedfertigen Gesinnung und Philosophie aus, die weitläufig mit dem sanften Buddhismus verbunden wird.

Doch der Ehrenwerte Iththbekande Saddhatissa ist ein Radikler, dem die Verbreitung von Fremdenhass, religiöser Intoleranz und singhalesischer Vorherrschaft über Sri Lankas Tamilen-Minderheit vorgeworfen wird.

Er predigt politisierten Buddhismus.

Er organisiert Kundgebungen, um die Bestrebungen der Tamilen nach Autonomie im Norden eines zu tiefst gespaltenen Inselstaat zu unterdrücken.

Er verkörpert den singhalesischen Chauvinismus.

Er hat das Ohr einer Regierung, die eine Version von fundamentalistischen Buddhismus verfolgt, die es anderswo auf dem Planeten nicht gibt – und der der offiziellen Glauben eines Regimes ist, in dem Buddhisten 70 Prozent der Bevölkerung umfassen.

„Wenn man Länder wie England nimmt, zum Beispiel, hat das Parlament sehr enge Verbindungen mit der Kirche. Könige und Königinnen legen ihre Gelübde in der Kirche ab. Warum können Buddhisten in Sri Lanka nicht die gleiche Macht haben?“, fragt er.

Iththbekande Saddhatissa ist Generalsekretär der kleinen und extremistischen aber unverhältnismäßig einflussreichen National Organization for Ravana Balaya, benannt nach dem mythologischen 10-köpfigen Königs des antiken Lanka.

Es war Ravana Balaya, die vom Wahl-Kommissar forderte, das Ergebnis der ProvinzratsWahlen im vergangen im September in der Nordprovinz  – mit überwältigender Mehrheit von der Tamil National Alliance gewonnen – für „illegal“ zu erklären. Iththbekande Saddhatissa schwor, den ordnungsgemäß gewählten Ministerpräsident der nördlichen Provinz aus Colombo fern zu halten, und ihn damit auch an der Teilnahme an Parlamentssitzungen zu hindern.

Iththbekande Saddhatissa versuchte auch, Navi Pillay, die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, aus Sri Lanka deportieren zu lassen. Im August hatte Pillay nach einem Besuch der Insel die Regierung ultimativ auffordern, eine glaubwürdige Untersuchung von Kriegsverbrechen vor und nach der militärischen Niederlage der Tamil Tigers im Jahr 2009 durchzuführen. Iththbekande Saddhatissa führte eine Demonstration vor der British High Commission in Colombo an, um gegen entsprechende Aufrufe für eine internationale Kriegsverbrechen-Untersuchung durch Premierminister David Cameron zu protestieren.

Iththbekande Saddhatissa hat auch versprochen, inselweite Agitation gegen jeden Versuch zu mobilisieren, die 13. Novelle der Verfassung umsetzen, die für die Dezentralisierung der Polizei- und Landmächte an die Provinzräten ist, einem zentralen Versprechen der TNA bei den Wahlen.

Saddhatissa ist nicht allein, wenn es darum geht, die 13. Änderung nicht durchzusetzen. Zwei Koalitionsparteien der herrschenden Regierung unter Präsident Mahinda Rajapaksa – die reaktionäre Sri Lanka Buddhis Party und die National Freedom Front – sind auch lautstark für die Abschaffung der Maßgabe, die von Indien indoktriniert genannt wird  und von seinen Gegnern als Zeitbombe beschrieben wird, die droht, zu explodieren.

Doch im Gegensatz zu den Parteien binrgt Saddhatissa eine deutliche moralische Dimension ein – die Tugend der Mönche – in die Schlacht, er nach eigenen Worten führe.

Der buddhistischen Klerus – Bhikkhus – hier im Lande sind sie überall sichtbar, in ihren orangenen Roben und mit den rasierten Köpfen, oft eine Aktentaschen umklammernd,  gehen sie ihren höchst  weltlichen Geschäft nach oder arbeiten als Pädagogen an den Universitäten und Schulen des Landes. Während in anderen Ländern buddhistische Mönche ihr Leben für den zivilen Frieden opferten, sind sie in Sri Lanka Fürsprecher des Blutvergießens um die Reinheit des buddhistischen Gemeinwohls zu halten.

In den historischen Annalen des Landes – seit Jahrtausenden von Bhikkhus geschrieben, die damit die Vergangenheit monopolisiert haben – kam Buddha auf die Insel und salbte noch auf dem Sterbebett, seine Menschen als Hüter des „wahren“ Buddhismus. Rein historisch gesehen ist das Unsinn, Buddha kam nie bis Sri Lanka, auch wenn es seine angeblichen Vertreter heute gerne so hätten…

„In jeder Nation, wo es eine Mehrheit mit einer bestimmten Religion gibt, sollte diese die Priorität in dem Land haben“, sagt er in einem Interview im ruhig gelegenen Ravana Balaya Hauptquartier am Stadtrand von Colombo. „Wenn man Ländern wie England nimmt, zum Beispiel, hat das Parlament sehr enge Verbindungen mit der Kirche. Könige und Königinnen legen ihre Gelübde in der Kirche ab. Warum können Buddhisten in Sri Lanka nicht die gleiche Macht haben? Warum können Buddhisten nicht eng mit der Regierung in Verbindung gebracht werden? Diese Kultur ist in Sri Lanka seit so vielen Jahrhunderten  präsent, wo Könige immer eine enge Beziehung mit den Tempeln hatten.“

„Im Zusammenhang mit der Politik, kann ich es rechtfertigen. Es gibt kein Problem mit buddhistischen Mönchen, Politik zu machen. Das Problem entsteht, wenn sie Extremisten oder Fundamentalisten sind,“ so beschreiben viele hier die Ravana Balaya, ein Vorwurf, den Saddhatissa ablehnt mit dem Hinweis, dass seine Organisation keine Mitglieder im Parlament sitzen hat.

Er behauptet: „Ich bin kein Rassist, noch ist meine Organisation rassistisch oder extremistisch. Menschen könnten das aber so wahrnehmen, weil ich für Gerechtigkeit stehe und das falsch interpretiert wird.“

Keine Fehlinterpretation ist jedoch möglich, wenn Saddhatissa verlangt, die Ergebnisse einer für srilankische Verhältnisse freien und fairen Wahlen zu annulieren, die 32 Kandidaten der tamilischen Parteienallianz TNA an die Macht gebracht hat, unter der Führung des ehemaligen Richter des Obersten Gerichtshofes, C.V. Wigneswaran. Das Odium mit dem Saddhatissa Wigneswaran bedroht und die nicht allzu stillschweigende Bedrohung durch Massenproteste wegen der 13. Novelle hat die Angst vor einer Auferstehung der Gewalt in einem Land geschürt, das für viel zu viel Aderlass bekannt wurde – ob in den drei Jahrzehnten des Terror-Krieges von Velupillai Prabhakaran und seiner Befreiungstiger von Tamil Eelam oder bei den früheren Schrecken der Schlachten von Singhalesen gegen Singhalesen in Aufständen, bei denen junge marxistische Revolutionäre der Volksbefreiungsfront vom Staat blutig in die Knie geprügelt wurden. Die zweite , 1987er Revolte – bekannt als „beeshana kalaya“ , oder „die Zeit der großen Angst“  – dauerte drei Jahre und führte zu einer Welle von schrecklichem Blutrausch und Vergeltung, wobei mindestens 40.000 getötet wurden, vor allem durch die Hände der Polizei, der Armee sowie durch marodierende, paramilitärische Todesschwadronen, die junge Menschen köpften und ihre Schädel auf Stangen steckten und diese auf öffentlichen Plätzen aufstellten.

Für ein so kleines Land, mit einer Bevölkerung von  nur 20 Millionen, ist auch die jüngeren Geschichte Sri Lankas mit brutaler Gewalt verwoben.

Saddhatissa glaubt, dass die Nation wieder in diese Richtung geführt wird, wenn die 13. Novelle umgesetzt wird.

„Es gibt ein altes singhalesisches Sprichwort, wonach, wenn Sie einem Affen ein Barbiermesser geben, er Ihnen die Kehle aufgeschlitzt wird. Ich glaube, dass, obwohl (die TNA) derzeit für einen autonomen Staat innerhalb einer Föderation ist, sie nach und nach einen unabhängigen Staat im Norden verlangen  werden. Die derzeitigen TNA-Führer sind junge Bäume, die unter dem Eis von Prabhakarans Terrorregime heranwuchsen und jetzt mächtige Bäume geworden sind. Und das Verlangen nach einem unabhängigen Staat wird später von den westlichen Mächten motiviert werden.“

Die internationale Gemeinschaft scheitere daran, die Realitäten von Sri Lanka zu verstehen; darauf besteht der 38-jährige Mönch – ungeachtet der Tatsache, dass es seit dem Ende des Bürgerkrieg keinen einzigen Terrorismus-Vorfall mehr gab. Und dass es damit wohl wenig Grund gibt, Zehntausende von Truppen in der Nord-Provinz zu stationiert. Diese Truppen okupieren oft ad hoc enteigneten Privatgrundstücke, was den erbitterten Widerstand der dort ansässigen tamilischen Bevölkerung angeheizt hat.

Saddhatissa meint, das politische Autonomie wie sie sich beispielsweise in Quebec bewährt hat, unmöglich sei für Sri Lanka. „Ein Land wie Kanada ist groß und kann es sich leisten, diese Dinge zu tun. Das würde in Sri Lanka nicht funktionieren. Unsere Souveränität steht auf dem Spiel, wenn verschiedene Provinzen in unterschiedlicher Weise mit der Zentralregierung agieren.“

„Die Menschen, die für die TNA gewählt glauben, dass sie einige Vorteile bekommen, indem sie die Partei wählten. Aber geben Sie ihnen noch zwei Jahre, und dann werden diese Menschen sehen, dass die TNA scheitert, weil sie ihre Ziele nicht erreichen können.“

Sowohl Wigneswaran als auch Präsident Mahinda Rajapaksa sollten seine Warnung ernst nehmen, sagt Saddhatissa. „Wenn sie sie nicht beachten, was wir sagen, werden wir die Menschen um uns sammeln und sie auf die Straßen führen, um unseren Wunsch erfüllt zu bekommen, weil wir patriotische Menschen sind und die Sicherheit des Landes unsere Priorität ist.“

Wie viele gleichgesinnte Kommentatoren mit Einfluss in Sri Lanka angemerkten, haben die Tamilen bereits einen quasi-unabhängigen Staat – Tamil Nadu, die südöstliche Provinz von Indien. Und sie sollten alle dorthin gehen. Saddhatissa geht in sein Groll nicht so weit. Er behauptet, Tamilen könnten mit Singhalesen in Sri Lanka koexistieren – ja, fast 35 Prozent der Tamilen, die in der Hauptstadt wohnten, tun dies bereits. Aber er gesteht ihnen weder speziellen Zugeständnisse für ihre Sprache zu noch ihrem hauptsächlich hinduistischem Glauben.

„Wenn du einen eigenen tamilischen Staat im Norden schaffst, was passiert dann mit den Tamilen in anderen Teilen des Landes? Es geschieht ihnen kein Unrecht, diesen Tamilen. Der Ministerpräsident (Wigneswaran) wurde in einer Schule in Colombo erzogen und er genoß die freiheitliche Erziehung im  Westen.“

Saddhatissa verhält sich ebenso abweisend gegenüber Vorwürfen – die nun auch von der UN akzeptiert werden – , dass über 40.000 tamilische Zivilisten in den letzten Monaten des Krieges  starben bei mutwilligem und wahllosen Beschuss durch die srilankische Armee.

„Ich glaube nicht einmal, dass es in den 30 Jahren Krieg insgesamt 40.000 Tote gab, oder gar 70.000 wie, einige Leute behaupten. Das sind manipulierte Zahlen. Die Terroristen, die gestorben sind – nun, sie verdienten es. Amerika und die anderen westlichen Staaten messen mit zweierlei Maß. Niemand fragt nach ihren Menschenrechtsverletzungen, noch der Zahl der Todesfälle, für die sie in Ländern wie Irak verantwortlich sind. Wenn es um sie geht, ist es Terrorismus. Aber wenn es um ein anderes Land geht, dann sind das Kriegsverbrechen.“

„Nichts in dieser Art passiert jemals in Sri Lanka. Keiner der tamilischen Zivilisten wurden getötet, und es gibt keine Notwendigkeit für eine solche Untersuchung.“

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