Die Mörder von Autoren & Aktivisten sind noch frei

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus Colombo Telegraph vom 8. Januar 2014

Von Pearl Thevanayagam

London – Der Einbrecher, der UNP-Sprecher Mangala Samaraweera vergangene Woche seines Laptops und seiner ausländischen Spirituosen beraubte, wurde schnell gefasst. Aber die Mörder des Menschenrechtsanwalts Kumar Ponnambalam oder die des Sunday Leader Chef-Redakteurs Lasantha Wickrematunge, deren Todestage auf den 5. und 8. Januar fallen, blieben bislang ungeschoren.

Kumar erhielt am Januar 5. 2000 einen Anruf; er möge nach Wellawatte kommen, um jemanden zu treffen und er entschied sich, sein Auto selbst zu fahren; er wurde am helllichten Tag niedergeschossen. Lasantha wurde 8. Januar  2009 brutal ermordet, als er auf dem Weg zur Arbeit durch eine Hochsicherheitszone fuhr. Mehrere Männer, mit Revolvern und Schlagstöcken bewaffnet, schlugen erst die Seitenscheiben und dann seinen Kopf ein – auch dies geschah am helllichten Tag, vor Zeugen, als Lasantha sein Auto, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, selbst steuerte und nicht sein üblicher Fahrer.

Prageeth Ekneliyagoda, der politische Karikaturist, ist seit Januar 2010 verschwunden, und es wird befürchtet, dass er tot ist, obwohl der derzeitige Oberste Richter des Landes, Mohan Peiris internationalen Medien gegenüber vollmundig behauptete, Ekneliyagoda sei flüchtig und halte sich in einem europäischen Land auf. Fadenscheinige Beweise dafür erhob auch ein Hinterbänkler der Regierungspartei, der von jemandem gehört haben will, der angeblich behauptet, er habe Ekneliyagoda in Frankreich oder vielleicht Belgien gesehen. Weder Peiris noch besagter Hinterbänkler konnten stichfeste Beweise für ihre Behauptung liefern.

Die Killer von Richard de Soysa, der erste Journalist, den eine Regierung im Jahr 1990 ermordet ließ, wurden festgenommen – und später freigelassen. De Soysas „Verbrechen“: er hat Videobänder an die internationale Presseagentur DPA geschickt, die die berüchtigten Black Cats in Aktion zeigten – brutale Killer-Kader, geführt von dem Polizeibeamten DIG Udugampola, die damals nächtens Sri Lanka durchstreiften und Mord und Totschlag unter Präsident Premadasas Regime verbreiteten; die Black Cats entführen und  ermorden hauptsächlich Angehörige der JVP- Jugendgruppe. Die Black Cats waren Männer in der Armee. Nie wurde auch nur einer vor Gericht gestellt.

K. Sivaram alias Taraki, Aiyathurai Nadesan, Relangi Selvarajah, Ketheeswaran Loganathan, BBC-Reporter Nimalarajan, Puniyamoorthi und Isaipriya, unter anderem… Alles Journalisten, die ihr Leben geopfert haben für ihren Job, allesamt von Killerkommandos hingerichtet und bis heute ist nicht ein einziger Mörder deswegen verhaftet oder vor Gericht gestellt worden.

Bis zum heutigen Tage wurden knapp 40 Mitarbeiter der Medien in Sri Lanka durch aufeinanderfolgende Regierungen getötet. Ihre Sünde war es, frei zu sein von Bestechung und Korruption, dass sie gegen Menschenrechtsverletzungen, gegen Vetternwirtschaft und anderen Unregelmäßigkeiten waren, die von Agenten und Vertretern der Regierung, von ganz oben bis zur Mitläuferebene, begangen wurden – und immer noch werden.

Iqbal Athas, ein angesehener Journalist, der jahrelang den täglichen Verteidigungsbericht für die Sunday Times schrieb und CNN-Korrespondent war, wurde durch Einschüchterung, Drohungen und Angriffe auf sein Leben und das seiner Frau und seiner Tochter verfolgt. Solange, bis er aus dem Land floh.

Der Exodus von Journalisten intensiviert sich noch einmal, nachdem Mahinda Rajapaksa und seine Familie auf den neugeschaffenen Thron des Parlaments stiegen.

Dies alles passiert nicht im kommunistischen Nordkorea, China oder Russland, wo solche Verbrechen das Vorrecht der herrschenden Mächte sind, dies geschieht in der „Demokratisch Sozialistischen Republik“ Sri Lanka, einst bekannt als Serendib, was friedliche Insel, Rettung aus höchster Not bedeutet.

Wir erleben gerade den achten Jahrestag der brutal Ermordung von fünf Studenten, die während eines friedlichen Bummels am Strand von Trincomalee regelrecht hingerichtet wurden und wir  stellen uns die Frage nach der Willkür und Straflosigkeit, mit der die Regierung ihre Killeragenten aussendet, die nach Belieben töten, wie sie es mit den tamilischen Helfern des französischen NGO in Batticaloa taten, und wir können nur mit angehaltener Luft am Rande des Geschehens stehen, aus Angst, dass man jene Killer auch auf uns hetzt.

Die Medien im Staat Sri Lanka seien sie in staatlichem oder anderweitigem Besitz sind allesamt unter der totalen Kontrolle des Regimes – zumindest, solange von innerhalb des Landes berichtet wird.

Die Inselbewohner sind für ihre Freundlichkeit  und Gastfreundschaft bekannt. Aber unter dieser Fassade lauert eine Nation, gespickt mit den Massengräbern von Andersdenkenden, in der düstere Unterwelt-Killer-Kader durch das Land ziehen, bestehend aus staatlichen Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen, die das Regimes unterstützen, die direkt unter der Aufsicht der Rajapaksa-Regierungen stehen und die für ein paar Tausende Rupien im Auftrag morden. Eine Nation mit einer atemberaubenden Korruption auf allen Regierungsebenen, die nur vom benachbarten Indien noch übertroffen werden könnte.

Es gibt also viel Arbeit für internationale Ermittler, Sri Lankas berüchtigte Historie von Massenmorden, Kriegsverbrechen und Medien- Unterdrückung zu untersuchen und wir haben weniger als drei Monate Zeit, bevor alle Beweise vor den UN-Menschenrechstrat im März kommen.

Könnte 2014 die langersehnte Entlastung bringen für die Opfer dieses gewalttätigen Regimes?

Nur wenn wir schnell, aber auch bestimmt handeln.

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