Rajapaksastan: Hugo Swire nimmt kein Blatt vor den Mund

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 14. November 2013

Hikkaduwa – Der britische Innen- und Commonwealth-Minister Hugo Swire steht zu seinem Wort und spricht in Sri Lanka Sri Lankas Missstände offen und gänzlich undiplomatisch an – und wenn sich ihm kein Offizieller stellen will, wie man in Sri Lanka munkelt, um sich anzuhören, was er über nicht eingehaltende Versprechungen, Kriegsverbrechen, Entführungen, Folter, die massenhafte Vergewaltigung von tamilischen Frauen, Landraub, die Unterdrückung von Minderheiten, Morde an Journalisten und Oppositionellen und der Unterdrückung von Justiz und Medien und Freier Meinungsäußerung und last not least Rechenschaftspflicht und Korruption so denkt, dann macht er das, wofür ihn seine Wähler lieben. Dann geht er, wie schon als junger Abgeordneter, raus zu den Menschen und redet zu ihnen. Und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Die obige, unappetitliche Melange aus heutigen srilankischen Missständen ging mitten ins Gesicht der srilankischen (gehobenen) Bürgerschaft, gespickt mit Zahlen, Daten, Fakten – und Namen.

So geschehen in Hikkaduwa, wo als Rahmenveranstaltung des Treffens eines Teils der Staatsoberhäupter der Commonwealt-Organisation, ein Commonwealth People’s Forum zur Gesprächsrunde eingeladen hatte. Thema: Equitable Growth and Inclusive Development beyond 2015, etwa Gerechtes Wachstum und inklusive Entwicklung über 2015 hinaus.

Interessierte Menschen aus dem Norden, die eventuell ihre sehr eigene Sicht der Dinge geäußert hätten, wurden von den srilankischen Sicherheitskräfte mitsamt ihren Bussen wieder nach Hause geschickt. Weil man sonst nicht für ihre Sicherheit garantieren könne – eine latente Bedrohung, die ab sofort überigens für alle Journalsten gilt, die sich außerhalb Colombos bewegen wollen. Das jedenfalls ließ die Regierung über ihren Sprecher Rambukwella verlauten.

Doch zurück zum Commonwealth People’s Forum am Mittwoch in Hikkaduwa, einem turbulenten Badeort an der Südküste Sri Lankas.

Für den Fall, das doch noch ein Vertreter von Kanada auf diesem Forum hätte sprechen wollen, so hieß es später, und wie vor dem offiziellen Boykott gewünscht, hätte man einen entsprechenden, möglichst hochrangigen Regime-Ministranten/Apologeten dazu gebeten. Doch mit dem Boykott schwand auch der Wunsch der Kanadier, auf dem Forum sprechen zu wollen. Und für hochrangige Minister war das Forum daher scheinbar zu unbedeutend – niemand von Rang und Namen von Seiten de Regierung war anwesend. Und so blieb alles hängen an dem srilankischen Vorsitzenden des örtlichen Subkommittees des Commonwealt People’s Forum, Dr. Lalith Chandradasa, der jetzt seinem wütenden Präsidenten, (der, der nichts zu verbergen hat, wie er heute noch einmal vor der versammelten Weltpresse betonte), erklären muss, wie passieren konnte, was dann geschah.

Denn Hugo Swire ließ sich nicht bitten… Unangekündigt, ohne große Sicherheits-Entourage schneite er einfach so vorbei, vielleicht auf dem Weg nach Hambantota, Heimatdorf des Präsidenten und einer der Austragungsorte des CHOGM. Swire enterte die vielleicht bis dahin langweilige, verlegen verlogene,
sicherlich aber sehr feierliche Veranstaltung in Hikka und bat darum, eine kurze Rede halten zu dürfen. Der verdutzte Chandradasa stimmte zu  – und bekam anschließend offenbar einen Satz rote Ohren.

„Wenn ein Minister aus einem anderen Land kommt und unsere Regierung so hart kritisiert, wird die Regierung glauben, dass wir ihn absichtlich dafür einluden“, sagte ein verdatterter Chandradasa nach Swires Brandrede. (Die LTTEWATCH-Redaktion versucht derzeit, eine Transkription mit dem genauen Wortlaut der Rede zu bekommen.)

Chandradasa will nun Beschwerde einlegen – ausgerechnet beim britischen Außenministerium… Was bleibt dem armen (verwirrtem?) Mann auch anderes, der urplötzlich um Ehre (und Job, Rente, Leben) fürchten muss, weil er einem Fremden gewährte, was ihm selbst derzeit verwehrt ist, nämlich frei zu reden und Zustände zu kritisieren.

Und genau das tat Swire…

Man darf nun gespannt sein, ob Swires Boss, Premier David Cameron auch zu seinen Wort steht und wie angekündigt, dem Präsidenten selbst sagt/frägt, was Sache ist. Außenminister William Hague hat nach einem Treffen mit der TNA kräftigt nachgelegt.

Chandradasa wird indes nicht müde zu betonen, dass Swire nicht eingeladen worden sei. Ganz so, als müsste sich ein führendes Mitglied der Regierung eines Commonwealthlandes bei einem Forum der Organisation, die er mit darstellt, speziell anmelden… Und ganz so, wie die Regierung, die durch ihren bewährten Hofnarren sprecher Rambukwella ausrichten ließ, dass man „nicht wünsche, das diese Themen angesprochen“ würden.

Chandradasa vermutete nach Swires Rede, dass die bereits angespannten Beziehungen zwischen der srilankischen Zivilgesellschaft und seiner derzeitigen Regierung damit weiter beeinträchtigt wurde. In der Tat macht diese Rede zumindest in Hikkaduwa bereits die Runde und wird in vielen privaten Runden diskutiert.

Wurden da Blinde sehend gemacht, brachte Swire Erkenntnis? Jeder, der Sri Lanka liebt, kann es nur hoffen

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