Schock Video: Devananda fordert Untersuchung von Kriegsverbrechen

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 4. November 2013

Colombo – Douglas Devananda, der Vorsitzende der tamilische Eelam Peoples‘ Democratic Party (EPDP), einem Partner der srilankischen Regierungskoalition, hat in einem überraschenden Schritt eine unabhängige Untersuchung der neuesten Channel 4-Aufnahmen gefordert, auf den zu sehen ist, wie eine LTTE- Propagandistin von Angehörigen der srilankischen Streitkräften aufgegriffen wird – später ist sie verstümmelt und ermordet zu sehen. Das srilankische Verteidigungsministerium behauptet, die Frau sei im Kampf im Mai 2009 gefallen.

Der EPDP-Vorsitzende Douglas Devananda war zuletzt in den Schlagzeilen, weil er mit seiner Partei eine demütigende Niederlage bei den Wahlen in der nördlichen Provinz im September erlitten hatte. Während des Krieges hatte die LTTE mehrfach versucht, Devananda zu ermorden, den sie als Verräter brandmarkte, weil er zur Regierungsseite übergelaufen war und zum Dank dafür einen Ministerposten bekam.

Devananda schrieb nun an Präsident Mahinda Rajapaksa und fordert in dem Brief eine Untersuchung von Isaipriyas Tod, sagte ein Sprecher seiner Partei. Zum ersten Mal fordert damit ein Mitglied der srilankischen Regierung unabhängige Untersuchungen von möglichen Kriegsverbrechen.

Devananda schrieb dem Präsidenten, dass Tamilen auf der ganzen Welt in einem Zustand des Schocks seien nach der Veröffentlichung der jüngsten Dokumentation des britischen Fernsehsender Channel 4 mit dem Titel „No Fire Zone“ über mögliche Kriegsverbrechen in Sri Lankas Krieg gegen die terroristische LTTE, der im Mai 2009 zu Ende ging. In „No Fire Zone“ ist zu sehen, wie Isaipriya, die sich als Sängerin, Schauspielerin und Nachrichtensprecherin des LTTE-eigenen Fernsehsenders großer Beliebtheit erfreute und wegen Herzproblemen nicht zur kämmpfenden Truppe der LTTE durfte, von srilankischen Soldaten halbnackt, aber lebend aufgegriffen wird. Später tauchten Videos und Fotos auf, die die selbe Frau tot mit schweren Verletzungen im Gesicht zeigen. Nach seiner Premiere auf Channel 4 soll auch „No Fire Zone“ weltweit gezeigt werden, so der Produzent und Regisseur, Callum Macrae, der sich auch als Journalist beim anstehenden Treffen der Commonwealth-Mitglieder angemeldet hat.

Der tamilische Minister verlangte in seinem Brief, nicht nur eine unabhängige Untersuchung des „Falls Isaipriya“, sondern auch aller anderen, bislang ungeklärten Vorwürfe von begangenen Kriegsverbrechen die letzte der Phase des Krieges möglicherweise von Angehörigen der Armee, der Regierung aber auch der LTTE begangen wurden.

Unterdessen verlangt dies auch der indische Finanzminister P. Chidambaran über die Medien des Landes. Er habe die neuesten Channel 4-Dokumentation (gestern, Sonntag 3.11.) gesehen und glaube, dass die gezeigten Aufnahmen authentisch seinen. Der indische Minister hat seine wie auch die srilankische Regierung aufgefordert, umgehend eine Untersuchung zu starten. „Diejenigen, die dahinter stecken müssen identifiziert und bestraft werden“, sagte er gegenüber der Zeitung The Hindu.

Frühere von Channel 4 veröffentlichte Aufnahmen („Sri Lanka’s Killing Fields 1 + 2“) zeigten bereits Bilder der getöteten Isaipriya, die angeblich davor sexuell missbraucht worden war. Auch gab es auf Video gebannte Hinweise darauf, dass Prabhakarans jüngster Sohn, Balachandran, ebenfalls in Gewahrsam der Streitkräfte war, bevor er angeblich hingerichtet wurde.

Ein Sprecher der srilankischen Armee wies die Forderung nach einer unabhängigen, möglicherweise internationalen Untersuchung mit dem Hinweis zurück, dass man bereits eine eigene, Armee interne gestartet habe. Außerdem seien die gezeigten Schock-Aufnahmen samt und sonders gefälscht.

Diesem Unsinn glauben offenbar immer weniger – selbst Freunde des Regimes zweifeln mitterweile an der Darstellung der Rajapaksas, wonach es „Null zivile Opfer“ gegeben  habe in der Endphase des blutigen Krieges.

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