Bahnbau: Wer ist Mr. 200 Prozent in Sri Lanka?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 6. Oktober 2013

ColomboSri Lankas Regierung stellt einmal mehr einen einsamen Rekord auf. In seiner Regierungserklärung hatte Mahinda Rajapaksa einst erklärt,  er werde das Land nicht nur zu mehr Nüchternheit verhelfen,  sondern auch mit einem dichten Eisenbahnstreckennetz überziehen. Damit der Handel erblühe und die Menschen frei reisen könnten…

Die Kosten veranschlagte Rajapaksa, heute auch Finanzminister des Landes, damals mit 3 Millionen Dollar pro Streckenkilometer – abhängig von der Schwierigkeit des Geländes, ein international anerkannter und gebräuchlicher Durchschnittswert (2 – 3 Mio.).

Nun soll es losgehen. Der erste Streckenneubau seit der britischen Kolonialherrschaft soll von Matara nach Kataragama führen und selbstverständlich auch das Heimatkaff des Präsidenten, Hambantota, dem srilankischen Streckennetz anschließen. Der erste Teilabschnitt zwischen Matara und Beliatta – 26.75 Bahnkilometer – soll 290 Millionen Dollar kosten. Was bedeutet, dass 1 Kilometer Bahnstrecke nun das gut dreifache kostet,  nämlich 10,7 Millionen Dollar. Nach Angaben des Regimes soll die ganze Strecke, die in drei Abschnitten bis 2015 fertig gestellt werden soll, 366 Millionen Dollar kosten – vorerst gedeckt durch einen weiteren (derzeit sehr teurem) Kredit aus China.

Wie es zu der wundersamen Kostenvermehrung kam? Durch blanke, immer unverschämtere Korruption der Regierung ihrer Vielzahl von Ministern, Staatssekretären etc. und der mittlerweile unzähligen Mäuler zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, die ihren ungerechten Lohn (für’s Schweigen) verlangten, sagt die wichtigsten Oppositionspartei UNP, die sonst wenig rafft, in Flügelkämpfen schwer verstrickt und deshalb nicht in der Lage ist, dem stetig wachsenden durch und durch korrupten „Apparat“ des Regimes etwas entgegenzusetzen. Außer ätzender Polemik von Leuten wie UNP-Sprecher Mangala Samaraweera, der bestätigt, dass es in Sri Lanka durchaus noch Menschen gibt, die sich kein X für ein U vormachen lassen und simple Arithmetik beherrschen.

Indiens IRCON, eine Tochter der staatlichen Indian Railway, welche die gerade (vorzeitig) fertig gestellte Nordstrecke instand gesetzt hatte, hatte das Projekt über die gesamte Strecke von 114,25 Kilometer übrigens deutlich billiger realisieren wollen, das Angebot stand. Doch dabei hätten die staatlichen Auftraggeber auch weniger Prozente erhalten. Ergo das teurere chinesische Angebot. Bei dem hauptsächlich Chinesen in Sri Lanka arbeiten werden. Eine Entlastung der hohen Arbeitslosenzahlen im Lande ist deshalb auch nicht zu erwarten,  wie schon bei den vorangegangenen Projekten Hambantota-Hafen und Matale-Flughafen, die beide noch,  obwohl längst fertig gestellt, auf ihre zugedachte Nutzung warten.

Sri Lanka – fürwahr das neue Wunder (-edichnicht) Asiens.

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