UNP nach den Wahlen: Wie sich eine Volkspartei selbst zerlegt

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 25. September 2013

Colombo – Schwere Zeiten für UNP-Führer Ranil Wickremansinghe, der mit der vergangene Wahl im Norden Sri Lankas die 27. (!) aufeinander folgende Wahl als „verloren“ abhaken muss. Doch das mit dem einfach Abhaken wird ihm schwer gemacht: Seit zwei Tagen protestieren UNP-Anhänger vor dem Parteisitz Sirikotha in Colombo und drängen den intellektuellen aber farblosen UNP-Führer nach dem erneut desaströsen Abschneiden der UNP dazu, sich endlich zurückzuziehen und der nächsten Generation Platz zu machen.

Das hat Wickremasinghe bislang zu vermeiden gewußt. Ungequeme, beim Wählervok aber durchaus beliebte Parteifreunde, werden mit unsinnigen Disziplinarmassnahmen überhäuft und auf entlegene Pöstchen abgeschoben und so machem UNP-er fiel es auch deshalb leicht, Lockangebote der Regierungspartei anzunehmen und die Seiten zu wechseln.

In spektakulärer Weise hatte dies wenige Wochen vor der Wahl Dayasiri Jayasekera getan, der lange Zeit als große Hoffnung der UNP galt. Nicht jedoch für Wickremasinghe, der ihn aus der Partei regelrecht rausekelte. Dayasiri, der allgemein sehr beliebt und auf der Insel auch als Sänger und Entertainer bekannt  ist, konnte bei der Wahl im Kurunegala Distrikt, wo ihn die Regierungskoalition gegen den Sohn des Parteigranden Johnston Fernando (ebenfalls ex-UNP…) antreten ließ, der auch die mächtige Rajapaksa-Familie hinter sich wußte. Schon vor der Wahl hatte ihm seine neue Partei klar gemacht, dass man seine geäußerten Ansprüche auf den Ministerpräsidenten-Posten der Provinz mit Skepsis gegenüber stehe, schließlich habe man selbst Ansprüche.

Dayasiri zeigte seinen neuen Parteigenossen, wo sein Hammer hängt und er konnte quasi nebenbei auch noch die Rache für die permanente Missachtung durch die UNP-Führung am Wahltag kalt genießen: Der Ex-UNP-ler erzielte die höchste Zahl an Einzelstimmen, die jemals ein Kandidate bei irgendeiner Wahl auf sich vereinen konnte mit sagenhaften 336.327 Stimmen. Selbst der mit massiven Staatsresourcen gepushte Ministersohnemann kam dagegen nicht an. Geschweige denn die ehemaligen Kollegen von der UNP. Denn Dayasiri hatte seine Stammwähler offenbar einfach mitgenommen.

Die Frage stellt sich nun natürlich, warum Wickremasinghe es nicht verstand, Dayasiri einfach für die UNP kandidieren zu lassen.

Auch an anderer Stelle zerlegt sich die einst mächtige Volkspartei UNP derzeit selbst. UNPler Harin Fernando nutzte die Gelegenheit einer Pressekonferenz, bei der die Wahlergebnisse analysiert werden sollten dazu, die Wählerschaft zu beschimpfen. Rückratlos sei sie und wohl auch dämlich: „Es ist nicht die UNP, welche die Wahlen verlosen hat, sondern die Menschen im Lande…“

Anders gesagt, wäre es richtig: Es ist wohl nicht die UNP, in der die Menschen eine glaubwürdige, volksnahe Opposition sehen, die eine echte Alternative zur Regierung bietet. Und das selbst, wenn sich das Rajapaksa-Regime „immer mehr zu einem autoritären System entwickelt“, wie UN-Menschenrechts Hochkommissarin Navi Pillay bei ihrem jüngsten Besuch kurz vor den Wahlen anmerkte.

Ex-General Sarath Fonseka, dessen Demokratische Partei (DP) bei den Wahlen die bislang zweistärkste Oppositionspartei JVP auf die Plätze verwies und somit die DP zu einer politischen Kraft machte, mit der man rechnen muss,  hat nun wirklich alle Chancen, auch noch die UNP zu überholen, wenn diese ihre innerparteilichen Zwiste nicht schnellstens in den Griff bekommt. Und danach sieht es derzeit nicht aus.

Die Demonstranten vor Sirikotha, die mit „Wickremasinghe go home“-Rufen ihren bisherigen Parteichef zum überfälligen Rücktritt bewegen wollen, werden wohl so schnell nicht verstummen. Denn Ranil hat vergesorgt und sich mit einem Kreis von schützenden Ja-Sagern umgeben, die das mächtige Parteigremium bilden.

Doch zu Hohn und Spott, nicht nur aus der eigenen Partei, kommt denn auch prompt die nächste Schmach. Aus Angst vor den Demonstranten, sah sich der Hausherr genötigt, ausgerechnet die Regierung um Polizeischutz zu bitten…

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