Sri Lankas Armee untersucht sich (mal wieder) selbst

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 23. August 2013

Colombo  – Sri Lankas Armee hat sich einmal mehr selbst untersucht: Der Bericht über die Demonstration in Weliweriya, bei der Angehörige der Sicherheitskräfte auf Demonstranten schossen, die auf ihr Recht auf sauberes Trinkwasser pochten. Dabei wurden mindestens drei Personen getötet und mindesten 60 zum Teil schwer verletzt. Der Armeebericht wurde gestern dem Kommandanten des Armee-Hauptquartier, Generalleutnant Daya Ratnayake, übergeben.

Dem Armee-Untersuchungsausschuß gehörten neben Major General Jagath Dias (Vorsitzender), Brigadier K.J. Jayaweera, Brigadier N.I. de Silva, Oberst T.D. Weerakoon und Oberstleutnant W.P.A.D.W. Nanayakkara (Schriftführer) an. Ob der Untersuchungsbericht der Armee in eigene Vergehen jemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird, ist mehr als fraglich.

Inzwischen verwehrte sich Armeesprecher Brigadier Ruwan Wanigasuriya gegen Berichte, wonach Zivilisten und Journalisten von dem Untersuchungsausschuß der  Armee „vorgeladen“ worden wären. Menschenrechtsorganisationen hatten dies als Einschüchterungsversuch angesehen. Wanigasuriya behauptete, es habe sich lediglich um eine „Anfrage“ gehandelt, was „einige Leute missverstanden“ hätten. Er behauptete auch, dass die Polizei ihre eigene Untersuchung zu dem blutigen Vorfall

Die Generalmajor Jagath Dias, der verantwortlich ist für die Armee-Untersuchung wegen des heftigen militärischen Vorgehens gegen zivile Demonstranten in Weliweriya am 1. August wurde mittlerweile, zusammen mit  Generalmajor Sudantha Ranasinghe, von der Teilnahme an einem Trainingsprogramm der USA in Neuseeland abgelehnt – wegen seiner Verwicklung in angebliche Kriegs-Verbrechen, die während den letzten Tagen des Krieges begangen worden sein sollen. Dias soll u.a. den Terroristen-Chef V. Prabhakaran, der lebend gefangen genommen werden konnte, schwer misshandelt und schließlich getötet haben.

Dias hatte schon einmal Probleme bekommen, wegen dieser Anschuldigungen. Er wurde nach dem Krieg als stellvertretender Botschafter Sri Lankas für Deutschland, die Schweiz und den Vatikan akkreditiert – gegen teils massive Proteste. Er wurde im Jahr 2011 hastig nach Colombo zurück beordert, nachdem die Schweizer Generalstaatsanwalt eine Strafuntersuchung einleitete nach einer Anzeige, die von zwei Schweizer Menschenrechtsgruppen eingereicht worden war. Seither ist Dias in der Schweiz „persona non grata“.

Die Justizbehörde der Bundesregierung ist der Ansicht, dass die bestehenden Verdachtsmomente mehr alsgenug sind, um die Eröffnung eines Verfahrens einer Strafuntersuchung einzuleiten – für den Fall, dass Herr Dias in die Schweiz zurück kehrt“, hieß es damals von den schweizerischen Behörden.

Generalmajor Jagath Dias, hat die 57. Division der srilankischen Armee kommandiert, die des intensiven Beschusses von Zivilisten, Krankenhäuser und religiöse Stätten beschuldigt wird, heißt es in der Schweizer Strafanzeige gegen ihn, die ihn auch einen „Kriegsverbrecher“ nennt.

Dias ist auch eng verbandelt mit Gotabhaya Rajapaksa. In dem Buch „Gotas Krieg“ von C.A. Chandraprema Buch „Gotas Krieg“ („Gota’s War“), das vor der Entdeckung von Massengräbern in Matale veröffentlicht wurde, macht der Autor in Kapitel 28 eine Referenz zu Gotabhaya Rajapaksa als den Kommandeur des 1. Bataillons des Gajaba Regiments. „Mit dieser Beförderung, wurde er (GR) nach Matale als der Koordinierungsbeamte des Bezirks kommandiert, (um die damals aufständige) JVP unter Kontrolle zu bringen. Das erste Gajaba Bataillon, das für fast eineinhalb Jahre in Trincomalee stationiert war, wurde nach Matale gebracht. Leutnants Shavendra Silva, Jagath Dias und Sumedha Perera gehörten zu seinen Kompanieführer in Matale“, schreibt der Autor.

Der Fundort des Massengrabes von Matale, das örtliche Krankenhaus, diente damals der Armee als Lager für gefangene Aufständische. Präsident Rajapaksa („Ich bin kein Diktator“) hat der Justiz die Untersuchung des Massengrabes entzogen und verhindert offenbar auch gerichtlich angeordnete Verfahren.

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