Iran-Embargo: Kauft Sri Lanka illegal Roh-Öl auf offener See?

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 4. Juni 2013

Colombo – Der Import wie Export von Waren in und aus dem Iran ist seit dem 1.7.2012 verboten – gegen das Land liegt ein Wirtschaftsembargo vor, verhängt vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wegen des Verhalten des Landes in der Atomfrage bzw. dessen Nichtzulassung von internationalen Atomprüfexperten, die Meiler darauf hin untersuchen, ob in ihnen Waffenfähiges Uran hergestellt wird – oder nicht. Die USA und die EU achten sehr darauf, dass befreundete Nationen das Embargo auch einhalten.

Pech für Sri Lanka, denn die Sapugaskanda Raffinerie wurde nicht nur mit iranischen Krediten gebaut, sie ist auch noch ausgelegt und spezifiziert für das leichte Roh-Öl aus dem Iran. Zwar hatten die USA zunächst eine vorübergehende Ausnahme für Sri Lanka erlaubt, begrenzte Mengen iranisches Öl zu importieren, doch diese Ausnahme ist längst abgelaufen.

Das Öl aus anderen Regionen ist nur bedingt geeignet für diese Raffinerie – außerdem sind andere Ölländer längst nicht so großzügig (gutgläubig?), was die schleppende Zahlungsmoral der Srilanker anbelangt. Der Iran war außerdem bereit, nicht nur die Anlage zu bauen, sondern zumindest einen Teil des Ölgeschäfts mit Sri Lanka im Bartering-Verfahen abzugelten – gegen Tee.

Die Frage also stellt sich: Mit welchem Öl läuft die Sapuskanda-Raffinerie da eigentlich?

Eine überraschende Antwort mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen hat die größte Oppositionspartei Sri Lankas, die UNP heute zur Hand, deren Abgeordneter des Colombo-Bezirks, Ravi Karunayake der Presse gegenüber berichtete, dass Sri Lanka Öl aus dem Iran empfange – nicht etwa im Hafen, wo jedermann das mitbekommen würde, sondern auf offener See würden sich Schiffe beider Nationen „zufällig“ treffen und die Srilanker Öl aus dem Iran für ihre einzige Raffinierie dann mit nach Hause bringen.

„Wir haben Satellitenbilder, die dies beweisen“, behauptete Karunayake gegenüber Ravi Ladduwahetty von Ceylon Today; diese Beweise wolle man aber (noch) nicht veröffentlichen, da man sich sehr wohl bewußt sein, welch‘ üble Konsequenzen dies für Sri Lanka hätte, das ohnehin auf dem besten Weg zum Paria-Staat ist.

Petrolium-Minister Anura Priyadarshana Yapa wies – natürlich – alle Anschuldigungen diesbezüglich umgehend zurück. Seit Juni 2012 kaufe man kein iranisches Öl mehr und es sei auch nichts dran, Sapugaskanda zu privatisieren. Es könne außerdem gar keine Satellitenbilder geben, weil man solchen Hochseehandel, international „Spot Purchases“ genannten Deals, gar (nie) nicht mache.

Doch wie sehr kann man einem Minister trauen, der wegen seines vorherigen Portfolios gerade massiv gegen Vertreter der Medien sowie seines eigenen, vorherigen Ministeriums vorgeht. Naseweise Journalisten haben es von einem korrekten Buchhalter gesteckt bekommen, dass nämlich Yapa in seiner Zeit als Minister für Minerialien & Edelsteine Lizenzen für Abbaugebiete lukrativ – über seine Frau – an Meistbietende vergab, samt dem in Sri Lanka wohl „Override“ und einer Beteiligung an dem Claim (über die Firma seiner Frau).

Yapa zieht derzeit alle Hebbel, um zu vermeiden, dass diese Vorwürfe an die Öffentlichkeit kommen und hat schon mal seinen Nachfolger im Mineralienministerium davor gewarnt, in der Hinsicht weitere Untersuchungen einzuleiten.

Doch zurück zum Öl aus dem Iran. Sollte die Geschichte mit den Satelittenbildern jedoch stimmen, wird es deswegen mit Sicherheit ein internationales Nachspiel für Sri Lanka geben.

Zunächst stellt sich jedoch eine weitere Frage: falls, woher hat die UNP diese Aufnahmen bekommen? Wer, außer Indien, China und den USA überwacht Sri Lanka derzeit so intensiv, dass solche Deals auf offenem Meer vor der Insel auffallen?

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