Nachkriegs-Sri Lanka – wo Opfer die Täter sind

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus Sri Lanka Guardian vom 21. Mai 2013

Von Ranga Jayasuriya

Colombo – Man sollte keine Entschuldigung aufsagen müssen, wenn man den Sieg über eine der krassesten Terrorgruppen, die jemals auf Erden wandelte und ihr Unwesen trieb feiern.

An einem sonnigen Samstagmorgen rollten Panzer auf dem Galle Face Green, flogen Kfir Abfangjäger am Himmel auf und ab und die Kanonenboote der Marine kreuzten im angrenzenden Meer am vierten Jahrestag des Sieges. (Ein Boot kenterte während der Vorbereitungen der Feier, es gab einen Toten, zwei Verletzte). Selbst Monate vor diesem bedeutsamen Kriegskunststück in der Nandikadal Lagoon, galt die Vernichtung der Tamil Tigers (LTTE) wie eine bloße, wilde Fantasie.

Es ist genau diese Gefühle hinter einer kriegerischen Leistung, die allen Widrigkeiten zum Trotz erreicht wurde, von welcher die herrschende Kohorte in Colombo will, dass die Nation sich ihrer erinnert. Es gibt offensichtliche Gründe, den Tod des größenwahnsinnigen Anführers der LTTE, Prabhakaran Velupilllai, und seinem Haufen von Terroristen zu feiern – auch wenn die hohe Zahl der „Kollateralschäden“ so manches mal die Feierstimmung dämpt und auch künftig mit Vorsicht zu genießen sein werden.

Allerdings, die oft umstrittene wie erbitterte Debatte über die zivilen Kosten des Kriges einmal beiseite; diese Kosten sind verpflichtend, auch wenn in einer Aufstandsbekämpfung von der srilankischen Größenordnung soetwas immer geschieht – so hat sich doch Sri Lanka seit der Niederlage der Tamil Tigers zu einem Land entwickelt, das zutiefst enttäuscht.

Paranoides Regime

Das Regime ist paranoid, zutiefst illiberal und hat sich regelmäßiger, systematischer  Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht.

Kein anderer als Präsident Mahinda Rajapaksa selbst erhob die Stimme, um diese fürchterlichen Attribute des srilankischen Regimes zu bestätigen, als er anläßlich der Siegesparade am vergangenen Samstag sprach.

„Ausländische Kräfte und ausländische Invasionen sind nichts Neues für uns“, sagte er.Und:

„In den vier Jahren seit diesem großen, humanitären Sieg gab es viele Strategien, die ausprobiert wurden durch diese Kräfte, unser Mutterland zu regieren. Dazu gehörten der Arabische Frühling, Grease Demons, die Unabhängigkeit der Justiz, die Medienfreiheit und die Menschenrechte. Es gab Versuche, machen uns verantewortlich zu machen – fast alle sechs Monate. Es sind diese finsteren Ziele, wie der Schutz der Menschenrechte und der Demokratie, die gegen uns gerichtet werden“, sagte Rajapaksa weiter.

Ändern Sie den Ort, sagen wir Pjöngjang und die Roten Khmer Kambodschas oder dem stalinistischen Kreml, und ersetzen Sie den srilankische Redner mit einem lokalen Despoten der geographischen Zone, und Sie würden exakt die gleiche Rhetorik hören. (Vielleicht abgesehen von den „Grease Demons“, die ein wirklich einzigartig absurdes Phänomen Sri Lankas sind.)

Was für sich selbst ausführlich spricht, siehe oben, ist diese einzigartig verdrehte Geschichte der Opferrolle, die Entwicklung zum internationalen Paria-Staat und seiner Vettern, die sich hier entwickelt haben. Letztlich wird die Notlage der unzähligen Personen, die in den berüchtigten weißen Transportern („White Vans) entführt wurden oder willkürlich inhaftiert  komplett ignoriert. Die angebliche Opferrolle des Staates, der schuldhaft eine Vielzahl dieser Verbrechen begangen hat und noch immer begeht, wird in großer Lautstärke von der Exekutive bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit beschrieen und bejammert.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Solches Gerede ist alter Wein in neuen Schläuchen. Historisch gesesehen haben Herrscher stets reale und imaginäre externen Bedrohungen hervorgehoben, um die lokale Bevölkerung zu mobilisieren. Für internationale Pariastaaten wie Sri Lanka, die ihre Menschen gegenüber in vielfältiger Weise kläglich versagt haben bieten Angstpsychosen über die angebliche externe Bedrohungen einen bequemen Sündenbock für eben diese Vielzahl von Fehlern. In den Schwaden der weniger aufgeklärten Massen, die das empfängliche Publikum für diese Art von Staats-und Regierungschefs bilden, gibt es genug Gläubige, die bereit sind, jeder noch so abstrusen Behauptung Glauben zu schenken.

Daher hält Präsident Rajapaksa Hof über seinem leichtgläubigen Publikum und machte es glauben, dass seine Regierung ein Opfer der unabhängigen Justiz und der Menschenrechte und einer Vielzahl von Freiheiten sei, deren Privilegien die menschliche Art anderswo genießt.

Wenn Täter für sich die Opferrolle behaupten, wird das eigentliche Opfer zum Täter gemacht.

Die Ex-Oberrichterin Dr. Shirani Bandaranayake, die willkürlich wie ilegal aus ihrer rechtmäßigen Position geschasst wurde oder Lasantha Wickrematunge, der am helllichten Tag erschossen wurde – sie werden zu Schuldigen, nicht nur für ihr eigenes Unglück, sondern auch für die Verleumdung des ansonsten „blütenweißen“ Rufs der Regierung, die beide „entfernt“ hat.

Das ist jedoch eine kleinliche Diskussion, die lediglich den Mangel an Kultiviertheit derer zeigt, die dieses Land regieren. Die Dritte Welt, mit einer Handvoll Ausnahmen, ist verdammt zu solchen Clownerien seit der Unabhängigkeit der meisten dieser ehemaligen Kolonien. Dies ist also kein neues Phänomen.

Den Sieg nicht ausgekostet

Allerdings gibt es hier diese eklatante Kleingeistigkeit in diesem Land erst in seiner post-Nandikadal Geschichte. Die srilankischen Streitkräfte, die vielleicht die schlimmste terroristische Gruppe zerstörten, konnte ihren Sieg nicht genießen; noch können sie den Kopf hoch trageb auf der internationalen Bühne.

Das liegt nicht etwa daran, mehrere tausend Zivilisten, die entweder unglücklicherweise zur falschen Zeit an der falschen Stelle waren, oder eine bewusste Entscheidung für die Seite der Terroristen getroffen hatte, in der letzten Phase des Konflikts ums Leben kamen. Kollateralschäden sind ein integraler Bestandteil jedes Krieges und mehr Menschen sind in anderen Kriegen umgekommen, aus im Irak, Afghanistan oder Tschetschenien.

Die Kehrseite ist, wie die Regierung diese Vorwürfe behandelt. Das Verhalten der Regierung zeichnet sich  durch seine offensichtliche Paranoia aus, der ekelerregenden Selbstherrlichkeit und dem bewährten Rückgriff auf die schmutzige Taktik des Rufmordes. Es ist dieses Verhalten, das den neuen, negativen Ruf Sri Lankas kultiviert.

Das Kleingeistigkeit der Herrscher haben versagt dabei, das Land in eine Nachkriegs-Demokratie zu führen. Das Regime sanktionierte während der Kriegszeit fragwürdige Terrorismusbekämpfungs-Strategien, die von außergerichtlichen Hinrichtungen reichten bis hin zu Entführungen – dies nun auch als Lösung für Probleme in Zeiten des Friedens von Krieg. Diese verzerrten Geister sanktionierten kürzlich die Entführung von demokratischen politischen Führer und Partei-Aktivisten wie Lalith und Kugan und regieren mit eine Kultur der Angst in Jaffna und Umgebung. Die häufigen un d regelmäßigen Angriffe auf die Medien entschuldigt das Regime mit immer fadenscheinigeren Ausreden.

Mit solchen Eskapaden galvanisiert sich Sri Lanka imer mehr als aufstrebender Pariastaat. Das ist eine mehr als nur traurige Metamorphose für eine der ältesten Demokratien Asiens. Die Staats-und Regierungschefs, die sich als Staat im Staat auf dieser ereignislosen Insel etablieren konnten, wissen ganz genau und tief in ihren schwarzen Herzen, dass sie mit einem – wenn gleich unterschiedlichen Grad – der Verachtung in der Welt der Demokratien angesehen werden.

Diese unsere Führer haben auch eine schwere Ungerechtigkeit gegen unsere Soldaten begangen, die mit ihrem Leib und Leben bezahlten um einen größenwahnsinnigen Terroristen zu besiegen. Nicht nur, dass sie unsere Soldaten der öffentlichen Verehrung beraubten, die diese Soldaten wirklich verdienten, das Regime beraubte unsere Soldaten obendrein ihrer beruflichen Würde.

Hätte die Regierung Vorwürfe von Kriegsverbrechen abgehandelt, wie jede andere zivilisierte, modernes Militärs auf es getan hätte, wären unsere Soldaten in einer besseren Position, um ihre berufliche Integrität zu projizieren.

Die wahre Stärke der srilankischen Streitkräfte sind seine ausgebildeten und vor allem kampferprobten Truppen. Der Rest, die militärische Hardware, die auf der Siegesparade ausgeführt wurde, besteht aus veralteten T 55 und T 72 Panzern, ein paar Kfir und M 27 Kampfflugzeuge, ein paar Kanonenboote – nichts, was ein einziger Luftschlag, durch einen einziges fortschrittliches Kampfjet, wie sie and moderne Streitkräfte en masse haben, endgültig in Altmetall verwandelt werden würde.

Es waren die Männer, die Nacht-Missionen in diesen veralteten Kfirs flogen, in Maschinen, die von der israelischen Verteidigung längst ausgemustert worden waren, oder die Kanonenboote kommandierten gegen mit neusten Waffen hochgerüstete Sea Tiger Boote, von denen es nur so wimmelte. Diese Männer haben in Wahrheit den Sieg vor vier Jahren erreicht.

Ihr Know-how hätte nützlich sein können – anderswo in der Welt. Sei es an den UN-Missionen oder in Form von Private Security Beratungsfirmen, ein lebhaftes, hochbezahltes Geschäft von Afghanistan bis Irak.

Ganz klar behindern Bedenken über Menschenrechte ein optimales internationales Engagement unsere Truppen. Und o sind einige dieser heroischen, kampferprobten Krieger dazu verurteilt, Wassergräben um die Pferderennbahn zu ziehen… (oder in Cafés, Bistros und Hotels zu bedienen…).

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