Warum Chris Nonis keine Mattala-Prospekte verteilte…

Von der LTTEwatch-Redaktion vom 9. April 2013

LondonDr. Chris Nonis, Botschafter Sri Lankas in Großbritannien, sprach beim Ambassadors Panel des Global Economic Forum (Globales Ökonomisches Forum) vergangene Woche in glühenden Worten und Farben über die herausragende geostrategische Positionierung Sri Lankas an den Schnittstellen der großen Schiff- und Luftfahrts-Strecken des westens und des Osten und über die wunderbare Entwicklung der Infrastruktur seines Landes ind er der Nachkriegs-Ära.

Er sprach auch ausführlich über den neu eingeweihten Mahinda-Rajapaksa-Flughafen in Mattala und den neuen Mahinda-Rajapaksa-Hafen in Hambantota, die beide dazu beitragen würden, Sri Lanka als Logistik-Drehscheibe für den Indischen Ozean zu positionieren.

Nonis verwies auch auf die wachsende Zahl der Touristen, mit über 114.00 allein aus Großbritannien und darauf, dass British Airways in Kürze ihre Flüge nach Sri Lanka wieder aufnehmen werde.

Auf Anweisung seines Dienstherren, dem Außenminister Sri Lankas, Prof. Dr. G.L. Peiris, sollte Nonis auch bei der Gelegenheit ein Prospekt an die honorigen Anwesenden seiner Kollegenschaft verteilen.

Doch das tat Nonis nicht, wie eine unter Freunden Sri Lankas zirkulierende Mail verrät.

Über die Gründe dafür läßt sich trefflich spekulieren…

War es, weil

– der Bau des neuen Flughafens mit teurem Leihgeld aus China nicht nur eine wirtschaftliche Fehlplanung sondersgleichen darstellt, sondern auch eine ökologische Katastrophe? Der Boden um Mattala gilt als einer der fruchtbarsten des Landes, praktisch alles wächst hier; oder vielmehr würde hier wachsen, wären nicht 160 Hektar wertvollen Bodens zubetoniert worden.

– Mattala unter ökologischen Gesichtspunkten zu erwähnen, heißt auch, zu sagen, dass es mitten in dem größten zusammenhängenden Naturschutzgebiet Sri Lankas liegt, ein Paradies für Elefanten, Vögel und andere, selten gewordene Spezies. Damit Elefanten, Krokodile und anderes Getier nicht aufs Rollfeld kommen, wurde ein elektrischer Zaun runherum installiert, professionell Trommler wurden engagiert um mit anhaltendem Getrommel das Getier fernzuhalten. Weil das auf Dauer nicht hilft – die Tiere gewöhnen sich an das Getrommel – sollen jetzt auch noch alle Wasserstellen rundherum zubetoniert werden in dem verzweifelten Versuch, die Flieger nicht durch Vogelflug beeinträchtigt zu sehen. Bislang wurden zwei Beinahekatastrophen gemeldet, bei Zusammenstößen zwischen Flugzeugen und Vogelschwärmen.

Anwohner melden, dass der 24 Stunden, hell erleuchtete, einsam im Dschungel liegende Flughafen nachts bis zu 40 Kilometer weit zu sehen ist.

Noch ist allerdings wenig Flugverkehr zu hören, denn der Mahinda-Rajapaksa-International-Airport in Mattala hat noch keine internationale Zulassung (und auch kein internationales Kennzeichen-Kürzel, womit es sehr schwer ist, das Gepäck von Transfer-Reisenden an den Flughafen zu bekommen).

– Über die Ökologie des neuen Flughafens zu reden und den Propekt dazu vorzulegen, hieße wohl auch, zuzugeben, dass der voll ausgebaute Katunayake-Flughafen bei Colombo seine Kapazität von 7 Millionen Passagieren mit knapp 3 Millionen Passagieren jährlich noch längst nicht erreicht hat und damit die Wirtschaftlichkeit eines zweiten internationalen Flughafens für eine kleine Insel wie Sri Lanka mit der Differenz in Fragzeichen versehen ist. Dasselbe gilt für den brachliegenden Hafen von Hambantota – eine ökonomische wie ökologische Totgeburt, an der die srilankischen Steurzahler noch bis weit in die nächsten Generationen zu zahlen haben werden.

– Apropos Touristen: wie eine Untersuchung der srilanksichen Toursimusbehörde verrät, sind es nach wie vor in der Mehrzahl Low-Budget-Touristen und Rucksackreisende, die das Land besuchen. All die schönen 4 und 5 Sterne Boutique-Hotels, die an die schönen Strände der Insel betoniert wurden, und die zum Teil mit Hilfe erbaut und unter der Leitung der Armee stehen, verzeichnen wirtschaftlich halsbrecherische Leerstände.

– Wenn man über wirtschaftliche Drehscheiben redet, dann müsste man auch zugeben, dass es zum einen in der Gegend genügend davon gibt (Singapour, Chennai) und dass die Wiederaufnahme des Flugverkehrs nach Sri Lanka durch British Airlines eher als wirtschaftliche Bedrohung für die ohnehin angeschlagenen srilankischen Gesellschaften Mihin Air und Air Lanka zu sehen ist; letzter mit einem derzeit täglichen (!), staatlich subventioniertem Verlust von 50 Millionen Rupees. (Die verlustzahlen von Mihin werden unter Verschluß gehalten, denn schließlich handelt es sich um einen Familienbetrieb der Rajapaksas…) Es ist anzunehmen, dass gerade die Briten lieber mit der „eigenen“ Airline in den Urlaub fliegen…

Übrigens: Fast 20 Millionen Rupees kostet es täglich, den „internationalen“ Flughafenbetrieb von Mattala aufrecht zu erhalten. Nicht nur weil Tag und Nacht das Licht brennt, schlimmer, weil der Sprit für die Flugzeuge per Tanklastwagen aus Katunayake geholt werden muss. Pro Langstreckenflug braucht so ein Flieger schon mal 100.000 Liter davon, 5 Tanklastwagen voll werden pro Flieder benötigt…

Oder legte Botschafter Nonis den Botschafter-Kollegen bei Globalen Ökonomischen Forum das staatliche Flugblatt aus ganz anderen Gründen nicht vor?

In der E-mail, die derzeit die Runde in diplomatischen und journalistischen Kreisen macht, heißt es sarkastisch: „Wir sind sicher, dass Sie, die Nutzer, Leser und Lehrer der Englischen Sprache beeindruckt sein werden von der sprachlichen Brillianz und der denkwürdigen Hommage des Flugblatts, das anläßlich der feierlichen Eröffnung des zweiten internationalen Flughafens Mattala verteilt wurde. Bitte leiten Sie dieses inspirierende Dokument weiter an andere, die hart arbeiten, um die Public Relations und den Bildungsstandard in Sri Lanka zu verbessern… Beachten Sie bitte auch besonders die Vielzahl der Namen der Journalisten, die für dieses grandiose Werk verantwortlich zeichnen!“

Doch, liebe LTTEwatch-Leser, urteilen Sie selbst. fest steht: Zumindest diesmal hat das Rajapaksa-Regime die Lacher auf ihrer Seite.
Mattala

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