Sri Lankas Kriegsverbrechen: USA könnten nun direkt eingreifen

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus Colombo Telegraph vom 16. Juni 2012

Von Donald Gnanakone

London – Die Londoner Anwältin Vasuki Murugathas gibt Fotos und Kurzvideos an die Öffentlichkeit weiter – und verschärft damit die Kriegsverbrechen-Probleme von Sri Lankas Regierung drastisch.

In einer dramatischen und unerwarteten Weise hat eine tamilische Anwältin in London, Vasuki Murugathas 24 Fotografien und 32 kurze Videos, Aufnahmen des Mobiltelefons eines Soldatin der Armee Sri Lankas in den letzten Tagen des Krieges im Vanni entdeckt – und veröffentlicht. Der Zeitstempel der Videos und Fotos lautet auf den 5. und 6. April 2009.

Einer der Klienten der Anwältin, der aus „Furcht vor den Staats-Terroristen“, die nur allzu bekannt dafür sind, Angriffe auf die Familie und Freunde von Kritikern auszuführen, möchte derzeit lieber anonym bleiben; er bereit jedoch, gegenüber internationalen, unabhängigen Ermittlern seine Aussagen zu bezeugen – wenn erst einmal sein Flüchtlingsstatus in London bestätigt wird.

Der Überbringer der Aufnahmen arbeitete in einem Internet-Cafe, das regelmässig von Soldaten besucht wurde, die ihn mit der Sicherung der Daten ihrer Handys und dem Herunterladen ihrer selbstgemachten Videos betrauten, damit sie ihre Fotos und Bilder, insbesondere von nackten tamilischen Mädchen per E-Mail zu verschicken. Der ursprüngliche, Original-Content liegt sicher verwahrt bei einem Anwalt in London.

Einige der Fotografien zeigt deutlich ein Verhaltensmuster von traurigen Konsistenz der Armee Sri Lankas. Alle weiblichen bewaffnete und unbewaffnete Kämpfer und Zivilisten sind nackt ausgezogen oder in ihrer Unterwäsche an den Knien zu sehen, die BHs sind entweder nicht vorhanden oder in der Nähe ihres Halses, was die Brüste von Teenager-Mädchen oder jungen Frauen freilegt. Nur wenige der Männerleichen sind vollständig nackt.

Dieses Muster wurde erstmals deutlich, als die LTTE nahen Medien Fotos der ehemaligen LTTE-TV Ansagerin Isaipriya veröffentlichten, die sie nackten zeigen und Fragen zu Vergewaltigung und Folter vor ihrem Tod auslösten. Isaipriya war wegen eines Herzfehlers nie bewaffnete Kämpferin, und doch zeigen die Bilder ihre Hände hinter ihrem Rücken gebunden, als Channel-4 diese grausigen Bilder in der Dokumentation „Sri Lanka’s Killing Fields“ der Welt zeigten.

Die Organisation Tamilen Für Gerechtigkeit (Tamils For Justice) haben 20 ähnliche Fotos aus dem Jahr 2006, aufgenommen nach der Schlacht von Mavil Aru, wo ebenfalls alle Kämpferinnen nackt waren, bevor sie von srilankischen Armee-Angehörigen fotografiert wurden. Diese detaillierten Fotografien sind bislang noch nicht veröffentlicht worden, doch es gibt keine Möglichkeit, dass die Regierung von Sri Lanka oder deren Presidentialer Sprecher Bandula Jayasekera wieder behaupten könnten, dass diese Fotos von der LTTE-Propaganda-Abteilung hergestellt wurden, denn es gibt eindeutige Anzeichen dafür, dass diese Aufnahmen von hohen Beamten des srilankischen Verteidigungsministeriums gemacht wurden – auch gibt es bereits eine Bestätigung dieser Tatsache; nach der üblichen, anfänglichen Leugnung.

Diese Fotos werden in einen Dokumentarfilm über Sri Lanka und die letzten Tage der Schlacht in der Vanni-Region in naher Zukunft veröffentlicht werden.

Als die Anwältin die Fotografien über die Zeitung The Independent in London veröffentlichte, gab es schon kurz darauf Reaktionen. Ein Mann, der im Vanni lebt, und der davon ausging, dass sein Sohn während der Schlacht starb, ist überglücklich, dass sein Sohn zuletzt lebend gesehen wurde am 6. April 2009, wie auf einem Foto deutlich zu erkennen – in Gefangenschaft, wie ein Tier in einem Armee-Bus sitzend, in Handschellen, zusammen mit anderen Jugendlichen, Männern und Frauen.

Nach drei Jahren ist dies das erste Mal, dass er Nachricht bekommen hat, dass sein Sohn schon bald nach Hause kommen könnte – trotz der Tatsache, dass die Armee und das Verteidigungsministerium behauptet hat, dass der 1990 geborene junge Mann weder kapituliert habe noch in Gefangenschaft sei.

Derartig widersprüchliche Aussagen durch das Militär sind der Grund für Menschenrechtler weltweit, dass sie den Verdacht teilen, dass dieser Teenager einer von Tausenden von Tamilen sein könnte, die hingerichtet wurden oder einer der 146.769 Tamilen ist, die laut der Aussagen des Bischofs von Mannar, Rajappu vor der LLRC, als vermisst gelten.

Der Vater dieses Jungen (im Farbbild unten, rechts) kontaktierte den Londoner Anwalt und wurde per Telefon interviewt – dies wurde aufgezeichnet durch einen Medien-Berater und via YouTube veröffentlicht. Die Englische Übersetzung der Transkripte werden demnächst durch Anwältin Murugathas veröffentlicht.

Der fragliche Junge war kein Kämpfer, sondern Mitglied der medizinischen Abteilung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE). Es ist verwunderlich, dass das srilankische Verteidigungsministerium solche schwere Verstöße gegen die Genfer Konventionen bezüglich Kriegsgefangenen zulässt, und keine Informationen über einem unbewaffneten Kämpfer an das IKRK, SLRC, UNHRC, UN, LLRC geschweige denn, den Eltern oder Angehörigen weitergibt – dies ist in der Tat herzlos.

Nun aber gibt es einen Namen, ein Gesicht, ein Geburtsdatum und andere Details – und die Beweislast verschiebt sich direkt an den Leiter des Verteidigungsministeriums, dem Bruder des Präsidenten, Gotabhaya Rajapaksa, den verbleibenden Heerführern, die noch im Dienst sind sowie an den UN-Diplomat, Generalmajor Shavendra de Silva, dessen Bild in einem der kurzen Videos dieses Soldaten erscheint, neben den 32 anderen Videos, die verfügbar sind.

Die Herausforderung für die Regierung von Sri Lanka ist es nun, zu bestätigen, dass das dieser Teenager (heute wäre er 22 Jahre alt) sowie all die anderen Jugendlichen und Jugendlichen in den Fotografien und Videos, die ganz offensichtlich lebend oder mit leichten Verletzungen am 5. April 2009 gefangen wurden, noch am Leben – und nicht brutal un kaltblütig ermordet wurden. Wenn sie am Leben sind, stellt sich die drängende Fragen, warum sie auch nach den 3 Jahren noch nicht freigegeben worden, nach dem sie die so genannte, von der Regierung vielgerühmte Rehabilitation durchlaufen haben, zu denen auch Gesang, Tanz, Theater und andere kulturelle Ausbildung gehören.

Als hätten diese Menschen nicht schon genug Drama in ihrem Leben erlebt, als dass sie eine von Regierung und sei Lankas Armee gesponserte therapeutischen Schauspielausbildung, wo einige der Aktivitäten durch den Mitbegründer der TGTE, der ominösen Transnationalen Regierung von Tamil Eelam, Selvarasa Pathmanathan alias K.P., dem ehemaligen Waffenschieber der LTTE und neuem Freund der Regierung kontrolliert werden?

Die srilankische Regierung sollte diese nun aufgetauchten Angelegenheit ernst nehmen und dies zügig, denn all dies subsummiert sich zu „Kriegsverbrechen“, und dem massenhaften Mord an tamilischen Zivilisten und Kriegsgefangenen. Dass diese Menschen einfach „verschwunden“ seien, ist keine Antwort, welche die internationale Gemeinschaft akzeptieren kann, zumal das Thema bereits auf den Agenden von UNO-, US-State Departement, Amnesty,  Human Rights Watch und anderer Organisationen sind.

Es gibt auch Befehlsketten- und Verantwortungs- Themen, bei denen es möglicherweise bis hinauf zum Kommandant der Armee, General Sarath Fonseka, Verteidigungs-Staatssekretär Gotabhaya Rajapaksa gehen könnte – ungeachtet dessen, dass Präsident Mahinda Rajapaksa Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Armee ist.

Übrigens fallen Fonseka und Gotabhaya Rajapaksa als US-Bürger vollständig unter US-Rechtsprechungen und -Gesetze, und deshalb müssen das US-State Department und die in den USA zuständigen Strafverfolgungsbehörden keine Rücksicht auf den UNO-Menschenrechtsrat und/oder diplomatische Verzögerungstaktiken Rücksicht nehmen. Dies sind Verbrechen und Verstöße gegen die Menschlichkeit.

Die ernste Frage, die sich nun stellt ist: werden die USA und die Tamilen wirklich aktiv, oder waren das einfach nur leere Drohungen in den letzten drei Jahren?

Gemäß den Metadaten der Fotografien der Videos können zwei singhalesischen Soldatinnen eindeutig identifiziert werden, obwohl die Namen noch dem Prozess der Überprüfung unterlaufen; eine der Beiden ist auch als die Fotografin identifiziert. Ein weiteres Video in den Besitz der Anwältin zeigt, dass sie im Jahr 2009 ein neues Haus baut – aus dem Gewinn der Beute, die sie in der Vanni Region gemacht hat? Alle Wertsachen und Habseligkeiten wurden von den tamilischen Zivilisten wurden beschlagnahmt. Was ist damit geschehen?

Diese Soldatinnen sind leicht identifizierbar und zurückverfolgbar und der ehemalige Armeechef Fonseka, der seine Zusammenarbeit schon angeboten hat, kann sicherlich auch die erforderliche Unterstützung der Soldaten unter seinem Kommando entweder direkt oder durch andere Offiziere erwarten.

Es gibt noch eine andere Frau aus Europa, die eine der im Foto gezeigten Kriegsgefangenen als nahen Verwandten identifiziert hat. Weitere Untersuchungen sind im Gange und Zeugenaussagen werden aufgenommen, und der gesamte Prozess soll sicherstellen, dass alle hoffentlich noch am Leben sind, und bald entlassen und von ihren Eltern in die Arme geschlossen werden können. Das zumindest wurde auch die Militärs vor den Vorwürfen der Kriegsverbrechen retten – zumindest, soweit es diese Jugendlichen betrifft.

 

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