TYO und LTTE – bei Borussia nicht (mehr) willkommen

Von Jean-Marie Stendhal vom 1. September 2011

Dortmund – Mit unglaublicher Dreistigkeit gingen Mitglieder der Tamil Youth Organisation, einer Frontorganisation der weltweit geächteten Terrorgruppe LTTE vor, um sich bei einer Demonstration des Bundesliga-Vereins Borussia Dortmund gegen Rechtsradikale einzuschleichen.

23. August 2011 – im Dortmunder Westphalen Stadion findet eine Demonstration gegen rechte Gewalt und Neo-Nazis statt. Die Veranstaltung ist unter der Schirmherrschaft des Dortmunder Bürgermeisters Ulrich Sierau, der Slogan ist: „Wir sind alle verbunden durch Borussia“ und der Präsident des Deutschen Fußballbundes, nebenbei Präsident von Borussia und ehemaliger Justizminister von Nordrhein-Westphalen, Dr. Rainhard Rauball, hält eine flammende Rede für die Demokratie und wider rechter Xenophobie und Neo-Nazitum und lobt ausdrücklich die Demonstration. Die Idee hinter der gleichzeitigen Flaggen-Parade auf dem Rasen: die Borussen-Fans sollten qua Landesflagge zeigen, wo sie herkommen und so fremdenfeindlichen Borussen-Fans den Wind aus den Segeln nehmen.

Während Rauball noch spricht, paradierten also 160 Mitglieder des Borussen-Fanclubs, der auch als Veranstalter aufrat, mit den Nationalflaggen ihrer ursprünglichen Heimat-Länder über das Grün des heiligen Rasens, wobei je vier Mitglieder eine großformatige Flagge halten.

Bestimmt gab es unter den knapp 30.000 Zuschauer der Veranstaltung, die vor dem Spiel Borussia gegen den FC Nürnberg stattfand, einige Menschen, die sich ganz besonders über eine Flagge verblüfft waren, die da durch das Stadionrund getragen wurde.

Und bestimmt gabe es auch einige unter den Zuschauern, die sich ins Fäustchen lachten, wegen dieser Flagge – und über den gelungenen PR-Coup dahinter.

Denn diese eine, auffällig blutrote Flagge, die nur wenige Meter hinter der srilankischen paradiert wurde, zeigt einen Tiger mit gefletschten Zähnen, vor gekreuzten Kalaschnikows und einem Ring aus goldenen Patronen – die offizielle Fahne der Tamil Tigers of Tamil Eelam, besser bekannt als LTTE, eine auch in der EU geächtete terroristische Gruppe, die keineswegs durch demokratisches Tun auffällig wurde, sondern, laut amerikanischem FBI „einer der ruchlosesten, gefährlichsten Terrorgruppen der Welt ist“ und die als „Erfinder“ von Selbstmordbomben-Attentätern fast 30 Jahre lang berüchtigt war wegen ihrer Massaker an Andersdenkenden.

Vor über zwei Jahren, im Mai 2009, gelang es der srilankischen Armee, die Terrorgruppe, die sich eine riesige, bestens ausgerüstete, konventionelle Armee von den Spendengelder der tamilsichen Diaspora im Westen leistete, militärisch vernichtend zu schlagen.

Doch das internationale Netzwerk der Terrorgruppe, das im Westen bevorzugt und ganz öffentlicht unter dem Deckmäntelchen der humanitären Hilfe oder gar als Kulturverein agiert, ist offensichtlich noch weit davon entfernt, vernichtet zu sein.

Nicht nur die düpierten Borussen-Fans können nun davon ein leidvolles Lied singen.

Dort, im Fanbüro des BVB, hatte sich ein „Srilanker“ gemeldet und nachgefragt, ob man denn beim dem Fahnenaufzug der 40 (demokratischen) Länder nicht auch mitmachen könne; Sri Lanka, so behauptete er, habe ja zwei Flaggen – der Mann gab sich als Mitglied der Tamil Youth Organisation (TYO) zu erkennen. Er behauptete auch, dass die Fahnenträger, die Sri Lankas National-Flagge tragen sollten, nichts dagegen hätten…

Und natürlich kann man von einem Fanclub, der voller Enthusiasmus den Kampf gegen Rechts in Kopf und Sinn hat, nicht auch noch verlangen, dass man alle Flaggen demokratischer Staaten auswendig kennt… Da diese Anfrage auch noch recht kurzfristig vor der Veranstaltung geschah, bekamen der Mann eine Zusage – und tauchte prompt am Tag der Veranstaltung mit der blutroten LTTE-Flagge unterm Arm auf. Weil nicht genügen Eelamisten zur Verfügung standen – die anderen waren wohl zum Filmen abgestellt – trugen drei nichtsahnende Borussia-Fans zusammen mit einem TYO-Vertreter das Symbol einer Terrorgruppe und deren seperatistischen Anstrengungen mit ins Rund.

Die LTTE gilt als „Erfinder“ der heute so furchtbar geläufigen Selbstmordbomben-Attentate. In Sri Lanka und Indien sind mindestens 40 führende Beamte und Minister, darunter drei Regierungspräsidenten solchen Anschlägen zum Opfer gefallen, der im Westen wohl bekannteste unter ihnen der indische Ministerpräsident Rajiv Gandhi im Mai 1991. Insgesamt hat der Krieg der LTTE mindestens 100.000 Zivilisten das Leben gekostet.

Obwohl die LTTE in Sri Lanka militärisch besiegt wurde, betreiben verbleibende Kader noch immer ein internationales Netzwerk, das sich nun eher kriminellen Tätigkeiten widmet. Sie unterhalten eine eigene Schiffsflotte, sie betreiben zur Geldwäsche Läden und Restaurants und sie betreiben im großen Stil Menschenschmuggel, Waffen- und Drogenhandel.

In Deutschland stehen derzeit mehrere Mitglieder von sogenannten Frontorganisation der LTTE von Gericht unter anderem wegen räuberischer Erpressung tamilischer Exilanten in Deutschland, z.B. in Düsseldorf. Zu diesen Frontorganisationen zählt u.a. auch die TYO (Tamil Youth Organisation) oder, als Tsunami-Spendensammler bekannter, die Tamil Rehabilitation Organisation (TRO). Es ist bekannt, dass die TRO etwa 90(!) Prozent ihrer eingesammelten Spenden, vorgeblich zur Unterstützung und Hilfe für Tsunamiopfer, dazu benutzte, Waffenkäufe für die LTTE zu tätigen. Der Grund, warum ihre Vermögen in den USA und Kanada eingefroren und die Organsation selbst dort verboten wurde.

Das Signal, das von der LTTE-„Jugendorganisation“ TYO beim BVB-Event gegen Rechts gesetzt werden sollte, war, dass man der großen tamilischen Dispora in NRW eine Fanal setzen wollte. Seht her, auch wenn wir militärisch in der Heimat besiegt sein sollten, wir sind immer noch da; wagt es nicht, gegen uns bei der Polizei gegen uns auszusagen, sonst…

Viele der Tamilen NRWs, die Zeuge dieses denkwürdigen Auftritts wurden, ist nun wieder Angst und Bang‘, denn die Dispora wurde von den LTTE-Mitgliedern viele Jahre lang regelrecht geschröpft. Aus der Schweiz und den Niederlanden sind vor Gericht Fälle bekannt geworden, wonach Exil-Tamilen gezwungen wurden, mit gefälschten Gehaltsbescheingungen Kredite aufzunehmen, die weit über ihrem tatsächlichen Einkommen lagen, damit sie ihre „Endkampf-“ und „Kriegs-Steuern“ zahlen konnten; falls nicht, habe man ja Zugriff auf die in Sri Lanka verbliebene Verwandtschaft.

Man kann sich also leicht vorstellen, welch‘ verheerende Wirkung der öffentliche Auftritt der Tiger-Flagge bei der tamilischen Diaspora im Stadion, in Deutschland hatte (viele dieser Menschen sind genau vor dem Terror ihrer eigenen Landsleute hierher geflohen), und welche Ängste erneut dadurch ausgelöst wurden.

Ab davon. Man stelle sich die Empörung Hierzulande vor, wenn beispielsweise bei einem internationalen Cricket-Tournier in, sagen wir Sri Lanka, bei der Parade der Flaggen statt der Schwarz-Rot-Goldenen, der R.A.F.-Stern oder das Hakenkreuz gehisst würde.

Wenige Tage nach der Veranstaltung, das Filmchen vom „PR-Sieg“ hatte wohl auch die Runde gemacht, setzte bei der Pressestelle Borussias ein heftiger Telefonansturm ein. Unter anderem meldete sich die Botschaft Sri Lankas in Form des stellvertretenden Botschafters von Sri Lanka, Jagath Dias. Der wollte wissen, was da los gewesen sei und verlangte nach einer Erklärung. Die wollte man auch seitens eines deutlich irritierten deutschen Auswärtigen Amtes haben.

Auch den Veranstaltern war zwischenzeitlich ein Lichtlein aufgegangen, wen man da eigentlich präsentiert hatte und man beeilte und bemühte sich redlich, sich von der politisch peinlichen, fatalen Aussage zu distanzieren. Das aber, wenn möglich, in aller Stille. Denn vor allem hat man auf Seiten des Vereins natürlich Angst vor der Boulevard-Presse, und der imginierten Schlagzeile „Borussia unterstützt Terrorgruppe“. Doch dem allmächtigen Vier-Buchstaben-Blatt ist der Faux-pas und seine Implikationen bislang entgangen.

Man schämt sich im Stillen beim BVB – zu Recht, und versucht, den Vorfall tot zu schweigen. Trotz Anfragen haben sich Offizielle des Vereins bislang nicht zur Sache geäußert – vielleicht kommt das ja noch, man wird sehen… Herr Rauball, so hieß es, habe derzeit viel zu tun.

Der Coup der deutschen Vertreter der TYO wurde natürlich auch als, ja eben „PR-Sieg“ in den tamilisch-nationalistischen, LTTE-nahen Medien groß abgefeiert. „Tamil Eelam Flagge bei großem deutschen Sport-Event gezeigt“ hieß es da triumphierend bei Tamil Net, dem Sprachrohr der Rest-LTTE.

Die ganze Aktion erinnert stark an damalige „Antikriegs“-Demonstrationen von – ausgerechnet – LTTE-Anhängern in Borken und Landau kurz vor dem Ende des Krieges in Sri Lanka, wo sich die Bürgermeister dieser Städtchen zum Gruß-August von Terroisten-Anhänger und -Unterstützern machen ließen und deren Fotos vor Eelam-Flaggen noch heute als LTTE-Propaganda missbraucht wurde..

Jagath Dias, stellvertertender Botschafter Sri Lankas sagte zu dem Vorfall: „Wir Srilanker sind leidgeprüft und wissen, mit welchen perfiden Methoden und Tricks die LTTE und ihrer Frontorganisation vorgehen um ihre Sache zu propagieren. Seit langer Zeit haben wir immer und immer wieder unsere Freunde im Westen vor dieser terroristischen Organisation und ihren Machenschaften gewarnt. Man hörte nicht auf uns. Ich kann nur sagen: diese Leute sind zu allem fähig, gerade, wenn siesich  in die Enge getrieben fühlen.

„Zu dem Vorfall in Dortmund möchte ich sagen, dass es mir ziemlich egal ist, ob irgendwelche Leute irgendwelche Flaggen als Nationalfahne schwenken oder nicht, dies ist ein freies Land und jeder halbwegs gebildete Mensch weiß, dass es deshalb noch lange keine neue Nation gibt, nur weil die Tigerflagge in einem Fußballstadion geschwungen wird.“

„Der Hintergund ist aber hier ein anderer. Ich verstehe die Aktion, wie übrigens viele Tamilen auch, die sich deshalb in unserer Botschaft gemeldet haben, anders und mit sehr ernstem Hintergrund. Das Ganze sollte eine deutliche Warnung an die Tamilen sein, die in Deutschland leben. Ein Warnung, dass die LTTE und ihrer Anhänger hier in Deutschland und in der EU noch sehr aktiv sind – im Gegensatz zu Sri Lanka. Die Tamilen in Deutschland, gerade in NRW, wo viel von ihnen leben und gut integriert sind, sollen dadurch davon abgehalten werden, die illegalen und kriminellen Machenschaften dieser Leute bei der Polizei anzuzeigen. Noch immer erzwingen diese Leute von den Tamilen Geld für die LTTE. Ich kann meinen Landsleuten nur sagen: habt Mut, erstattet Anzeige, geht zur Polizei! Und auch wir bei der Botschaft helfen euch, sie können euch und euren Verwandten nichts mehr tun! Dieser Tiger ist zahnlos und diese Flagge ein bedeutungsloses Stückchen Stoff!“

Der krude Jux mit dem Stückchen Stoff und dem todernsten Hintergrund könnte sich noch als Boomerang für die TYO und andere tamilische Organisationen beweisen, die seit langem unter dem Verdacht stehen, lediglich Geldwäsche-Organisationen einer terroristischen Gruppe zu sein.

Diese Aktion bestärkt den Verdacht, dass diese Organisationen noch immer die mono-ethnischen und antidemokratischen Ziele der LTTE mit aller Macht verfolgen, deretwegen sie in vielen Ländern verboten wurde und deretwegen diese Gruppe und ihrer vorangeschalteten Proxys beispielsweise in Deutschland vom Verfassungsschutz (zuständig derzeit: NRW, also das Bundesland, in dem Rauball einst Justiz-Minister war…) beobachtet werden.

Eines hat die TYO schon mal mit Sicherheit erreicht: weitere Veranstaltungen gegen rechte Gewalt und wird es im Westphalen-Stadion vorerst nicht mehr geben. Die tumben neo-Nazis unter dem Fußball-Freunden werden’s ihnen ewig danken.

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