Rajasingham Narendran: Das neue Jaffna, wie ich es erfahren konnte

Der im März von Botschafterin Butenis eröffnete "American Corner" bietet Besuchern kostenlose Internetnutzung, ein Bibliothek und diverse Kurse und erfreut sich großer Beliebtheit

Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion aus Transcurrents vom 12. Mai 2011

Von Dr. Rajasingham Narendran

Jaffna – Ich habe insgesamt für zwei und einen halben Monat zwischen Januar und April 2011 in Jaffna gelebt. Ich sah nicht fern, hörte kein Radio, las keine Zeitungen und hatte keinen Zugang zum Internet, als ich dort war. Ich versuchte wahrzunehmen, was um mich herum geschah, bei Interaktionen mit den Menschen dort im alltäglichen Leben. Was ich hier berichte, ist bestimmt kein Resultat wissenschaftlicher Untersuchungen oder strukturierter Studien, sondern eine Zusammenfassung meiner persönlichen Erfahrungen und Eindrücke.

Auf persönlicher Ebene genoss ich meinen Aufenthalt vollkommen und entdeckte die einfachen Freuden des Lebens neu, dem Hamsterrad zu entkommen. Ich genoss die saubere Luft, den blauen Himmel, die sternenübersäte Nacht, die kühlende Brise und den Klang des ‚Jaffnaisch“ der Tamilen aus Jaffna. Ich genoss die Klänge der Natur – das Tschilpen der verschiedenen Vögel und das Rascheln der Blätter und war doch nahe genug bei den Klängen des modernen Lebens an der A 9 Autobahn. Ich genoss die Abwesenheit von Furcht, die in Jaffna trotzdem überall noch spürbar ist.

Von der Veranda aus konnte ich einen sehr alten Palmyra-Baum sehen – den größten unter den Bäumen in der Umgebung -, der nicht nur sehr groß war, sondern auch kerzengerade gewachsen, obwohl er dreißig lange Jahre lang wie ein Wachsoldat inmitten eines brutalen Krieges gestanden hatte, der um ihn herum tobte. Ich wunderte mich, ob der „Mann aus Jaffna“ (genannt „Panam Kottai“ – Palmyra Saat) so alt wie dieser Palmyra-Baum sein könnte, trotz aller Widrigkeiten, denen er sich in den letzten dreißig Jahren gegenüber gesehen hatte…

Ich konnte lange Stunden in meinem Lehnstuhl sitzen und darüber nachdenken, was man tun könnte, um Jaffna – unserem Paradies auf Erden – zu einem Ort zu machen, in dem sich das Alte mit dem Neuen mischt; einem Ort, der wirtschaftlich aus seiner natürlichen Schönheit Nutzen zieht; einem Ort, der seine alte Kultur widerspiegelt, während er sich gleichzeitig den Notwendigkeiten des 21. Jahrhunderts anpasst; einem Ort, der seiner Bevölkerung Gelegenheit bietet, das Beste aus sich herauszuholen und das zu werden, was immer sie auch werden wollen; einem Ort, an dem die Leute produktiv beschäftigt sein und genug verdienen können, um ein relativ modernes Leben zu führen; und einem Ort, auf den wir als Volk und Land stolz sein können. Ich dachte an den Mangel erleuchteter Führung unter den Tamilen und was man tun könnte, um die Situation zu verbessern. Ich wunderte mich darüber, wie wir als Volk die richtigen Lektionen aus der Vergangenheit lernen könnten und mit einem missionarischen Gefühl vorwärts gehen könnten, hin zu einer präzisen und praktikablen Vision für die Zukunft. Ich dachte an unsere Vergangenheit als ein Volk, unsere Gegenwart und an das, was uns in der Zukunft erwartet, wenn das gegenwärtige ziellose Treiben so weitergeht.

Ich konnte mir vorstellen, wie man meine Bildung und verschiedenen Erfahrungen am besten benutzen könnte, nicht nur, damit ich selbst produktiv bleiben würde, sondern auch, um mir wenigstens ein wenig zu erlauben, zu zeigen, was möglich ist. Ich konnte mir ein Jaffna und ein Wanni vorstellen, welches die Erinnerungen an eine sehr traurige Vergangenheit beerdigt hat und einen Pfad zu einer glorreichen Zukunft hin einschlägt – sozial, ökonomisch, kulturell und als ein geeintes Volk. Was sehr wichtig ist: Ich entdeckte selbst bei diesem Aufenthalt in Jaffna, dass die Erfahrung kathartisch war. Ich bin sicher, dass so etwas nur an einer Stelle passieren kann, zu der man wirklich gehört und die man als seine Heimat betrachtet.

Ich entdeckte auch den Geschmack von im Garten gewachsenem, frischen Gemüse und frischem Fisch wieder. Ich genoss die Gartenarbeit und die Erfahrung, die Samen sprießen, die Blumen blühen und die Früchte erscheinen zu sehen. Ich genoss es, mich um die paar Bäume zu kümmern, welche meine verstorbene Mutter und mein Bruder gepflanzt hatten und welche die Verwüstungen des Krieges, den Vandalismus und das Chaos überlebt haben. Ich genoss es, eine Heimat aus der fast totalen Zerstörung neu zu erschaffen und mich an ein Leben zu erinnern, als die lange toten und schon lange zerstreuten lebenden Familienmitglieder zusammen am gleichen Ort lebten, obwohl das Dach längst ein anderes geworden war.

Die Szenen von Tod, Sorgen und Zerstörung, die ich in dem gleichen Haus gesehen hatte, waren nur ein kleiner Teil dessen, an was man sich im Laufe eines langen Lebens erinnert. In diesem Leben hatte es auch seinen Teil an Freuden und andere Erinnerungen gegeben. Die Befriedigung, dass ich angesichts der Widrigkeiten nicht aufgegeben hatte und ein Haus und eine Heimat in Jaffna wieder belebt habe, ist riesig.

Ich fühle, dass ich meine Mutter, den Bruder und den Gärtner, der von der IPKF in diesem Haus getötet worden war, gebührend geehrt habe, indem ich mich wieder dort aufhielt. Ich fühle, dass ich auch den Kräften getrotzt habe, welche zusammenflossen, um einen Traum zu zerstören, in dessen Mitte dieses Haus stand. Das Haus, mein Leben dort und was ich dort tue, ist ein Tribut für jene, welche dort gelebt haben und gestorben sind. Es ist eine Bestärkung, dass das Leben weitergehen wird, trotz einer Vergangenheit, die man nicht vergessen kann.

Das Leben in Jaffna verbessert sich weiter an vielen Stellen, obwohl es dort keine erkennbaren Ziele noch gut definierte oder gar weitsichtige Pläne gibt. Die Menschen versuchen, mit verschiedenen Mitteln vorwärts zu kommen, Mittel, die sowohl gut als auch schlecht sind, und dies inmitten von dem, was man am besten als ein politisches und soziales Vakuum beschreiben kann. Die meisten Leute haben gelernt, Sinhala zu sprechen, und können mit den singhalesischen Beamten, Soldaten und Polizisten umgehen.

Auch die in Jaffna arbeitenden Singhalesen haben gelernt, mit dem Volk in Tamil zu sprechen. Dies war ein positives Zeichen und diese Entwicklung ist in der Stadt Jaffna sehr deutlich. (Das gleiche Phänomen kann man auf dem Wellawatte Markt sehen, wo die singhalesischen Händler mit ihren tamilischen Kunden Tamil sprechen). Dies hat zu Freundschaft und einem Verlust der Angst geführt. Jaffna ist bestimmt heutzutage weniger isoliert und gleicht anderen kosmopolitischen Gebieten – Colombo, Kandy oder Badulla – von Sri Lanka.

Dies ist eine willkommene Entwicklung. Es ist an den Tamilen, ihre klare Identität als Jaffna-Tamilen aufrecht zu erhalten, und dies inmitten des Prozesses, der sie mehr und mehr in das nationale Gewebe integriert. Wenn wir als ein Resultat des gegenwärtigen Prozesses weniger Tamilen, weniger Hindus oder weniger Christen werden, dann sind wir es, welche deswegen getadelt werden müssen. Isolierung hilft im 21. Jahrhundert nicht weiter. Das Isolationsdenken wird nur unser Wachstum und unsere Entwicklung als Volk begrenzen. Wir müssen wachsen und wir müssen das Beste von allem, was um uns ist, holen, um dieses Wachstum gesund zu machen.

Aber ich war auch ein Opfer der anderen Seite dieses Phänomens. Als ich das „Sathosa“ Ladengeschäft in der Innenstadt von Jaffna betrat, wurde ich in Sinhala auf sehr ehrerbietige Weise von dem tamilischen Sicherheitsbeamten begrüßt. Er hatte mich offenbar fälschlich für einen singhalesischen Beamten gehalten. Als ich mich als Tamilen zu erkennen gab, begann er, mit mir in Tamil zu sprechen, aber sein Ton war ein wenig arrogant geworden.

Als ich mit den Dingen, die ich gekauft hatte und die 6.000 Rupien (55 Dollar) wert waren, zur Kasse kam, wurde er geradewegs beleidigend und fragte laut, damit es alle anderen Kunden hören konnten, ob ich für eine Hochzeit einkaufen würde. Ich musste ihm ziemlich streng sagen, dass ihn das nichts anging, ob ich Dinge im Wert von 6.000 oder 600.000 Rupien kaufe, und ich musste ihn darauf hinweisen, dass man so mit Kunden nicht umgeht.

Daraufhin entschuldigte er sich und wurde sanftmütig. Dieser Zwischenfall zeigte, dass einige Tamilen in sicheren Jobs zum Beispiel als Wachmann eine Haltung von Dienstbarkeit und Speichelleckerei angenommen haben, wenn sie mit singhalesischen Beamten zu tun haben, und eine Haltung der Arroganz, wenn sie es mit Tamilen zu tun haben. Außerdem zeigte es, dass es in Jaffna eine Armutgrenze gibt, die 6.000 Rupien als große Summe erscheinen lässt, die man für Lebensmittel ausgibt.

Eine Begegnung mit einem Fahrer, der mit seinem Techniker in einem Elektrikerfahrzeug in meinem Haus kam als Resonanz auf meine Klage wegen fehlenden Elektrizität, zeigte eine ähnliche Arroganz wie der Mann im Sathosa. Dieser Fahrer sprach auf eine so arrogante und grobe Weise, dass er es verdient hatte, sofort entlassen zu werden. Er benahm sich, als wäre es eine Gnade von ihm, wenn er sich um unsere Strom-Probleme kümmert.

Die Beamten der Elektrizitätswerke hatten alte Stromrechnungen verlangt, um zu belegen, dass das Haus seit 23 Jahren eine Stromverbindung hat – während sie doch schon die erforderliche Akten in ihrem Besitz hatten. Sie achteten nicht auf die Tatsache, dass es zwischenzeitlich zweimal Krieg gegeben hatte, währenddessen das Haus zerstört und die Inhaber getötet worden waren!

Von dem, was ich gehört habe, benehmen sich die meisten tamilischen Angestellten des öffentlichen Dienstes (besonders in Gebieten, wo sie Dokumente, Lizenzen usw. austeilen müssen) auf diese Weise gegenüber dem tamilischen Publikum in Jaffna: Sie behandeln sie mit äußerster Verachtung und Arroganz.

Während sie mit den singhalesischen Beamten auf unterwürfigste Weise sprechen (der frühere Regierungsbeamte Ganesh warf sich zu Füßen des Gouverneurs der Nördlichen Provinz nieder), stoßen sie mit den tamilischen Politikern zusammen, welche herrschen, und begehen Verbrechen gegen die Leute, denen sie dienen sollen! Man sagte mir, dass singhalesische Beamte im Büro des Gouverneurs und an solchen Orten viel höflicher zu den Tamilen sind, mit denen sie es zu tun haben. Das gleiche kann man von der Armee und Polizei sagen.

Die tamilischen öffentlichen Angestellten, die während der lange Jahre des Aufruhrs in Jaffna gedient haben, haben vergessen, dass sie Diener der Öffentlichkeit sind und bezahlt werden, um der Öffentlichkeit zu dienen. Ein vom Krieg geschlagenes und arm gemachtes Volk ist der Tyrannei eines gefühllosen und angeblich auch korrupten öffentlichen Dienstes unterworfen. Dies ist eines der hauptsächlichen Hindernisse für den Fortschritt in Jaffna. Außerdem hat der öffentliche Dienst in Jaffna während der Herrschaft der LTTE in der Provinz vor dieser Kotau gemacht und überlebt, und er hat in ähnlicher Weise den Diktaten der Streitkräfte während der verschiedenen Phasen des Konfliktes gehorcht. Auf diese Weise hat er seine korrekte Sichtweise verloren und auch die Sensitivität, die nötig ist, um einem vom Krieg geschlagenen Publikum zu dienen.

Außerdem hat die Bereitwilligkeit der Leute, mit der Flut zu schwimmen und gegenüber der Obrigkeit zu kriechen, um zu überleben, sie nicht nur während der langen Jahre des Konfliktes eine Menge gekostet, es wird sie auch danach noch eine Menge kosten. Die gleiche Haltung, welche sie dazu brachte, Soldaten und Polizisten mit „Sir“ anzureden und eine beschämte und gefügige Haltung (die offenbar vorgetäuscht war) im Süden anzunehmen, und während der langen Kriegsjahre den Respekt zu verlieren, zeigte sich auch in der gleichen Zeit gegenüber der LTTE und den Streitkräften im Norden und Osten.

Diese Haltung ohne Rückrat machte aus der LTTE das Ungeheuer, zu dem sie wurde. Diese gleiche Haltung kostet ihnen auch den Respekt von Seiten der Streitkräfte in den langen Kriegsjahren, den sie doch eigentlich verdienten. Diese kriecherische Haltung wird sie auch ihren Fortschritt und die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Jahren kosten.

Die Streitkräfte sind jetzt empfänglich für Kritik, die vom Publikum und die der gesamten Welt. Sie antworten zweifellos bewundernswert auf die Notwendigkeiten der Nachkriegszeit. Aber das Volk muss lernen, mit ihnen auf direkte Weise umzugehen und sich so zu benehmen, dass es ihren Respekt gewinnt. Der „Selbstrespekt“ einer Person, eines Volkes oder einer Nation sollte nicht frei verkäuflich sein, egal, wie hoch der Preis dafür ist.

Die Streitkräfte werden im Norden und Osten eine dauerhafte Präsenz für die nächsten Jahre haben, so wie sie überall im Süden auch sind. Sie können und sollten nicht länger als Besatzungsarmee betrachtet werden. Es gibt die nationalen Streitkräfte und wir sind die Bürger der Nation, die sie beschäftigt. Sie könnten in den kommenden Jahren mehr Tamilen haben, die in ihren Reihen dienen. Aber es ist die Sache der Tamilen, mit dieser Realität in einer Weise fertig zu werden, die sich für sie als Volk geziemt, und eine Gleichung zu entwickeln, die den Weg für eine gegenseitig respektvolle Beziehung pflastert.

Die politischen Strukturen, die im Norden (und im Osten) vorherrschen, sind größtenteils auferlegt, nicht repräsentativ, qualitativ mittelmäßig, korrupt und neigen zur Gewalt. Viele haben mit erzählt, dass sie so und so bei den letzten Wahlen gewählt hätten, weil man ihnen 5000 Rupien gezahlt hat, damit sie so wählen. Das tamilische Volk verdient zweifellos etwas besseres, nach dem, was sie im Krieg erlitten haben.

Die Regierung hat sich sehr geirrt, indem sie diese Art von politischen Strukturen im befreiten Norden und Osten auferlegten und bislang aufrecht erhalten hat. Anstatt auf die Bedürfnisse eines vom Krieg geschlagenen Volkes auf eine empfindsame Art zu antworten, hat sie den Krieg gegen die LTTE in der Nachkriegsperiode fortgesetzt, indem sie genauso schlimme Elemente, die gegen die LTTE sind, im Norden und Osten festgesetzt hat. In diesem Prozess enthalten ist die Fäulnis in der Form von Überresten des alten tamilischen politischen Denkens, welches nun langsam wieder zurück ans Tageslicht kriecht und sein Gift verbreiten kann.

Was ganz offenkundig in Jaffna fehlt, ist eine definitive politische, soziale und religiöse Führung auf allen Ebenen der Gesellschaft. Was es dort gibt, ist eine politische Mafia von der Art, welche die Strukturen der Regierung und des Volkes in seinem bösartigen Griff hält. Das Volk wurde noch nicht wirklich befreit, obwohl das Land befreit wurde. Es ist eine Pflicht der Regierung, die Maßnahmen zu ergreifen, die in seiner Macht stehen, um den politischen Saustall zu säubern und den Raum und die nötige Zeit für die Entwicklung einer neuer Führung zu geben, die den Zeiten und den zukünftigen Bedürfnissen der Tamilen entspricht. Die Leute stehen auf, um zu gehen. Aber die festgesetzte politische Mafia ist eine Hürde, über die sie nicht allein hinweg können unter den gegenwärtigen Umständen. Die Regierung wird mittelfristig einen hohen Preis zahlen, wenn sie nicht sensibel genug für dieses Problem ist.

Der Krieg hat auf viele verdeckte Weisen wirklich seinen Zoll genommen. Die jüngere Generation will auswandern und sucht das El Dorado und den sprichwörtlichen Goldschatz dort, weit weg, obwohl es in Jaffna für jene, welche die erforderlichen Kenntnisse haben, um gut zu verdienen und genug Gelegenheiten dafür gibt.

Aber das Bild von einem Leben im Reichtum im Westen, das die ausgewanderten Tamilen zeichnen, und die weiter gehenden Anstrengungen der ausgewanderten Verwandten, ihre Sippen in den Westen zu holen, sind größere Hindernisse für die Jugend, bei Versuch, sich ein eigenes Leben in Jaffna aufzubauen. Mit Kind und Kegel Sri Lanka zu verlassen, das scheint das ultimtive Ziel der Jugend derzeit zu sein.

Es gibt einen schweren Mangel an Fachkräften in Jaffna, und die meisten der paar Fachkräfte, die es gibt, sind mittelmäßig, mangeln an Disziplin und sind nicht vertrauenswürdig. Mehr und mehr Arbeiter vom Osten und Süden müssen nach Jaffna importiert werden, um Jaffnas Entwicklungsbedarf zu genügen. Dies ist eine Notwendigkeit geworden und kann nicht als ein Teil irgendeines abartigen großartigen Plans der Regierung interpretiert werden.

Der andere Effekt des überwältigenden Wunsches nach Auswanderung betrifft die heiratsfähigen Frauen und ihre Eltern. Viele Beispiele von jungen Mädchen, die von bereits verheirateten, ausgewanderten tamilischen Männern geheiratet und danach verlassen wurden, sind mir bekannt geworden. Geschichten von jungen Frauen sind im Umlauf, die von ausgewanderte tamilischen Männern nach Colombo und Vavuniya gelockt wurden (sie behaupten, dass sie in Gefahr sind, wenn sie nach Jaffna kämen), um sie zu missbrauchen und danach zu verlassen. In einigen Fällen machen die Eltern jener jungen ausgewanderten Männer – besonders die Mütter – mit, um sich die Mitgift der Scheinbräute unter den Nagel zu reißen. Dieses sehr Besorgnis erregende Phänomen muss sofort beendet werden.

Die Verlockung des leichten Geldes, vielleicht zusammen mit der Not, hat viele junge Mädchen in die Irre geführt. Geschichten von Schulmädchen, die Teilzeit-Prostituierte geworden sind, und Berichte von einem hohen Vorkommen von HIV und AIDS sowie Abtreibungen unter ihnen, scheinen nur die sichtbare Spitze des Eisbergs zu sein. Die Anwesenheit von einer großen Anzahl von jungen Kriegswitwen und jungen Frauen, die früh verheiratet wurden, damit sie nicht von der LTTE zwangsrekrutiert wurden, aber die nun geschieden sind oder verlassen wurden, trägt weiter zu einem allgemeinen Zusammenbruch der traditionellen Werte in Jaffna bei. Faule junge Männer mit Geld, mit dem sie um sich werfen, und Soldaten, die weibliche Gesellschaft in ihren Mußestunden suchen, geben einen bereitwilligen Markt für solche Dienste ab. Drogenabhängigkeit und Drogenhandel sind auch ernste Probleme, welche die Gesellschaft Jaffnas belasten.

Einige geschickt junge Männer verlangen sehr hohe Löhne, weit über den vorherrschenden Normen hinaus, für ihre Dienste, um den Lebensstil ihrer faulen Altersgenossen, die regelmäßig Geld von ihren ausgewanderten Verwandten bekommen, nachahmen zu können. Diese Empfänger von Dollar / Pfund / Euros sind Parasiten, die ein Last für die Gesellschaft sind.

Sie fahren neue Motorräder, sind teuer angezogen, stellen teure Handys zur Schau und gehen oft in Restaurants, von denen es jetzt viele in Jaffna gibt. Sie sind ein schlechtes Beispiel für die Jugend, die arbeiten muss, um zu überleben, weil sie keine Verwandte auf den Grünen Wiesen des westens haben. Diese Typen sind vielleicht auch diejenigen, die Geschichten von Belästigung durch die Polizei und das Militär verbreiten, um den monatlichen Scheck aus dem Ausland zu rechtfertigen und zukünftige Asylanträge zu unterstützen.

Inmitten dieser trübseligen Szene traf ich einen jungen Studenten von der Jaffna Universität, der willens war, den Boden unseres Hauses zu putzen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Unglücklicherweise träumte er auch davon, in den Westen auszuwandern.

Die Verlockung des leichten Geldes hintert auch viele Jugendliche daran, eine geregelte Beschäftigung anzunehmen. Geschäftsführer vieler Supermärkte und Hotels, die nach Jaffna gekommen sind, beklagen sich, dass sie keinen ausgebildeten Mitarbeiterstab einstellen können oder sogar die wenigen zurückhalten können, welche schon eingestellt sind. So taucht plötzlich die Notwendigkeit auf, dass ausgebildete Mitarbeiter aus dem Süden ‚importiert‘ werden müssen – obwohl eigentlich genügend Arbeitskräfte vor Ort sind.

Der Umtauschkurs von 110 Rupien für einen Dollar bedeutet, dass sogar ein Transfer von 100 Dollar in Sri Lanka 11.000 Rupien wert ist. Ein Verdienst von 5000 Dollar im Monat nach dreißig Tagen harter Arbeit ist kein attraktives Angebot für diese jungen Männer, welche so lange von den Zuschüssen der ausgewanderten Verwandtschaft gelebt haben.

Im Kontrast dazu sind viele junge Frauen, die zur arbeitenden Masse in Jaffna gegangen sind, die Verkörperung von Effizienz und Höflichkeit. Diese jungen Frauen halten den Schlüssel zur Zukunft von Jaffna in Händen. Obwohl die Landwirtschaft in Jaffna wiederbelebt wurde und Produkte in immer größeren Mengen in den Süden verschifft werden, ist die Landwirtschaft ein Nährstand, der bald niedergehen wird.

Die Söhne von Bauern wollen nicht in der Landwirtschaft arbeiten, denn sie meinen, dass das Einkommen weder harten Arbeit noch den erforderlichen Ausgaben entspricht. Die meisten wollen nur das eine: in den Westen auswandern. Während die Eltern sich abmühen, träumen die Söhne vom Goldschatz am Ende des Regenbogens – irgedenwo, in einem westlichen Land.

Wenn es keine größeren Anstrengungen gibt, die Landwirtschaft zu modernisieren und Agrar-Industrien, die auf den Wertzuwachs ausgerichtet sind, einzusetzen, dann wird die Landwirtschaft in Jaffna für die Jugend immer weniger attraktiv. Ein Armeeoffizier, dem die Aufgabe zugewiesen wird, Gemüsesamen für den Anbau für die Familie auszusäen, hat mir gesagt, dass die meisten Familien kein Interesse an diesem Angebot haben. Als er meine Anstrengungen bei dem Errichten eines häuslichen Gartens sah, schenkte er mir einige Päckchen mit Samen.

Die ungelernten und wenig gelernten Leute, besonders jene, die keine Verwandten im Ausland haben, die sie unterstützen, sind größtenteils ohne Arbeit und arm. Die Männer in dieser Kategorie sind Säufer und Drogenabhängige geworden. Sie weigern sich zu arbeiten, und wenn sie es denn doch wollen, dann sind sie sehr unproduktiv und unzuverlässig. Sie widmen sich meistens kleineren Diebstählen und beschäftigen sich, wenn sie die Gelegenheit dazu haben, mit Plünderungen, Raub, ja sogar Mord.

Ihre Frauen plagen sich ab, damit im Herd das Feuer brennt. Dies ist in Jaffna eine tickende Bombe, wenn man keine Schritte unternimmt, um diesen bedauerlichen Zustand mittels sozialer Unterstützung, mittels Berufsausbildung und Bildung zu verbessern; wozu auch gehört, dass man diesen Menschen einschärft, was akzeptabel und was in einem sozialen Kontext nicht akzeptabel ist.

Die fortgesetzten Unruhen haben die Ethik, das Benehmen und die Wertsysteme in Jaffna auf bedauerliche Weise zum Niedergang gebracht. Vereinte Anstrengungen auf den Ebenen der gesellschaftlichen Gemeinschaft, der Schulen, Universität und des Tempels / der Kirche werden gebraucht, um diese häßlichen Verzerrungen wieder zu korrigieren. Dringend!

Es gibt mehr Motorräder, Fahrräder und Auto-Rikschafs in Jaffna vergleichen mit der Bevölkerungzahl als im Rest von Sri Lanka – und noch mehr davon kommt täglich aus Colombo an. Es gab aber keinen solchen Zuwachs bei Autos. Die uralten Morris Minis, die Oxford-Morris und Austins werden noch immer gefahren und werden ziemlich gut im Schuss gehalten.

Die Verkehrspolizei ist streng und sehr wachsam. Auch die Streitkräfte wachen sehr streng, besonders in der Nacht, um gegen Kriminelle, die auf Motorrädern und in Auto-Rikschas kommen, vorzugehen. Die meisten Leute meinen, dass die Wachsamkeit der Polizei und Streitkräfte gerechtfertigt ist, wenn man sich die anfängliche Gewalt und Kriminalität anschaut. Große Reklameflächen und Reklamewände erscheinen überall und tun dem Auge weh.

Die malerischsten Viertel in Jaffna und die Straßen, die dorthin führen, sind Opfer dieses Umweltvandalismus. Anstatt diese Gebiete als Attraktionen für den Tourismus in Jaffna und als eine Quelle der Beschäftigung und des Einkommens zu entwickeln, haben sich die lokalen Behörden bemüht, dort jeden möglichen Platz für Reklameflächen freizugeben – gegen eine Kleinigkeit kann man sie mieten.

Diese Reklameflächen sind ein sichtbares Zeugnis für die Qualität der politischen Führung, die in Jaffna vorherrscht. Es ist Zeit, dass jene, die an der Macht sind, das touristische Potential von Jaffna entwickeln, um Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen und den Selbstrespekt der lokalen Einwohner zu steigern.

Zum Abschluss sei gesagt, dass sich Jaffna nach vorne bewegt, aber Anweisungen, Korrekturen und Investitionen braucht. Die Zuschüsse der Auswanderer unterstützen zwar viele bedürftige Familien, aber sie sind auch auf vielerlei Art ein Fluch geworden. Der Drang nach Auswanderung ist auch ein Fluch, welcher die Erholung und langfristige Stabilität in Jaffna unterminiert.

Die tamilische Diaspora sollte im Norden und Osten investieren, um eine produktive Beschäftigung und Wohlstand hervorzubringen, und sie sollte nicht mit der srilankischen Regierung unter verschiedenen Verkleidungen Schattenboxkämüfe aufführen.

Die Erziehungs-, religiösen und sozialen Organisationen sollten hervortreten, um inmitten des Volkes zu arbeiten, um den Zusammenbruch der sozialen Werte zu korrigieren, der eine Konsequenz des verlängerten Konfliktes ist. Die Regierung sollte daran gehen, die Bedingungen für eine progressive, ehrliche und engagierte Führung zu schaffen, die unter den Tamilen selbst auftauchen muss. Die Regierung sollte auch dem öffentlichen Dienst neuen, zeitgemäßen Ethos einflößen.

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