LTTE-Waffenhändler „K.P.“ versuchte, Nuklearwaffen zu besorgen

Übersetzt von der srilankischen Website Lankan News /eigener LTTEwatch-Korrespondenten-Bericht vom 25. August 2009

Colombo – Die Anti-Terroreinheit der Polizei (TID) hat ihren Abschlußbericht über den LTTE-Anschlag auf den Kommandeur der Armee, General Sarath Fonseka im April 2006 vorgelegt.

Aufgelöst wurde der komplexe Fall erst durch die kürzliche Festnahme des LTTE-Ortsgruppenführers von Colombo, Piribhakaran, der von der srilankischen Hauptstadt aus die Terror-Operationen ko-ordinierte und leitete. Mit seinen Aussagen war die TID in der Lage, den ganzen Fall lückenlos zusammen zu setzen und auf zu klären.

Auch die Festnahme und anschließende Vernehmung des Superintendent (Oberkommissar) der Polizei, Lakshman Cooray aus Gampaha, den die LTTE unter anderem dafür bezahlt hatte, den Präsidenten sowie andere prominente Politiker des Landes zu ermorden, tat ein übriges, um das Attentat auf Fonseka – und anderen – zu lösen. LTTE-Ortsgruppenführer Piribhakaran hat nicht nur Cooray verraten, sondern auch einen weiteren Soldaten, der Dienst im Armee-Hauptquartier schob und dem somit eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung des Attentats zu fiel.

Dieser Soldat, LTTE-Nom-du-guere Siddique, ein Muslim, arbeitete als Koch seit 2004 für den Stab von Fonseka. Für seine Spionagedienste für die LTTE-Terroristen hatte er mehrere Tausend Rupees kassiert. Mit Hilfe des Kochs konnte der Festgenommene Oberkommissar Cooray einen massiven Sprengsatz nach Badulla schaffen, um dort ein Attentat auf den Präsidenten vorzubereiten. Auch das wurde im Laufe der Verhöre bekannt.

Ebenso offensichtlich wurde, dass die in Colombo positionierten LTTE-Kader auch nach dem unrühmlichen Ende ihrer Führer noch immer Prominente als mögliche Ziele ausspionieren und fixieren.

So sollte die letzte Veranstaltung vor der Wahl in der Provinz Uva am 5. August auf dem Gelände der Uva Universität in Badulla stattfinden. Der Präsident sollte mit seinem Hubschrauber auf dem Fußballfeld des Campus landen. Und genau dort fand man eine 19-Kilo schwere Claymore Mine – platziert von Oberkommissar und seinem Helfer Siddique. Am 13. August konnte die Mine entschärft werden, nachdem der Oberkommissar und sein Helfer vorher festgenommen worden waren. In diesem Zusammenhang wurde ein weiterer LTTE-Kader namens Udayan in einem Flüchtlingslager bei Vavuiya festgenommen.

Nach dem Studium des Abschlußberichts wird klar, das die LTTE den Armeechef schon seit dem Jahr 1991 als Ziel markiert hatten, als der eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Befreiung von srilankischen Truppen aus dem von der LTTE umzingelten Fort von Jaffna spielte.

Siddique stammte aus Jaffna, später zog seine Familie nach Akurana. Der NAtionalgarde tart er 1995 bei, später wurde er ins 7th Armour Regiment verlegt. General Major Sarath Munasinghe von der 54. Division, der 2002 am Elephant Pass stationiert war, wurde 2002 auf die kulinarischen Qualitäten von Siddique aufmerksam – und empfahl ihn weiter. So landete Siddique schließlich bei General Sarath Fonseka als dieser Kommandeur in Jaffna wurde. Siddique hatte damals eine erstklassige Reputation als Küchenchef – Fonseka möchte ihn offenbar auch persönlich gern.

Während seines Dienstes für den General, besuchte Siddique regelmässig die Kankesanturai Maschee in Jaffna für Gebete. Mit dem umstrittenen waffenstillstand von 2002, der den LTTE wesentliche Bewegungsfreiheiten zusicherte und die diese Freiheit nutzten um gezielt zu infiltrieren und politische Arbeit zu leisten, kam es zu einem ersten Kontakt zwischen Siddique und LTTE-Kadern – in der Moschee. Ende 2003 konnte die LTTE den Koch zu ihren – bezahlten – Unterstützern zählen. Von diesem Zeitpunkt an nutzte die LTTE Siddiques Wissen konsequent aus.

Ende 2004 wurde Siddique nach Colombo zum 7th Armoured Corps versetzt. Ende 2004 wurde auch General Fonseka nach Colombo versetzt, als Kommandeur der Freiwilligen Armee. Fonseka wollte und bekam „seinen“ Koch zurück…

Das Hauptziel von LTTE-Geheimdienstchef Pottu Amman war schon zu dieser Zeit offenbar General Fonseka, der zu dieser Zeit zum ranghöchsten Militärs des Landes aufstieg. Der LTTE-Ortsgruppenchef von Colombo, Piribhakaran, bekam Anweisung, mit Siddique eng zusammen zu arbeiten, um dem mutigen Armee Kommandeur ein möglichst rasches Ende zu bereiten. Beide LTTE-Leute sollte fortan intensiv das Hauptquartier der Armee in Colombo ausspionieren.

Als Siddique wegen eines Motorradunfalls im Armee-Hospital lag, besuchte ihn Piribhakaran und fotografierte bei der Gelegenheit seinen Besucherpass mittels seiner Handy-Kamera und schickte das Ergebnis noch aus dem Krankenhaus heraus an Pottu Amman. 24 Stunden später hatte Piribhakaran drei identische Ausweise in Händen.

Mittels dieser Ausweise besuchte Piribhakaran Siddique zwischen Februar und April insgesamt vier Mal. Bei vierten Mal brachte er die Selbstmordbomberin mit – damit man sich kennenlerne. Jedesmal, wenn Piribhakaran Siddique besuchte, spionierte er die Sicherheitsmassnahmen gezielt aus. Er notierte sich die Zeiten, wann der Armee Kommandeur zum Essen ging und wie seine Escorten zusammen gesetzt waren.

Zu dieser Zeit war die Selbstmordbomberin, die den General und sich selbst in die Luft sprengen sollte, in Weliweriya einquartiert. Unter einem Vorwand hatte man sie bei einem Lastwagenfahrer und dessen Frau einquartiert, Suriyakumar und Dilrukshi, der Ärger mit Polizei und Gerichten hatte – rechtliche Unterstützung bei seiner Unbill und ein bisschen Geld haben dabei geholfen, ihn auf die Seite der LTTE zu ziehen.

Der LTTE-Geheimdienstleiter von Kilinochchi, Udayan, bat Suriyakumar um einen Gefallen. Er möge doch bitte seine Schwester aufnehmen, bis diese das Land verlassen könne. So bekam Kanapathi Pillai Manjula Devi ein alias: Dhurga Suriyakumar. Und somit kam die künftige Selbstmordbomberin nach Colombo zu ihrem Einsatzort. Manjula Devi stammte aus Anuradhapura – 1983, nach den Unruhen zog sie nach Kilinochichi, wo sie sich der LTTE anschloss.

Der Plan, General Fonseka zu ermorden, nahm Gestalt an. Piribhakaran und Siddique wussten genau, wann der General sein Mittagessen einzunehmen pflegte. Man wählte schließlich einen Dienstag für den Tag des Anschlags, weil der Kommandeur an diesen Tagen früher zum Mittagessen zu gehen pflegte um anschließend ausgiebig mit den Chefs der Armee zu konferieren. An Dienstagen waren auch die Besuchszeiten des Krankenhauses früher, was bedeutete, dass man zur selben Zeit auf dem Gelände sein konnte.

Der 26. April 2006 wurde als Angriffstag festgelegt. Mit dem Zug sollte Manjula Devi nach Colombo kommen, um sich in Wellawatte mit Piribhakaran zu treffen, um von ihm die Selbstmordbomberjacke entgegen zu nehmen. Sie sollte sich als Schwangere verkleiden, in einem blau-gelben, weiten Salwar.

So aufgemacht, die Bomben umgeschnallt wurde sie in einem TukTuk ins Armee-Krankenhaus gebracht – angeblich um einen Patienten dort zu besuchen. Vor dem Galle Face in Colombo setzte Piribhakaran die Selbstmordbomberin ab. Mit einem gefälschten Besucherausweis sollte sie auf das Gelände des Armee-Hauptquartiers eindringen. Vorher hatte sich Piribhakaran telefonisch bei Siddique versichert, dass der General auch da sei. Er war da.

Um 13.40 schmiss sich die Selbstmordbomberin Kanapathi Pillai Manjula Devi dem General entgegen, der gerade mit seinem Konvoi das Gelände verließ, um zum essen zu gehen. Der Adjudant des Generals, Major Piyal Wickramasinghe und sein Fahrer erlitten schwere Verletzungen. Der Fahrer des Kommandanten, Sergant Priyantha Kumara starb auf der Stelle, ebenso die Attentäterin.

Zur selben Zeit rief Piribhakaran vom Platz des Gall Face aus Pottu Amman an und sagte ihm , die Mission sei erfüllt. Was er nicht wusste: trotz 28 Metallteilchen, die in seinem Körper steckten, überlebte Armee-Kommandant Fonseka den Mordanschlag.

Die srilankische CID-Untersuchungen begannen sofort nach dem Anschlag. Glücklicherweise war im Untersuchungsteam ein gewisser Ravi Waidyalankara, ein Network-Spezialist, der schnell die telefonischen Verbindungen der Attentäterin und andern überprüfte. Und fündig wurde. Siddique hatte zwar sein Handy sowie die SIM-Karte nach dem Anschlag schnell entsorgt; trotzdem gelang es Waidyalankara nachzuweisen, dass ein Kontakt zwischen Attentäterin und einer Person innerhalb des Stützpunktes stattgefunden hatte. Personen wurden daraufhin observiert – doch noch fiel kein Verdacht auf Siddique, der sofort nach dem Anschlag Handy und SIM-Karte entsorgt hatte und der am 27. Mai 2006 aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Er hatte einen „Persilschein“, der auch nach dem Anschlag nicht in Frage gestellt wurde. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Nachdem Siddique verraten wurde, nachdem er alles gestanden hatte, erhängte er sich in seiner Zelle mit seinem T-Shirt am 16. August 2009. Er war der Beweis dafür, dass auch heute noch, knapp zwei Monate nach Kriegsende, es noch immer LTT-Kader gibt, die VIPs im Visier haben – im Auftrag der LTTE. Diejenigen, die LTTE-Chef Prabhakaran noch zu Lebzeiten in Colombo eingeschleusst hatte, sich noch immer gewillt, Unrecht zu tun, Mord- und Totschlag zu begehen. Es stellt sich heraus, dass die noch immer aktiven LTTE-Zellen in Colombo von Malaysien aus gesteuert werden. Jeden Tag werden Sprengsätze, Bomben und Waffen in und um Colombo aufgegriffen – auf Grund von Erkenntnissen bei der Vernehmung von LTTE-Kadern. Dies zeigt, dass die Lage noch immer sehr bedrohlich ist.

Im Wanni wird das Gebiet derzeit quasi mit einem Läusekamm durchforstete – abertausende von Minen und Sprengsätzen und Waffen werden dabei gefunden. Solche Durchsuchungen sind beispielsweise in Colombo unmöglich.

Im Norden haben LTTE-Kader komplette 130mm Artillerie-Geschütze verpackt und verbuddelt – die auch noch in zehn Jahren jederzeit einsatzbereit wären, um irgendwann einmal den „Eelam-Traum“ eventuell umzusetzen. Auch die LTTE-Führer, denen die Flucht nach Südindien gelang versuchen ihr Möglichstes, um auch weiterhin Einfluß zu haben; sie versuchen noch immer LTTE-Kader aus der Ferne zu aktivieren.

Obwohl der letzte „offizielle“ LTTE-Führer „K.P.“ längst in Haft ist, versucht sich ein gewisser Nediyawan aus Norwegen nun als Führer zu profilieren. Das wird ihm nur gelingen, wenn er spektakuläre Aktionen startet. Beispielsweise durch einen Anschlag – damit könnte er seinen Führungsanspruch unterstreichen. Und er würde damit die berüchtigte LTTE-Geldsammel-Maschien wieder anwerfen.

Nach Aussagen von „K.P.“ war er selbst nicht in der Lage die Kontrolle über alle Ressorcen zu bekommen. Bis mindestends 2001 hatte er die noch, aber dann übernahmen, auf Anweisung des damaligen LTTE-Chefs Prabhakaran, LTTE-Geheimdienstchef Pottu Amman und Castro das Geschäft und beide wussten sich gegen die Allmacht „K.P.“s zu wehren. Vorläufig hat in der Tat Nediyaman die Kontrolle über den Großteil der Gelder der LTTE.Bis zum Jahr 2002 lagen die jährlichen einnahmen der Terror-Organisation LTTE bei 100 bis 150 Millionen Dollar. Was danach geschah, so „K.P.“ in seinen Aussagen, wisse er nicht.

„K.P.“ hat bislang ausgesagt, dass er mit den von der tamilischen Diaspora eingesammelten Gelder Waffen gekauft und ins nördliche Sri Lanka verschifft habe. Aus den USA beispielsweise Flugabwehr-Raketen. Er hatte auch versucht, so sagt er aus, Nuklear-Waffen zu bekommen. Damit wäre die LTTE die erste Terror-Organisation gewesen, die im Besitz von Nuklearen Sprengsätzen gewesen wäre. Damit wäre die LTTE auch in der Lage gewesen, andere Organisationen mit solchen Waffen zu versorgen, sagen Militär-Analysten.

„K.P.“ hatte versucht, mit den Geheimdiensten vieler Länder in Kontakt zu treten und zu verhandeln. Während der letzten Kämpfe hatte er versucht, Mittels dieser Kontakte druck auf die srilankische Regierung auszuüben, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Damit die LTTE-Führung geretten werden könnte. Er versagte bekanntlich. Die para-militärische LTTE-Führung wurde in Gänze eliminiert. Die srilankische Regierung ließ sich von ihrem Kurs durch keinerlei Intervention abbringen.

Noch immer – und wie man sieht ziemlich erfolgreich – filtern die srilankischen Sicherheitskräfte LTTE-Schergen aus den in den Lagern gehaltenen tamilischen Überlebende des Krieges. Und erst, wenn alle Insassen geprüft wurden, wird es ein Ende des Krieges auf Sri Lanka geben.

Interessant am Rande: die amerikanische Botschaft hat angefragt, ob sie bei diesem Prozess nicht anwesend sein dürfe. Man erwarte sich „viele Erkenntnisse“ zu dem eigenen Kampf gegen den Terror.

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