Prabhakaran bereits tot? – Präsidentenrede zur Lage der Nation erwartet

Von unserem LTTEwatch-Korrespondeten in Colombo am 17. Mai 2009

Colombo – Die LTTE scheint militärisch besiegt. Nach mehr als 26 Jahren Krieg erklärte Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapaksa gestern den Sieg über den Terror der LTTE während einer G-11-Konferenz in Jordanien. Rajapaksa wird heute in Colombo zurückerwartet. Es wird erwartet, dass er sich mit einer Rede an die Nation wendet.

Am Samstagmorgen hatte das Verteidigungsministerium in Colombo mitgeteilt, die Armee habe den letzten Küstenstreifen unter Kontrolle der LTTE eingenommen und die verbleibenden Rebellen eingekesselt. Viele Kader hätten sich ergeben, andere, hochrangige LTTE-Führer würden noch immer Geiseln um sich herum mit Waffengewalt zum Bleiben zwingen. Was sie nicht daran hindere, ihre eigenen Angehörigen und Familienmitglieder in Sicherheit ziehen zu lassen. So wurden gestern Frau und Familie, des Chef des LTTE-Marine Sussai aufgegeriffen. Die Frau hatte 6 Lakhs (= 600.000 SLR, entspricht etwa 3700,– EUR, Anm. d. Red) SL-Rupees sowie 2 Kilo Gold bei sich. Abgefangene Funksprüche der LTTE deuteten darauf hin, so ein Sprecher der Armee, dass LTTE-Supremo Prabhakaran sich ebenfalls noch unter den umzingelten auf etwa einen Quadratkilometer zusammen gedrängten Rebellen befindet. Unklar blieb bis heute Morgen, ob Prabhakaran bereits getötet oder gefasst wurde.

Noch Samstagnacht hatten die Terror-Tiger offenbar ihren letzten Einsatz gewagt und sich mittels Bombenbooten – und Lastwagen auf die Armee gestürzt, die diese verzweifelten Versuche jedoch abwehren konnte.

160509-Safe ZoneEs seien heftige Explosionen in der verbleibenden Stellung der LTTE zu hören – die LTTE sei dabei, Dokumente, Computer, Geräte, Maschinen und Waffen zu sprengen. Nach der letzten großen Explosion habe es auch seitens der Terroristen keinen Funkverkehr mehr gegeben.

Ein Armeesprecher sagte, man rechne damit, dass sich die offenbar verbleibende Führungsriege um Prabhakaran entweder mit der berüchtigten Zyankalikapsel umbringe, oder sich mit möglichst vielen Flüchtlingen selbst in die Luft sprengen werde. Nach Angaben der Armee habe man schwere Waffen nunmehr komplett abgezogen, es werde, wenn überhaupt, Mann gegen Mann gekämpft. Man durchkämme nun das neueroberte Gebiete und suche nach Verwundeten. Bislang habe man 70 Leichen von LTTE-Kadern geborgen, darunter auch einige hochrangige Führer. Priorität habe nun zunächst der sichere Abzug der Geiseln – erst dann werde man sich um die verbleibenden LTTE-Terrroristen kümmern, so ein Sprecher der Armee. Bilder einer unbemannten Drohne zeigten tausende von Flüchtlingen, die in Richtung der srilankischen Truppen ziehen.

Gestern meldete Lanka-e-News, dass die indonesischen Behörden bei Sumatra ein Schiff aufgegriffen hätten, auf dem sich 55 LTTE-Mitglieder befanden. Angeblich hätten sie sich von der LTTE losgesagt und seien am 2. Mai von Jaffna aus Richtung Australien losgesegelt, um sich dort um Jobs zu bewerben. Die Gruppe befindet sich in Gewahrsam der Zollbehörden.

Eine unabhängige Überprüfung von Meldungen aus dem Kampgebiet ist nicht möglich. Colombo hat es Journalisten verboten, direkt aus der Kriegszone zu berichten.

Seit dem Januar waren die Regierungstruppen im tamilischen Norden der Insel in der Offensive. Sie zerschlugen den LTTE-Schurkenstaat und trieben die Rebellen bis zu diesem Wochenende auf kleinsten Raum nördlich von MUllaitivu zusammen. Nach UN-Angaben wurden dabei bis zum 7. Mai mindestens 7.000 tamilische Zivilpersonen getötet. Danach dürften noch einmal 1.000 Zivilpersonen in den Kämpfen getötet worden sein. Dazu kommen hunderte, wenn nicht tausende getöteter Rebellen. Weder LTTE noch Regierungstruppen machen Angaben über ihre Verluste.

Allein die Toten in der Zivilbevölkerung in Sri Lanka sind mehr als die Toten in Kriegsgebieten Afghanistan, Irak, Pakistan und dem Gazastreifen zusammen. Insgesamt dürfte der Krieg in Sri Lanka in 26 Jahren wenigstens 85 000 Menschen das Leben gekostet haben.

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