Die Ursachen für Kindersoldaten und UN Initiativen dagegen

Übersetzt aus dem srilankischen Tageszeitung Island vom 15. März 2009

Von Radhika Coomaraswamy

Radhika Coomaraswamy, UN-Beauftragte

Radhika Coomara-swamy, UN-Beauftragte

Colombo – Lassen Sie mich meine heutige Rede an Sie mit einer Beschreibung meines Besuches eines maoistischen Armeequartierplatzes im Kanton im östlichen Nepal im Dezember beginnen. Das Quartier war nach dem Friedensabkommen errichtet worden. In diesem Quartier gab es Kindersoldaten, welche die Kommunistische Partei von Nepal (eine maoistische) in ihrem Kampf gegen den nepalesischen Staat errichtet hatte. Wir hatten schon früher viele junge Leute getroffen, die mit falschen Versprechungen von den Maoisten rekrutiert worden waren, die aber wegen der Misshandlungen weggelaufen waren. Aber da gab es eine andere Gruppe: Diejenigen, die sich aus dem einen oder anderen Grund zum Bleiben entschlossen hatten. Man erlaubte uns, diese Kinder für eine Diskussion über ihre Zukunft zu treffen. Es waren Teenager und ungefähr ein Drittel davon waren weiblich. Zuerst waren sie feindselig. Einer davon sagte uns, wir sollten gehen. Er sagte: „Wir sind Soldaten, wir wollen Soldaten bleiben, wir wollen Teil der Streitkräfte sein, wir brauchen eure Hilfe nicht.“ Wir waren gekommen, um sie zu retten, aber sie wollten nicht gerettet werden.

Dann begannen wir mit ihnen ein Gespräch über die Zukunft. Wir sprachen von den vielen Gelegenheiten, die es für junge Leute gibt, Gelegenheiten, die man ihnen verschaffen könnte, wenn sie in eine zivile Umgebung kämen. Wir sprachen von Computern, technischen Fertigkeiten, Unterhalten. Wir sprachen von anderen Kindersoldaten in der Welt und was sie aus ihrem Leben gemacht hatten. Nach einer Weile hatten ihre Augen nicht mehr diesen glasigen Ausdruck. Sie begannen zuzuhören. Als wir gingen, blieben sie skeptisch, aber nicht länger feindselig. Das wäre dann der Anfang einer langen Unterhaltung geworden.

Die Gestaltung der Kindheit

Bevor wir unsere Diskussion der Kindersoldaten anfangen, müssen wir zuerst fragen: Was verstehen wir unter Kindheit? Eine Menge an Diskussionen unter Akademikern hat sich um die Gestaltung der Kindheit in verschiedenen Gesellschaften gedreht. Meistenteils akzeptiert das von der Forschung von Piaget und seinen Anhängern beeinflusste internationale Gesetz die Tatsache, dass es eine Verbindung zwischen dem chronologischen Alter und der kognitiven Entwicklung gibt, dass es Stadien innerhalb der Entwicklung des kognitiven Denkens – besonders die Fähigkeit, ethisch zu urteilen – gibt und dass 18 das Alter ist, an dem eine solche Entwicklung vollendet ist. Aus diesem Grund haben die Konvention für Kinderrechte und andere nachfolgende Dokumente festgestellt, dass achtzehn das Alter ist, in dem die Minderjährigkeit endet.

Akademiker, die Anthropologen und von der neueren Arbeit von Psychologen wie Lev Vygotsky und anderen beeinflusst sind, und andere, die auf den Einfluss der alltäglichen Lebenserfahrung bei der Bildung eines ethischen Urteilsvermögens verweisen, argumentieren, dass Kindheit ein Konstrukt ist, welches sich von Ort zu

Kindersoldaten-Rekrutierer Prabhakaran - Verbrechen wider der Menschlichkeit

Kindersoldaten-Rekrutierer Prabhakaran - Verbrechen wider der Menschlichkeit

Ort unterscheidet. Wie Davon Rosen, Professor für Anthropologie, wie Pfarleigh Dickinson schreibt: „wenn man eine einzige universelle Definition zu Grunde legt, dann ignoriert das, dass Kindheit in unterschiedlichen Gesellschaften auf unterschiedliche Arten erfahren wird.“ Er argumentiert, dass „genau 18 ein Teil der modernen Politik hinsichtlich des Alters“ ist und ein Aspekt von „Normen-Unternehmerschaft“, welche die humanitäre Befürwortung charakterisiert. Bei einer UN Versammlung präsentierte er eine Diashow von Kindern, die freiwillig zum Militär gegangen und mitgekämpft haben, sowohl im Unabhängigkeitskrieg als auch im Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten. Er weist auf die Tatsache hin, dass hinsichtlich der Initiationsriten bei den meisten Stämmen und ethnischen Gruppen das Alter zwischen 14 und 16 schwankt und dass somit ein frühes Ende der Kindheit anerkannt wird.

Susan Shepler, Professor für Anthropologie an der Universität von Kalifornien in Berkeley pflichtet auch diesem Zugang zur Kindheit als einem Konstrukt einer besonderen Gemeinschaft bei. Sie konzentriert sich auf Sierra Leone und hat umrissen, wie das Vorherrschen von Kinderarbeit zusammen mit Kindersoldaten die Akzeptanz hatte, dass Kinder arbeiten können, Verantwortung akzeptieren können und nicht beschützt werden müssen, wie es in anderen Gesellschaften erwartet wird. Sie weist auch auf die Initiationsrituale in Geheimgesellschaften für junge Heranwachsende, sowohl männlich als auch weiblich, hin. Oft wird das Eintreten in eine bewaffnete Gruppe als eine Ausdehnung dieses Rituals gesehen. Wenn man einmal diese kulturellen Faktoren in Sierra Leone verstanden hat, dann hilft das auch zu verstehen, dass solche bizarren Dinge passieren können, wenn sich der soziale Rahmen wegen des Krieges auflöst. Sowohl für Rosen als auch für Shepler ist es unabdingbar, den kulturellen Kontext zu verstehen, wenn man das Phänomen der Kindersoldaten verstehen will.

Es gibt keinen Zweifel, dass “18 und nichts anderes” – Kinder sind Kinder, bis sie achtzehn sind – das Rückgrat der internationalen Instrumente hinsichtlich der Kinder sind. „18 und nichts anderes“ ist eine anzustrebende Feststellung, ein Produkt der internationalen Normenschöpfung. Eingebettet in diese „Politik der Minderjährigkeit“, wie sie Rosen nennt, ist, dass Kinder ihre Kindheit so lange wie möglich genießen sollen. Obwohl man ihre „Triebkraft“ versteht, sollten sie vor Schaden und Ausbeutung bewahrt werden. Was am wichtigsten ist, ist jedoch, dass man ihnen keine Pflichten oder Lasten übergeben sollte, die sie daran hindern, in die Schule zu gehen und um einer besseren Zukunft willen zu lernen.

Dies sind die Annahmen dieses internationalen normativen Rahmens, wie er in den internationalen Organisationen vertreten wird. Das Mandat der Speziellen Repräsentative hinsichtlich der Kinder und des Bewaffneten Konflikts ist in Kraft und deswegen bindet nichts die Nationen mehr zusammen als die Notwendigkeit, Kinder zu beschützen. Es gibt in diesem Punkt einen universellen Konsens, wenigstens als etwas Erstrebenswertes. Dies lässt sich aus der Anzahl der Unterzeichner des CRC folgern, genauso wie aus der Einstimmigkeit beim Sicherheitsrat in Hinblick auf die Sicherheitsrats-Resolution Nr. 1612.

Der Punkt ist nun, dass man das Angestrebte in allen Teilen der Welt zur Praxis werden lässt. Um dies zu tun, ist es wichtig, die Forschung von Anthropologen wie Shepler und Rosen zu verstehen: Wir können die kulturellen Faktoren, welche Kindheit in verschiedenen Gesellschaften definieren, nicht außer acht lassen. Der kulturelle Kontext und wie wir mit diesem Gebiet umgehen wird entscheiden, ob die internationale Schaffung von Normen auch lokal Resonanz hat. Wenn wir diese Faktoren nicht verstehen, werden wir nicht fähig sein, effektive Programme zu entwerfen, welche das Rekrutieren von Kindern verhindern oder sie zurück in ihre Gemeinschaften integrieren.

Warum Kinder rekrutiert werden

Bevor wir diskutieren, warum Kinder rekrutiert werden, müssen wir uns hinsichtlich der Tatsache einigen, dass Kinder-Rekrutierung nicht immer erzwungen wird und dass viele Kinder willentlich militärischen Gruppen beitreten scheinen. Für lange Zeit waren Sierra Leone und das nördliche Uganda ein Modell für erzwungenes Rekrutieren. Dort wurden viele Kinder entführt. Sie wurden verschleppt und dann so lange geschlagen, bis sie sich unterwarfen. Dies war der Archetyp für die Kampagne hinsichtlich der Kindersoldaten. Es gibt keinen Zweifel, dass viele Gruppen entführen, einschüchtern und Kinder zwingen, ihnen beizutreten.

Familien werden manchmal gefragt, dass sie jeweils ein Kind für die Sache hingeben sollen. Schiere Gewalt wird oft gebraucht, um Kinder wegzunehmen. Lassen Sie mich Ihnen die Geschichte von Moi erzählen, einem jungen Mann aus dem nördlichen Uganda, den ich traf. Er spielte mit seinem Freund, als die LTA sein Dorf angriff. Er wurde mit seinem Freund entführt und gezwungen, die Beute aus ihrem Dorf zu schleppen. Auf dem Weg ins LRA Lager fiel sein Freund hin und brach sich den Knöchel. Der Kommandant der Gruppe schoss seinen Freund in den Kopf. Moi wurde ins Lager gebracht und geschlagen, unter Drogen gesetzt und als Kindersoldat ausgebildet. Er musste sein eigenes Dorf angreifen und töten und von Familie und Freunden stehlen. Nach Jahren dieser Aktivität, hatte Moi eine Gewissenskrise und entkam zu einem von der UNICEF gesponsorten Projekt, wo ich ihn traf.

Aber nicht alle Kinder werden entführt. Bei einem neueren Überblick über frühere Kindersoldaten in der Demokratischen Republik Kongo und deren Motive für das Eintreten in bewaffnete Gruppen wurde herausgefunden, dass nur 9 % entführt worden waren oder aus Angst mitgemacht hatten. 34 % dieser Kinder sagten, dass sie aus materiellen Gründen beigetreten sind, 21 % sagten, dass sie beigetreten waren, weil sie an die Ideologie der Gruppe glaubten, 10 % sagten, dass sie sich rächen wollten, und 11 % wollten von zu Hause abhauen. Sogar in der L.R.A. Untersuchung wird gezeigt, dass viele der Kinder aus verschiedenen Gründen freiwillig beitreten.

Trotz der Akzeptanz der Tatsache, dass viele Kinder von allein bewaffneten Gruppen beitreten gibt es keine Übereinstimmung hinsichtlich dessen, wie viel davon freiwillig oder frei gewählt genannt werden kann. Was ist die Natur dieser Triebkraft? Einige glauben, dass Kinder nicht fähig zu dieser Art von ethischem Urteil sind, so dann irgendeine Wahl nicht freiwillig ist, und dass jede Entscheidung, sich solchen Bewegungen anzuschließen, aufgezwungen sein muss.

Andererseits gibt es jene, welche diese Momente von Triebkraft als frei gewählt, teilnehmend und Ausdruck des wahren Willens feiern. Sie fordern, dass wir Erwachsene jene Wahlen, welche die Kinder getroffen haben, respektieren. Die Realität muss irgendwo in der Mitte liegen. Obwohl jene Entscheidungen scheinbar freiwillig sind, werden sie durch die materiellen und kulturellen Realitäten bedingt, welche solch eine Wahl erlauben, und darum müssen sie in diesem Kontext verstanden werden. Ohne die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zu verstehen, die den Raum dafür schaffen, dass Kinder solch eine Wahl treffen, ist es sowohl schwierig, den Kindern die Triebkraft zu verweigern als auch zweifelsfrei zu behaupten, dass das, was sie gewählt haben, frei geschah.

Jede Diskussion über das Rekrutieren muss mit einem Versuch beginnen, die materiellen Bedingungen zu verstehen, welche oft die Kinder zur Gewalt treiben. Wie der Oxfort-Universitätsprofessor Jason Hart schreibt, gibt es in vielen dieser Gesellschaften „zutiefst asymmetrische Machtrelationen, welche eine systematische Unterdrückung entstehen lassen“ und diese färbt oft das politische Verständnis von jungen Leuten ein und treibt sie zur Aktion.

Die meisten Sozialwissenschaftler stimmen darin überein, dass Armut ein Faktor ist, der zu Kindersoldaten führt, aber es ist auch wichtig zu unterstreichen, dass nicht alle arme Kinder Kindersoldaten werden, und dass darum die Armut nur ein dies begünstigender Faktor ist. Die Armut vermindert die Wahlmöglichkeiten für Kinder und deshalb macht sie das Kindersoldatentum zu einem möglichen Ausfluss für ihre Energien. In einigen Gebieten bedeutet Armut auch ein Mangel an Zugang zur Bildung und zu anderen grundlegenden Ressourcen, und darum besteht oft die Möglichkeit irgendeiner anderen Form der Mobilität nicht.

Für einige Kinder – besonders Waisen – sichert die Teilhabe an bewaffneten Gruppen wenigstens eine Mahlzeit pro Tag und einige arme Eltern geben ihre Kinder der Bewegung in der Hoffnung, dass sie gut ernährt und untergebracht werden. In diesem Kontext muss es als sehr wichtig für die Vermeidung des Rekrutierens von Kindersoldaten angesehen werden, dass man eine Infrastruktur schafft, um die Armut zu bekämpfen, und dass man Entwicklungsprojekte ausführt, welche versuchen, junge Leute zu motivieren, Fähigkeiten zu entwickeln und mit ihrem Leben fortzuschreiten, und die sich deswegen mit der Armut auseinandersetzen.

Die angebliche oder wirkliche Diskriminierung ist oft der entscheidende Motivationsfaktor für Kinder, um bewaffneten Gruppen beizutreten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass viele der bewaffneten Gruppen, die Kindersoldaten rekrutieren, aus Ethnien, Klassen oder Kastengruppierungen stammen, die ihren Kampf im Kontext von Diskriminierung oder Ausbeutung sehen. Ob es nun Sprachdiskriminierung, das Verweigern des Zugangs zu Ressourcen des Staates, das Verweigern von politischer Repräsentanz ist – die Frage der Gleichheit ist für viele dieser Kämpfe von zentraler Bedeutung. Sogar bei der Herrenwiderstands-Armee spielte die wahrgenommene Diskriminierung des Acholi Volkes eine Rolle, als sie Kinder entführten.

Ethnische, Stammes- und religiöse Identität sind mit Vorstellungen von wahrgenommener Diskriminierung verbunden. Dies ist besonders wirksam bei der Mobilisierung ganzer Gemeinschaften, einschließlich deren Kinder. Bei ethnischen und religiösen Kriegen geben Familien manchmal ihre Kinder freiwillig, wenn Kommandanten davon sprechen, „die Gemeinschaft zu verteidigen“. Die Treue zur ethnischen, religiösen oder Stammesgruppe wird ein Verhandlungswerkzeug für bewaffnete Gruppen, wenn jedes Mitglied der Gemeinschaft aufgerufen wird, seine Rolle zu spielen. Kinder sind für diese Forderungen sehr empfänglich und lassen sich leicht in die Richtung manipulieren, dass sie ihre Energien für die Sache einsetzen.

Der Widerstand gegen die Diskriminierung führt oft zu brutaler Unterdrückung durch die Sicherheitskräfte oder bewaffnete Gruppen einer anderen ethnischen Gruppe. Dies führt nur zu Gefühlen der Unterdrückung. Wie es Jason Hart zeigt, ist das Gefühl der „Erniedrigung“ für diesen Kampf zentral.“ Diese Erniedrigung speist sich aus einer kollektiven Geschichte und verstärkt einen Sinn für Gruppenidentität. Benedict Anderson bemerkt in seiner Studie von nationalistischen Erzählungen, dass die kollektive Erniedrigung und das Leiden eines der wichtigsten Elemente ist, welches an die Entwicklung der Identität geknüpft ist.“ Kinder sind emotional verletzlich und deswegen leicht von solchen Erzählungen zu verführen. Viele von ihnen haben Verwandte verloren und oft verbindet sich ein persönlicher Wunsch nach Rache mit nationalistischen / ethnischen / Stammesmythen, um die jungen Leute zu ermutigen, bewaffneten Gruppen beizutreten.

Der neuere Trend bei der Bildung von Selbstverteidigungsgruppen in Gemeinschaften, welche einer Bedrohung von außen ausgesetzt sind, stellt auch ernste Herausforderungen dar. Die Führer der Gemeinschaften fühlen, dass die Kinder ihre Rolle spielen und helfen müssen, ihre Familien und ihre Gemeinschaften zu verteidigen. Die Vorstellung von Selbstverteidigung kann ausgenützt werden, aber manchmal beruht sie auf sehr handfesten Realitäten – wie z.B. im Sudan und Tschad.

Vertreibung ist ein anderer Faktor, der zu dem Phänomen von Kindersoldaten beiträgt. Nach der an der Universität von Pittsburg geleisteten Forschungsarbeit „sind eine große Anzahl von Kindern, die rekrutiert werden, aus Flüchtlingslagern.“ Jason Hart zeigt auch auf, wie die Bedingungen in dem Lager sehr dazu beitragen, dass Kinder in Gewalttätigkeiten hineingezogen werden. Oft sind die Ressourcen mager, es gibt wenig Bildung und Beschäftigungsgelegenheiten. Das Lager steigert auch die Gruppenidentität und einen Sinn für kollektive Gründe zur Klage. Es gibt oft Beschränkungen der Bewegungsfreiheit, die junge Familien frustriert. Familien von Rebellengruppen sind oft in den Lagern. All das trägt dazu bei, dass Kinder aus der Lagerumgebung leicht rekrutiert werden können. In der Tat argumentieren einige ForscherInnen, dass die Sicherheit um die Lager eine Methode ist, damit Kinder nicht rekrutiert werden können.

Schließlich muss man verstehen, dass Krieg in einigen Gesellschaften, nachdem er einige Zeit gedauert hat, eine “Wachstumsindustrie” mit ihrer eigenen Logik und den damit verknüpften Auswirkungen ist.

Der Nachschub von Waffen, die gewaltsame Kontrolle von Ressourcen, das Rekrutieren von Kämpfern wird Teil der politischen Ökonomie. Waffenhändler gewinnen ein unabdingbares Recht, den Krieg fortzusetzen, genauso wie lokale Kommandanten und lokale Kriegsherren. In solchem Kontext werden Kinder dahingehend sozialisiert, dass sie Krieg als einen Teil des Lebens akzeptieren und innerhalb der Strukturen, die er schafft, ihr persönliches Fortkommen suchen.

Die materiellen Faktoren, die zum Rekrutieren von Kindern beitragen, würden nicht zu Kindersoldaten führen, wenn sich die Führungsspitze einer besonderen Gruppe weigern würde, die Umstände, denen die verletzlichen Kinder ausgesetzt sind, auszunutzen. Die Organisation der bewaffneten Gruppe ist bei der Frage, ob Kinder rekrutiert werden, von kritischer Bedeutung. Aus diesem Grund betonen die Aktivisten die Verantwortlichkeit jener Akteure. Ein bewaffneter Kampf oder bewaffnete Kriegsführung wird oft von politischen, ethnischen und Gruppenführern als ein Mittel der politischen Konfrontation in einer besonderen Gesellschaft oder weil sie um die Kontrolle der Ressourcen kämpfen ausgesucht. Aber es gibt viele bewaffnete Gruppen, die nicht Kindersoldaten rekrutieren, weil sie sich weigern, solche zu akzeptieren. Die Gruppen sind gewöhnlich ideologisch fortgeschrittener. Unglücklicherweise ist das Potential für Ausbeutung groß, wenn eine Gruppe beschließt, Kindersoldaten zu akzeptieren.

Die bewaffnete Gruppe stellt sich oft als eine militärische Vorhut einer wichtigen Sache dar. Das militärische Leben und die militärischen Kommandanten werden Rollenmodelle für die jungen Leute. Der militärische Ethos wird Teil des alltäglichen Lebens.

Manchmal gibt es den Ruf nach Märtyrerschaft, Opfer und heroischem Tod, etwas, das oft romantische junge Männer und Frauen erregt. Dies kann sogar die Form von Selbstmordattentaten annehmen. Dieser militärische Ethos hat eine eigene Logik und zieht verletzliche Kinder an. Viele jungen Leute kommen zu Kommandanten, selbst wenn sie nicht entführt wurden.

Verantwortungsbewusste Kommandanten schicken sie weg. Andere sehen jedoch, dass Kinder wirklich große Soldaten sein können. Mit dem, was Psychologen „unterentwickelte“ Todesvorstellungen nennen, kennen sie beim Kämpfen keine Angst, nehmen große Risiken auf sich und sehen viel davon als Spiel an. Sie gehorchen Kommandos und stellen für die Hierarchie kaum eine Bedrohung dar. Als Folge davon beginnt eine Gruppe, mehr und mehr Kindersoldaten zu beschäftigen und geht sogar dazu über, sie zu entführen. Der Überreichtum an kleineren Waffen kommt noch hinzu und trägt zur Leichtigkeit des Fortsetzens dieser Art des Rekrutierens bei. Nach den Aussagen von Spezialisten braucht ein Kind im Durchschnitt 45 Minuten, um eine AK 47 zu meistern.

Wie viele Anthropologen zeigen, sind auch individuelle Faktoren bestimmtend dafür, ob ein Kind ein Kindersoldat werden wird. Wie schon früher gezeigt wurde, treiben Gefühle von Rachsucht und der Erniedrigung oft Kinder in bewaffnete Gruppen. Wenn sie sehen, wie ihre Eltern getötet oder erniedrigt, ihre Schwestern vergewaltigt und ihre Gemeinschaften angegriffen werden, ist das ein mächtiger Motivationsschub. Dies führt oft dazu, dass der Zyklus der Gewalt zusätzlich gesteigert wird, wobei Rache zur Gegen-Rache führt und zehnjährige Kinder Opfer und Täter zur gleichen Zeit werden.

Einige Kinder treten aus Familiengründen bewaffneten Gruppen bei. Häusliche Gewalt, disfunktionale Familien und das Vorherrschen von Waisen in unter AIDS leidenden Gesellschaften usw. … all das führt dazu, dass Kinder neue Formen von Zuflucht und Schutz suchen. Viele Gruppen versichern uns, dass die meisten der Kinder, die zu ihnen kommen, Waisen oder Kindern sind, die nicht zu ihren Eltern zurückwollen. Dies trifft oft auf Mädchen zu. Sie treten bewaffneten Gruppen wegen des Gefühls der Freiheit bei, das sie entfernt von traditioneller und oft unterdrückender Erziehung verspüren.

Wenn sie Kämpferinnen werden, dann erlaubt ihnen dies, die Geschlechtsrollen und –stereotypen zu übertreten und dabei Selbstvertrauen und Führungseigenschaften zu lernen. Dies stellt ein größeres Problem für die Reintegration von Mädchen nach dem Krieg dar, denn das Mädchen will nicht nach Hause zurückkehren. Trotzdem muss diesen scheinbar positiven Faktoren die Tatsache gegenübergestellt werden, dass in einigen Kriegen Mädchen entführt, zu Sexsklavinnen gemacht werden und dass sie die Rolle der Kämpferin, der Ehefrau und Haushaltshilfe alles zur gleichen Zeit spielen müssen.

Einige Jungen, die emotional verletzlich sind, werden zu Rollenmodellen gezogen, welche durch den Gebrauch von Gewalt ihre Maskulinität ausdrücken. Dies ist in vielen Gesellschaften üblich, wo Mannsein die Bereitschaft, wenn nötig Gewalt zu gebrauchen, beinhaltet. Dies wird in einigen Gesellschaften mit dem Wunsch, einer bewaffneten Gruppe als Mittel sozialer Mobilität beizutreten, verbunden. Wenn man beitritt, hat man Zugang zu Ressourcen und die Möglichkeit, Macht auszuüben und das von der bewaffneten Gruppe kontrollierte Gebiet zu beeinflussen. Viele Kinder sehen dies als einen legitimen Weg des Vorankommens in einer Gesellschaft, die ihnen wenig andere Wahlmöglichkeiten anbietet, obwohl sie sich oft über die Tatsache beklagen, dass sie nicht zur Schule gehen oder ihre Familien sehen können.

UN Initiativen

Was sind nun die internationalen Initiativen, welche sich mit diesem Problem der Kindersoldaten beschäftigen? Es ist aus der Analyse der zu Grunde liegenden Ursachen klar, dass die Führungsriege der bewaffneten Gruppe ein Schlüsselfaktor beim Rekrutieren von Kindern ist. Darum der Kampf gegen die Straflosigkeit. Man zieht diese Führer zur Verantwortung und schreckt sie vom Rekrutieren von Kindern bei zukünftigen Aktionen ab. Das muss weitergehen. Obwohl die Bedingungen für das Rekrutieren von Kindern wegen der zu Grunde liegenden Ursachen existieren, ist es die Entscheidung der Bewaffneten, ob sie diese Kinder rekrutieren oder einziehen. Diese Entscheidung ist die letztgültige Markierung, und wenn sie nicht zur Rede gestellt werden, wird es keine Möglichkeit geben, mit diesem Punkt in umfassender Weise umzugehen.

Die internationale Gemeinschaft hat vor kurzem begonnen, sich mit der Frage der Straflosigkeit und des Zur-Verantwortung-Ziehens auf systematischere Weise auseinanderzusetzen. Letztes Jahr klagte der Internationale Gerichtshof Thomas Lubanga von der Demokratischen Republik Kongo wegen Rekrutierung und Gebrauch von Kindersoldaten an. Dies war der erste Fall, der vor Gericht gebracht wurde, und die Strafverfolger beschlossen, dass sie mit der beispielgebenden Strafverfolgung beginnen würden. So schickten sie eine Botschaft, dass solche Praktiken Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind.

Seit der Zeit wurden drei andere Kriegsherren wegen dem Rekrutieren und Gebrauch von Kindern angeklagt. Obwohl dies nur ein paar ausgewählte Fälle sind, haben sie das Erforderliche des Darfur Friedensabkommens geschickt. Sie haben mich detailliert über das Gericht und die Anklagen befragt – sie schienen sich darüber, was das für sie bedeutete, Sorgen zu machen. Der Anschreckungseffekt sogar nur einer Verurteilung sollte deutlich sein, obwohl wir akzeptieren müssen, dass die Fanatischsten das Rekrutieren ohne Sorge wegen der Konsequenzen fortsetzen werden.

Es ist nicht nur der Gerichtshof, der sich hinsichtlich dieser Streitfrage vorwärtsbewegt hat. Der Sicherheitsrat hat Kinder und bewaffnete Konflikte als die einzige Menschenrechtsfrage, für die man sich dauernd engagieren muss, ausgewählt. Unter der Sicherheitsrats-Resolution 1612 haben sie eine Arbeitsgruppe errichtet, um die Streitfrage detaillierter zu studieren, sowie einen Überwachungs- und Berichtsmechanismus, der Information auf der Ebene des Landes über schwere Verletzungen gegenüber Kindern während bewaffneter Konflikte sammeln wird, und außerdem bieten sie die Aussicht der Möglichkeit von Sanktionen gegen Gruppen, die weiterhin Kindersoldaten rekrutieren und gebrauchen. Dies ist ein einzigartiger Mechanismus. Unser Büro fördert den UN Prozess vor dem Rat. Seitdem die Resolution 2005 verabschiedet wurde, wurden über zwanzig Länderberichte vorgelegt und der Rat hat Empfehlungen und Schlussfolgerungen herausgegeben.

Die Drohung von Sanktionen des Sicherheitsrates haben viele Gruppen dazu bewegt, Aktionspläne mit dem UN System des Freilassens von Kindern in Gang zu setzen. Im letzten Jahr haben fünf Gruppen (an der Elfenbeinküste, zwei Gruppen in der Zentralafrikanischen Republik, eine in Nepal, eine in Sri Lanka und eine auf den Philippinen) zugestimmt, mit solchen Aktionsplänen zu beginnen. Viele kennen nicht die Prozesse des Sicherheitsrates und wenn man sie trifft (sogar tief im afrikanischen Busch), um ihnen deren Konsequenzen darzulegen, stimmten sie zu, mit den Vereinten Nationen zu kooperieren, um die Kinder freizulassen. Sie wünschen, nationale Führer zu werden, und möchten nicht durch Sanktionen befleckt werden. Andere bleiben unglücklicherweise unerbittlich. Sie sehen Kinder als eine wichtige Quelle bei ihrem bewaffneten Kampf an und sind darum darauf vorbereitet, die Möglichkeit von Sanktionen zu riskieren.

Der Kampf gegen die Straflosigkeit auf einer internationalen Ebene beginnt erst und dient als ein Signal, dass dies Verbrechen nicht länger toleriert wird. Damit er wirklich effektiv wird, muss es Aktionen auf der nationalen Ebene geben. Die nationale Gesetzgebung, die nationale Strafverfolgung und die nationalen Systeme, um das Rekrutieren zu verhindert, müssen aufgebaut werden, wenn der Kampf gegen das Rekrutieren und den Gebrauch von Kindersoldaten Erfolg haben soll. Um dies zu tun, muss man eine nationale Kapazität aufbauen. Das ist die wichtigste Herausforderung der nächsten paar Jahre.

Neben dem Kampf gegen die Straflosigkeit der Rekrutierer wird es noch wichtig, die Prävention auf der Ebene der Gemeinschaft sicherzustellen. Aus diesem Grunde ist es der erste Schritt, die zu Grunde liegenden Ursachen einschließlich der kulturellen Faktoren zu identifizieren. In diesem Kontext fordert unser Büro, dass die Entwicklungsagenturen der Vereinten Nationen für eine Diskussion zusammengebracht werden. Die Diskussion soll davon handeln, wie wir mit den strukturellen Punkten, die sich auf das Rekrutieren von Kindern beziehen – besonders dem Problem der Armut – fertig werden. Wenn man Jugendliche auf systematische Weise als Nutznießer für Entwicklungsprogramme im Auge hat, dann kann dies eine Art sein, wie man mit diesem Problem besonders in Ländern, wo es innerhalb der Bevölkerung viele Jugendlichen gibt, fertig wird. Es ist ein grundlegender Punkt, für den die OSRSG/CAAC und UNICEF eintreten müssen, dass man der Jugendentwicklung eine hohe Priorität besonders in zu Konflikten geneigten Ländern bei der Entwicklungshilfe zuweist.

Entwicklungsagenturen und humanitäre Agenturen müssen auch zusammenarbeiten, um die erfolgreiche Reintegration von Kindern zu gewährleisten, nachdem sie wieder in ihre Gemeinschaften entlassen wurden. In dieser Hinsicht übernehmen UNICEF und die UNDP die Führung. In Nepal stehen sie z.B. bereit mit 60 verschiedenen Reintegrations-Wahlmöglichkeiten für die Kindern, so dass sie die Wahlmöglichkeit finden können, die für das individuelle Kind am besten passt. Die Möglichkeiten beinhalten technisches und Berufstraining, genauso wie andere Unterstützung für die Kinder.

Zusätzlich werden die Agenturen mit den Familien und den Gemeinschaften arbeiten, um die Kinder wieder zu integrieren. Dies werden sie machen, indem sie den Kindern, die keine Kindersoldaten geworden sind, die gleichen Möglichkeiten bieten, so dass die zurückkehrenden Kinder nicht stigmatisiert werden. Sie werden auch versuche, den Familien psycho-soziale Unterstützung zukommen zu lassen, um bei der Reintegration Hilfe zu leisten. Eine erfolgreiche Reintegration ist nicht nur für das Kind gut, sondern wird auch verhindert, dass sie noch einmal rekrutiert werden oder als Teil von Jugendbanden kriminell werden. Das UN System ist zusammengekommen und hat die Pariser Prinzipien für die Reintegration von Kindern, die mit bewaffneten Gruppen verbunden waren, formuliert. Durch einen beratenden Prozess werden diese Prinzipien diejenigen, die die Kinder schützen, anleiten, damit sie das effektivste Programm für die Reintegration und Wiederherstellung anbieten.

Die Reintegration hat sich nicht immer als ein leichter Prozess herausgestellt. Obwohl die Pariser Prinzipien ein Programm fordern, dass die Gemeinschaft einbezieht und die Kinder nicht stigmatisiert, kann an dem maoistischen Beispiel gesehen werden, dass viele Kinder nicht nach Hause wollen und besondere Bedürfnisse haben könnten. Die Forschung hat gezeigt, dass Kinder, welche Opfer sexueller Gewalt sind, oder Kinder, die gezwungen waren, schreckliche Gewalttaten zu begehen, besonderer Sorge bedürfen. Der wirkliche Erfolg solcher Programme ist gewährleistet, wenn sie ihre Lösungen auf die Bedürfnisse des individuellen Kindes zuschneiden und die Gesellschaft, in der es lebt, mitbedenken aus den Fähigkeiten und Qualitäten, die er in seiner Zeit bei einer bewaffneten Gruppe ausgebildet hat, Nutzen ziehen.

Da die Vertriebenenlager oft am Ort des Rekrutierens sind, sollte das Management dieser Lager in Hinblick darauf überprüft werden, dass dafür gesorgt wird, dass Kinder nicht aus dem Lager gebracht werden können. Die Sicherheitskräfte des Lagers könnten beraten und trainiert werden, und das innere Management des Lagers könnte trainiert werden, wachsam zu sein. Dies sollte mit Programmen im Lager verbunden sein, um den Kindern zu erlauben, ihre Bildung weiterzuverfolgen und Übung in den Fertigkeiten zu bekommen, die für ihr Alter und das geografische Gebiet wichtig sind. Die UNHCR und das Büro der Speziellen Repräsentative der Inneren Entwicklung haben sich in der Hinsicht an die Spitze gestellt, und es ist unsere Erwartung, dass die Sicherheit in Anbetracht der Grenzen so weit wie möglich im Licht dieser Forschungsergebnisse verstärkt wird.

Die von vielen ForscherInnen umrissenen kulturellen Faktoren sind extrem wichtig. Dies umreißt die Notwendigkeit für die Vereinten Nationen, sicherzustellen, dass die universellen Normen, für die sie eintreten, in den verschiedenen Gesellschaften eine kulturelle Resonanz haben.

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Anmerkung der LTTEwatch-Redaktion:

Radhika Coomaraswamy ist Tamilin, stammt aus Sri Lanka. Sie ist die UN-Beauftragte zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten

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