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Von unserem LTTEwatch-Reporter in Kandy vom 5. Januar 2009

 

Kandy – Heute morgen, exakt um 8.35 Uhr, erstarben abrupt viele Geräusche der Stadt und der Verkehr stand komplett still. In den zwei folgenden Schweigeminuten gedachten die Menschen in den Städten Sri Lankas den gefallenen Soldaten, deren ultimativen Einsatz auch der Fall der Rebellenhochburg Kilinochchi vor zwei Tagen zu verdanken ist.

 

Unterdessen verstärkt Indiens Küstenwache seine Bemühungen, Infiltrationen durch flüchtige LTTE-Kader abzuwehren mit einer deutlich erhöhten Präsenz von Schnellbooten in der schmalen Meerenge, die Sri Lankas Norden von der südindischen Provinz Tamil Nadu trennt. Lange Zeit nutzten die Tamil Tiger Tamil Nadu als natürliches Rückzugs- und Erholungsgebiet. Doch der indischen Regierung scheint es diesmal wirklich ernst zu sein bei ihrem Vorgehen gegen die LTTE – aber auch gegen die eigenen Landsleute, die LTTE-Terroristen Unterschlupf gewähren. Erst vor wenigen Wochen wurde in Indien die LTTE erneut als verbotene, terroristische Organisation erklärt. Angelastet wir der LTTE unter anderem der Mord an Präsident Rajiv Ghandi.

 

Auch auf srilankischer Seite wird etwas für Flüchtlinge getan – allerdings handelt sich dabei um so genannte „Displaced Civilians“ – um Inlandsflüchtlinge, die meist nur unter großen Gefahren aus dem Gebiet der LTTE flüchten können. Wiederholt forderten Mitglieder der demokratischen Parteien Sri Lankas die Führung der LTTE auf, diese „menschlichen Schutzschilde“ frei entscheiden zu lassen, wohin sie gehen wollen. Die Regierung hat bereits, bedingt durch den steten Strom von Binnenflüchtlingen, mit dem Aufbau weiterer Auffanglager begonnen. Die ersten neuen Lager entstehen in Menik Farm und Nelumkulama und sollen Hauptsächlich Flüchtlinge von der derzeit am heftigsten umkämpften LTTE-Bastion Mullaitivu sowie der gerade eroberten Stadt Kilinochchi auffangen und versorgen. Die Regierung kündigte an, sie wolle so schnell wie möglich eine funktionierende Infrastruktur sowie eine örtliche Verwaltung inbesondere in Kilinochchi, aber auch in den anderen eroberten Gebieten wieder herstellen.

Mahinda Rajapaksa

Mahinda Rajapaksa

Präsident Rajapaksa erklärte heute, dass der Sturm auf Kilinochchi nur deshab so lange gedauert habe, weil er seine „Zero Civilian Cassualty Policy“(Etwa: „Keine Verluste unter Zivilisten-Politik“) habe durchsetzen wollen – und müssen. Er werde dies auch weiterhin tun, gelobte Rajapaksa. Er vermutete in dem Telefon-Interview mit der indischen Zeitung „The Hindu“, dass die verbleibenden LTTE-Kader sich hinter zehntausenden von Zivilisten versteckten und forderte die LTTE-Führung nochmals auf, diese frei ziehen zu lassen. Der Präsident kündigte außerdem an, dass man die Versorgungslieferungen in das umkämpfte Gebiet noch verstärken würde. Es sei ironisch, aber man werde nicht aufhören, damit auch den Feind zu füttern, sagte Rajapaksa, der sich – ungewöhnlich für einen srilankischen Präsidenten im dritten Amtjahr – sehr grosser Beliebtheit in der Bevolkerung erfreut.

Am späten Abend erreicht uns dann die Meldung, das die srilankischen Truppen auch den südlichen Ausläufer der strategisch so wichtigen Elephant Pass eingenommen hätten. Man werde, so ein Armeesprecher, bald das gesamte Gebiet unter Kontrolle haben. Damit sei man auch in Kontrolle der gesamten Jaffna Lagune. Die Luftwaffe habe gezielt den Bau eines weitere Schutzwalls in der Gegend durch LTTE-Kader wirkungsvoll verhindert, die schwere Erdbewegungsmaschinen genutzt hätten – diese wohl aus dem Vermächtnis der bis vor kurzem in der Gegend noch tätigen iNGOs, so der Sprecher weiter.

Von unserem LTTEwatch-Reporter aus Kandy vom 3. Januar 2009

Kandy – Touristen sind meist mit anderen Dingen zu sehr beschäftigt, um zu erkennen, wenn etwas in der Luft liegt in Sri Lanka – wie an diesem Freitag, als am frühen Nachmittag hektisches Treiben in den Strassen von Kandy einsetzt. Die normalerweise vor Passanten und Händlern förmlich überquellenden Gehsteige leerten sich plötzlich sichtbar.

Wir waren am Tag vorher zurückgekehrt aus dem Norden, hatten „gesichertes Gebiet“ besucht, die historischen Stätten Anuradhapura, Sigiriya, Dambulla und Polonnaruwa bestaunt und uns über nächtliche Helikoptergeräusche sowie das stete Brummen von Lastwagenkonvois in Richtung Norden gewundert.

An diesem friedlichen Nachmittag in Kandy dachten wir uns zunächst nichts dabei, dass die Strassen sich leerten und machten uns nach unserer ausgedehnten Shoppingtour rund um den Markt von Kandy auf den Weg ins altehrwürdige Queens Hotel – auf einen Drink an der schattigen Poolbar. Aber auch hier ungewöhnlich hektische Aktivität, der Fernseher wird hereingeschoben, von seiner Plastik-Schutzhülle befreit und angeschaltet. Auf unsere Nachfrage berichtet der Kellner, im Radio habe es geheißen, Präsident Mahinda Rajapaksa persönlich werde eine Botschaft an die Nation richten, direkt aus seinem Sekretariat.

Die Botschaft des Präsidenten, wie immer in weiß gekleidet und mit markanter roter Schärpe um den breiten Hals, ist kurz und knapp und doch kann er sich dabei ein sanftes Lächeln nicht verkneifen: Kilinochchi ist gefallen. Nach zehn Jahren ist die Rebllenhauptstadt wieder in der Hand srilankischer Truppen. Fast augenblicklich gehen draußen auf der Strasse die ersten Feuerwerkskörper los, später hören und sehen wir jubelnde Menschen, die durch die Strassen Kandys ziehen Parolen rufen und Fahnen schwenken.

Rajapaksa sagt, dies sei kein Sieg eines Nord-Süd-Konflikts, sondern dies sei ein Sieg aller Srilanker, egal ob Singhalesen, Tamilen, Malayen oder Burgher, alle jene, die an ein geeintes Vaterland glaubten.

Zwischenzeitlich wird im Queens umgeschaltet zu Al-Jazeera. Dort spricht man schon über die Folgen des Truppensiegs über die Rebellen. Indien wiederhole seine Forderung, wegen des Mordes an Rajiv Ghandi, den Rebellen-Chef Velupillai Prabhakaran auszuliefern, der noch vor wenigen Tagen höhnisch verlauten hat lassen, die Einnahme der „de-facto-Hauptstadt“ seines Tamil Eelam, seines tamilischen Staates auf srilankischem Boden, sei nichts weiter als ein wirrer Tagtraum des srilankischen Präsidenten.

Von einer Auslieferung Prabhakarans ist man noch weit entfernt, auch wenn der Bewegungsradius der Rebellen nun auf ein Gebiet von knapp 40 mal 40 Kilometer zusammengeschrumft ist. Und der Rebellenchef sich wohl tiefer in den Dschungeln des Wanni zurückziehen musste. Denn im Lande sei Prabhakaran noch, so behauptet zumindest sein einstiger Spießgeselle und mittlerweile demokratisierter Minister Karuna.

Funkverkehr der Terroristen abgehört

Sarath Fonseka: Funkverkehr der Terroristen abgehört

Rechtzeitig zur Ansprache des Armeechefs Sarath Fonseka wird wieder auf den Staatssender Rupavahini umgeschaltet. Fonseka ist ein Mann drastischer Worte. Er sagt, die Einnahme von Kilinochichi, in den vergangenen Wochen immer wieder als unmittelbar bevorstehend vermeldet, sei das Ergebnis harter Kämpfe und nur dem Mut seiner Truppen zuzuschreiben. Ein Euphemismus wohl, für die vielen Opfer, die dieser Feldzug bereits gekostet hat – auf beiden Seiten. Genaue Zahlen sind – wie immer – nicht zu erfahren aus dem Mund des schneidigen Generals. Prabhakaran habe nun, so der General weiter, zwei Optionen: er könne versuchen über das Meer zu flüchten – oder sich ein Beispiel an den von ihm höchstpersönlich eingeführten, berühmt-berüchtigten Selbstmordbombern nehmen und sich auf diese Weise selbst richten.

Als nächstes, so der vor Zuversicht strotzende General, stehe Mullaitivu, die andere Stadt der Rebellen an der Ostküste sowie Elephant Pass, die zweite Landverbindung nach Norden und nach Jaffna auf dem Schlachtplan. Die eigentliche Eroberung der Stadt sei nach wochenlanger Bombardierung ein Leichtes gewesen, die LTTE-Kader hätten die Stadt am Ende einfach aufgegeben. Nicht aber, ohne hastig Wassertanks und Versorgungsleitung zu sprengen und die Stadt somit unbewohnbar zu machen – außerdem habe man an vielen Stellen Sprengfallen entdecken und entschärfen können.

Genüsslich führt Fonseka noch aus, man habe zum ersten Mal direkte Funksprüche vom Rebellenchef selbst abgefangen, der sich bislang, (wohl aus Angst, man könne ihn orten und seinen Standort entdecken) noch nie persönlich dieses Kommunikationsmittels bedient habe. Prabhakaran habe getobt und geschrieen, er habe seine Kommandanten als unfähig beschimpft und damit gedroht, sie „für immer zu verlassen“. Was immer das bedeuten mag – schlecht wäre es nicht für Sri Lanka, wenn Prabhakaran einfach verschwände. Vielleicht mit dem U-Boot, das er sich, in der Stadt kursierenden solche Gerüchte, verschafft habe. Doch den Gefallen mag der LTTE-Chef – vorerst – nicht tun.

In den Abendnachrichten wird von einem erneuten Selbstmordattentat berichtet – nur eine Stunde nach der Ansprache des Präsidenten, mitten in Colombo, direkt vor dem Hauptsitz des Luftwaffenchefs Roshan Goonetilake zündet ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad seinen umgeschnallten Sprengsatz bei dem Versuch die Torbarrikaden zu überwinden. Drei Luftwaffenangehörige werden getötet, 41 Zivilisten zum Teil schwer verletzt. Dem Luftwaffenchef geht es gut, er hatte das Tor nur Minuten vorher passiert und war schon auf dem Heimweg. Und auch am Tag danach explodiert in der Pettah Colombos eine weitere Bombe.

Der konventionelle Krieg gegen die LTTE mag sich nach über 25 Jahren seinem bitteren Ende zuneigen – ein Ende des Terrorkrieges in Sri Lanka ist indes ist noch lange nicht abzusehen.

Übersetzt aus der Webseite „TransCurrent“ vom 1. Januar 2009

Kilinochchi – Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) haben die sechzehn tamilischen Waisenkinder freigelassen, welche am 23. Dezember von den Tigern entführt worden waren, um als „Kindersoldaten“ rekrutiert zu werden.

Die Tiger hatten sich zuerst geweigert, die 11-14-jährigen Kinder freizulassen, obwohl die katholische Kirche darum bat. Schließlich waren sie gezwungen, sie freizulassen, weil es starke Proteste von einigen mutigen und gewissenhaften tamilischen katholischen Priestern gab.

30 tamilische katholische Priester hatten geplant, vom 1. Januar 2009 an ein „Fasten bis zum Tode“ in einer Kirche als Protest durchzuführen. Sie verlangten, dass die LTTE die entführten Kinder sofort zurückgeben sollte.

Die LTTE, die schon unter enormem militärischem Druck steht, versuchte mit den Priestern auf sanfte wie auf harte Art zu reden, damit diese ihre Entscheidung überdenken. Die Priester blieben jedoch entschlossen.

Schließlich gab die LTTE, die aus Paranthan flieht, auf und gab die sechzehn Kinder bedingungslos zurück. Da ihr Ziel erreicht war, sagten die Priester den Hungerstreik ab.

Der Generalvikar der Mannar Diözese Reverend Fr. Victor Soosai hat bestätigt, dass die 16 Kinder in das von der Kirche betriebene Waisenhaus zurückgekehrt sind.

Der schockierende Entführungszwischenfall fand am 23. Dezember, dem Fest des Heiligen Stephan, statt. Der Vorfall geschah in dem Waisenhaus für Jungen, welches die katholische Kirche in Tharmapuram in der Region Kilinochchi unterhält.

Die meisten Kinder des Waisenhauses waren an diesem Tag weggewesen, um Verwandte zu besuchen, aber einige Kinder blieben.

Plötzlich kam eine Gruppe von Tiger-Soldaten an und verlangte, dass ihnen die Kinder übergeben würden, da jeder gebraucht werde, um für das tamilische Heimatland zu kämpfen.

Priester Arush Eric Rohan, der Direktor des Waisenhauses, weigerte sich und bat die LTTE zu gehen. Der Tiger-Führer beschimpfte ihn und befahl seinen Soldaten, die Kinder unter Zwang mitzunehmen.

Die Waisenkinder, die in Panik waren, hatten begonnen, schreiend wegzurennen. Einige verstecken sich, während andere schrieen und weinten.

Obwohl es einigen gelang, den LTTE-Kadern zu entkommen, gelang es diesen, sechzehn Jungen zusammen zu treiben. Die Soldaten banden Hände und Füße der Kinder, trugen sie wie Säcke und warfen sie auf einen Lastwagen.

Prieser Rohan und ein anderer Priester versuchten, die LTTE-Kader daran zu hindern, aber sie wurden geschlagen und zu Boden geworfen.Die Priester wurden auch mit Waffen bedroht.

Nach dem schockierenden Zwischenfall baten die katholischen Kirchenführer im Norden mehrmals die LTTE, die Entführten freizulassen, aber die Tiger weigerten sich. Schließlich ging eine Gruppe von 30 tamilischen katholischen Priestern nach Puthukkudiyiruppu und diskutierte mit einigen Tigerführern, aber sie fanden keine Gnade.

Als letztes Zufluchtsmittel beschlossen die 30 Priester, einen Hungerstreik zu beginnen. Schließlich gab die LTTE nach und ließ die 16 frei. Der Zwischenfall hat für die LTTE viel negativer Publicity erzeugt.

Übersetzt von der indischen Nachrichtenagentur „IANS“ vom 29. Dezember 2008

Tamil Nadu - Ein srilankanischer Tamile, der versucht hatte, Kommunikationsausrüstung zu den Tamil Tigern (LTTE) zu schmuggeln, wurde in Indien verhaftet. Informierte Quellen sagten, dass am Montag weitere Verhaftungen wahrscheinlich seien.

Der “Q“ Abteilung (zustängig für die Terrorabwehr – Anm. der Red) ) der indischen Polizei von Tamil Nadu – welcher sich mit aufständischen Gruppen befasst – hat Amir Antony Paranthaman, 32, Samstag Nacht in Chennai in Haft genommen. Bei ihm wurden nämlich Satellitentelefone und globale GPS-Systeme gefunden, die man ihm aus der Schweiz geschickt hatte.

Die Waren waren für die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) bestimmt, welche verzweifelt Kriegsmaterial benötigt.

Nach der offiziellen Version hatte Antony, als er festgenommen wurde, ein Satellitentelefon bei sich. Seine Befragung führte zur Entdeckung von drei weiteren Satellitentelefonen, acht GPS und sowie Handyverstärkern, welche benutzt werden, um den Empfang zu verbessern.

Alles dies wurde durch einen LTTE-Kontakt in der Schweiz nach Tamil Nadu geschickt. Die Schweiz ist eines der Länder, wo es eine große srilankanische tamilische Bevölkerung gibt.

Nach der Polizei wurden zwei LTTE Aktivisten als Kannan und Prakash identifiziert. Sie hatten Antony gebeten, das Material zu sammeln und sicherzustellen, dass es mit dem Boot von der Tamil Nadu Küstenstadt Rameswaram nach Sri Lanka geschickt wird.

Die Polizei konfizierte auch 500 Kg Salpeternitrat, eine chemische Komponente eines Düngemittels, welche genutzt werden kann, um Sprengkörper herzustellen.

Der verhaftete Mann kam ursprünglich aus Jaffna und kam früher in diesem Jahr als Flüchtling mit seiner Frau nach Tamil Nadu. Seine Frau wurde ebenfalls befragt, aber sie bestand darauf, dass sie in keinerlei Hinsicht mit den Tamil Tigern Verbindungen habe.

Nachdem Antony sich in Chennai niedergelassen hatte, eröffnete er ein Reisebüro – ein Geschäft, von dem Beamte sagen, dass es von den srilankanischen Tamilen – einschließlich jener, die Beziehungen zur LTTE unterhalten – bevorzugt werde als Tarnung.

Die srilankanischen Tamilen haben auch Call Centers, Internetcafés und Mietwagenbüros in Tamil Nadu eröffnet. Tamil Nadu ist von der Insel durch einen Meeresstreifen getrennt. Dort hatten die LTTE und andere tamilische Gruppen Büros und Militärlager in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Antonys Verhaftung kam nach einer Beobachtungsaktion, an der auch zentrale Sicherheitsbehörden beteiligt waren, zustande. Sie habe wieder gezeigt, dass die LTTE immer noch von Tamil Nadu abhenge.

Es hat auch gezeigt, dass die LTTE trotz des Drucks aus Sri Lanka immer noch die Fähigkeit besitzt, Netzwerke aufzubauen, bei denen mehr als ein Land beteiligt ist, damit Material, welches sie zum Fortführen des Krieges braucht, beschafft werden kann.

Wie die Quellen IANS berichten, waren sich die indischen Behörden daruber bewusst, dass für jede Ladung, auf die sie in Tamil Nadu stießen, einige andere an ihnen vorbeigeschleust werden – hinein ins Kriegsgebiet nach Sri Lanka.

Wie die Quellen weiter berichten, schien Antony kein spezielle LTTE-Ausbildung mitgemacht zu haben.

Übersetzt aus der Indischen Tageszeitung Times of India 05.08.08

COLOMBO – Das Territorium der Tamil Tiger schrumpft kontinuierlich. Der von den Norwegern unterstützte Friedensprozess ist zeitweilig ausgesetzt. Und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass in nächster Zeit irgendwann wieder aufgenommen wird.

Westliche Diplomaten sagen, dass die Bemühungen der norwegischen Friedensvermittler zum Stillstand kämen, so lange noch die Kämpfe toben. Es sei unwahrscheinlich, dass es in der nahen Zukunft irgendwelche Fortschritte im Friedensprozess geben wird.

Obwohl aber die norwegischen Diplomaten derzeit nicht mehr in LTTE-Gebiete reisen, sind sie dennoch mit den Tamil Tigers in ständigem Kontakt. Norwegen ist auch in engem Kontakt mit Indien, und jeder in Sri Lanka stimmt darin überein, dass dies am wichtigsten sei.

Sri Lanka weiß, dass es Indien an seiner Seite behalten muss. Jedoch scheint sich Indien zum ersten Mal seit langer Zeit nicht viel darum zu bemühen, in Sri Lanka neutral zu sein. Obwohl es Pro-LTTE-Gerüchte in Tamil Nadu gibt, weigert sich Indiens Offizielle, öffentlich irgendetwas zu kritisieren, von dem sie meinten, es würde an der Kriegsfront in Sri Lanka schief laufen.

So hat der Premierminister Manmohan Singh vergangenen Freitag eine Reihe von srilankanischen politischen Kräften in Colombo auf dem SAARC-Gipfel getroffen. Unter denen, die er traf, waren auch tamilische Gruppen, welche einerseits gegen, andererseits Sympathisanten der LTTE waren. Für jeden hatte er nur eine Botschaft: Indien sähe es sehr gerne, wenn die demokratischen Kräfte in Sri Lankas Nordosten die Oberhand gewinnen würden.

In der Zwischenzeit ist der Strom der Flüchtlinge nach Indien leicht zu handhaben. Auch Neu Delhi verfolgt die LTTE unerbittlich - in Tamil Nadu und anderswo, so dass die Terroristen in Indien keine Kriegsmaterialien sammeln können. Dies ist natürlich wahre Musik in Colombos Ohren.

Tamilischen Aktivisten sowie diplomatische Quellen sagen, dass die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in den weniger als drei Jahren, in denen sie sich Colombo mit erneut mit agressiver Kriegstreiberei entgegengestellt haben, nun verzweifelt nach Kämpfern suchten.

Nach tamilischen Quellen aus dem unruhigen Nordosten der Insel drängt die LTTE tamilischen  Familien, wenigstens eine Familienmitglied – egal, wie alt und welchen Geschlechts – die paramilitärische Laufbahn bei der LTTE einzuschlagen.

Momentan kontrolliert die LTTE ungefähr 4.000 Quadratkilometer – oder gerade sechs Prozent von Sri Lanka. Und man sagt, dass die Bevölkerung, die sich unter ihrer Kontrolle befindet, ungefähr 250.000 Menschen umfasst – lediglich 1,25 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes.

Dies ist eine gänzlich andere Situation, als es dies noch im Jahre 2005 war, als die LTTE ein großes Gebiet in Sri Lankas Norden und Osten kontrollierte. Jedoch ergriff die LTTE, nachdem der Präsident Mahinda Rajapaksa im November des Jahres die Macht übernommen hatte, die Offensive und schürte erneut einen Krieg, der bis zum heutigen Tage tobt.

Militärische Funktionäre sagen, dass in den vergangenen Jahren die Fähigkeit der LTTE zu einem Gegenangriff in größerem Stiel ernsthaft gelitten hat. Der Verlust der Gebiete im Osten bedeutet, dass die LTTE wertvollen Übungsgrund und eine Region verloren hat, in der sie vorher Kader für den Krieg rekrutieren konnten.

Während die politischen Führer Sri Lankas zugeben, dass es unmöglich sein wird, die LTTE zu „zermalmen“, so lange noch eine Spur von tamilischem Nationalismus existiert, scheint doch die LTTE im Norden verstärkt auf dem Rückzug zu sein. Aber jene, welche die LTTE kennen, warnen, dass diese nicht aufgeben werde, komme, was da wolle.

Die meisten Diplomaten sind der Ansicht, dass weder Colombo noch die LTTE Gespräche führen möchten. Es gilt als sicher, dass Colombo denkt, dass es den Krieg gewinnen werde. Und obwohl die Medien, die auf Seiten der LTTE sind, sich sehr über die Notwendigkeit zu einem Dialog auslassen, gibt es keine Garantie dafür, dass die LTTE den Dialog auch wirklich möchte.

Auf alle Fälle werden die Rufe nach Friedensverhandlungen von Colombo als verkappte Stellungnahmen pro LTTE abgetan. Der Staat weigert sich, sich das lästige Einfordern der Menschenrechten noch länger anzuhören. Den westlichen Aktivisten wird gesagt, dass sie nicht über einen bestimmten Linie hinausgehen könnten. Und wenn sie dies machten, würde man rasch darauf zu reagieren wissen.

In Sri Lanka scheint es, dass die beiden hauptsächlichen Anti-LTTE Wortführer, der vorherige, tamilische Tiger-Kommandant Karuna sowie sein Abgesandter und gleichzeitig Ministerpräsident der Östlichen Provinzen, Minister Pillayan, sich versöhnt haben. Leute, die im Osten wohnen, sagen, dass Karuna sich künftig um die Geschäfte der Partei kümmern wird, während Pilalayan sich um die Geschäfte, die sich auf die Provinzregierung beziehen, kümmern werde. Ein Zweckbündnis also.

Wie derweilen bekannt geworden, suchen die Männer von Karuna 300 desertierte LTTE-Kader, von denen sie glauben, dass sie sich in Colombo verstecken. Sie versuchen, sie mit Hilfe der Sicherheitskräfte in den tamilischen Vierteln der Hauptstadt aufzuspüren.

Zur gleichen Zeit scheint sich Sri Lanka nicht sonderlich damit zu beeilen, das politische Paket zu enthüllen, welches selbst für die gemäßigten Tamilen – im Falle einer Kapitulation der LTTE – für alle Beteiligten akzeptabel wäre.

 

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