Statistik: Regierung veröffentlicht eigene Zahl der Kriegstoten

Veröffentlicht am 24. Februar 2012

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Übersetzt von der LTTEwatch-Redaktion mit Material von BBC vom 24. Februar 2012

Von Charles Haviland

Colombo – Die Regierung Sri Lankas legt zum ersten Mal Statistiken über die Zahl der Todesopfer im Norden des Landes während der letzten Phase des Krieges offen – laut Regierung waren es 9.000 Tote; dies hat BBC erfahren.

Mehr als 7.000 der Todesfälle scheinen direkt im Zusammenhang zu stehen mit den militärischen Kämpfen vor drei Jahren.

Es ist dies der erste Satz von Zahlen, den die Regierung selbst für die Verluste zur Verfügung stellt. Die Zahl der Toten waren bereits Gegenstand von heftigem Streit zwischen der Regierung und ihren Kritikern.

Ein Bericht, der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Auftrag gegebenen worden war, sieht die Zahl der Toten bei bis zu 40.000.

Klammheimlich und in mehreren Teilen hat die srilankische Regierung in den letzten paar Tagen einen Bericht veröffentlicht, der durch seine Abteilung für Zensus and Statistik erstellt worden ist.

Diese Statistik beruht angeblich auf Informationen, die von Beamten gesammelt wurden, die Menschen im Kriegsgebieten im Norden des Landes interviewt haben.

Die nach Todesursachen aufgeteilte Statistik wurden bisher geheim gehalten; aus dem Bericht geht hervor, dass in den ersten fünf Monaten des Jahres 2009 – dem Höhepunkt des Krieges – etwa 7.400 Menschen aufgrund undefinierten Ursachen oder durch “andere” Ursachen gestorben sind.

Dies könnte darauf hindeuteten, dass statt natürlicher Ursachen wie Unfall, Mord oder Selbstmord, diese Todesfälle durch die Kämpfe verursacht worden sein könnten.

Die überwiegende Mehrheit der Fälle starb im Bezirk Mullaitivu, dem Schauplatz der letzten blutigen Schlachten.

Die Zahlen zeigten auch, dass mehr als 2.600 weitere Menschen allein im Jahr 2009 als “vermisst” gemeldet wurden.

Es ist auch nicht klar, ob die Zahlen nur Zivilisten oder auch Kämpfer der Tamil Tigers mit einbeziehen, oder welche Seite verantwortlich war für den Tod. Sollten die toten LTTE-Kader beinhaltet sein und rechnet man die knapp 11.000 Kader hinzu, die nach dem Krieg in Gefangeschaft waren, wäre die Gesamtzahl der LTTE-Kader erheblich kleiner, als bisher von der Regierung veranschlagt. Dieser Umstand beitet auch weiterhin Raum für Spekulationen.

Der Bericht stimmt zumindest mit den letzten Einlassungen der srilankische Regierung überein, die erst jüngst anfing, zuzugeben, dass Regierungs-Truppen “ein paar Zivilisten getöten haben könnten”.Vorher hatte die Regierung  jahrelang vehement behauptet, es habe “keinen einzigen zivilen Toten gegeben”, den die Truppen verursacht hätten.

Die Zahl der eigenen Toten bei der Truppe wurde kurz nach dem Krieg mit “etwa 6.000″ angegeben – doch diese Zahl verschwand schnell wieder von der Website des Verteidigungsministeriums.

Die nun veröffentlichte Zahl der Todesopfer stimmt in etwa mit einer frühen Schätzung der Vereinten Nationen überein, sie ist aber deutlich niedriger, als die geschätzten Zahl von 40.000 Todesfällen in dem UN-Bericht von Ban Ki-Moon. Die Regierung hatte die Zahl von 40.000 stets bestritten, bislang aber keine eigenen Zahlen genannt.

Die undurchsichtige Herkunft der Grundlagen dieser Statistik wird mit Sicherheit für weiteren Streit zwischen srilankischer Regierung und seinen Kritiekrn sorgen. Interessant ist, dass die Statistik ohne die sonst üblichen Ankündigungen und Jubelmeldungen in der staatlich kontrollierten Presse einher geht.

Analysten sehen die Veröffentlichung auch als weiteren, geradezu verzeifelten Versuch, eine Resolution des UN-Menschenrechtsrates abzuwenden.

Auf die seit Kriegsende von Menschenrechtsorganisationen und Hinterbleibenen geforderte Namens-Auflistung der LTTE-Kader in Haft, hat die Regierung bislang nicht reagiert.

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