Von unserem LTTEwatch-Korrespondenten in Sydney vom 8. November 2009

Klare Absage an "Tamil Eelam": Des Browne an die tamilische Diaspora in Australien
Canberra – Der Britische Abgesandte in Australien, Des Browne, hat bei einem Treffen mit Vertretern der tamilischen Diaspora in Australien, der Idee eines eigenen „Eelam“-Staates für Tamilen auf sirlankischem Boden eine eindeutige und klare Absage erteilt.
Zu dem Treffen am vergangenen Wochenende im altehrwürdigen Westminster House, der britischen Dependance in Canberra zu einem „offenen Dialog“ waren sowohl gemässigte Vertreter der tamilischen Diaspora Australiens gekommen, beispielsweise Dr. Noel Nadesan, Herausgeber der tamilischen Zeitung The Uthayam, als auch Vertreter und Freunde der LTTE, die bei dem Treffen in der Überzahl waren. Brownes eindeutige Absage an einen Tamilen-Staat ist wohl auch der Grund, warum über das Treffen in pro-LTTE-orientierten Medien so gut wie nichts zu lesen ist – außer der Tatsache, dass es stattfand.
Browne nannte mehrere Gründe dafür, dass es niemals ein „Tamil Eelam“ auf sirlankischem Boden – oder sonstwo – geben würde.
Zum einen hätten mächtige Verbündete Sri Lankas wie Russland, China oder auch Indien daran keinerlei Interesse, da sie selbst mit Separatisten im eigenen Land zu kämpfen haben.
Zum anderen hätten die bisherigen, selbsternannten Alleinvertreter der Tamilen, die LTTE, selbst dafür gesorgt, dass es derzeit keinen glaubwürdigen Vertreter der tamilischen Frage gebe. Denn genau darin sehe er, Browne, die einzige Chance: in echtem, ernst gemeinten politischen Dialog mit der Regierung in Colombo. Den Zeitpunkt für faire Verhandlungen aber habe die LTTE ein für alle Mal mit der militärischen Niederlage im Mai verpasst.
Auch Dr. Noel Nadesan bestätigte diesen Eindruck. Trotz einer nicht immer perfekt funktionierenden Demokratie, trotz dreier Unabhängigkeitskriege und vieler Verluste habe Sri Lanka noch immer die Fahne der multi-ethnischen Staates hochgehalten. Die Tamilen heute stünden in ihrer Sprachlosigkeit vor einer hausgemachten Krisensituation.
Die Vertreter der LTTE beschwerten sich lautstark über die Lage der Flüchtlinge in den Lagern. Browne erwiderte, dass die noch verbleibenden 100 000 Flüchtlinge ja letztlich auch wegen der LTTE in den Lagern seien; ihre Situation sei vor dem Lageraufenthalt zum großen Teil wesentlich schlimmer gewesen. Außerdem glaube er der srilankischen Regierung, dass diese so schnell wie möglich versuche, die Lage zu entspannen und zu normalisieren.
Den Versuch der LTTE-Anhänger, wirtschaftlichen Druck aufzubauen, beispielsweise indem sie ausländische Regierungen dazu drängten, Handelserleichterungen aufzuheben, erteilte er auch eine Abfuhr. Dies sei ein Pendel, das leicht in die falsche Richtung ausschlagen könne, denn damit könnte der wirtschaftliche Wiederaufbau des ganzen Landes, ganz besonders aber der des ohnehin schwachen Nordens, empfindlich gestört werden.
Eine Abfuhr erteilte Browne auch externen Kriegsgerichten, die Greueltaten untersuchen sollen. Dieser Prozess müsse von Innen heraus geschehen. Am Beispiel Kosovo sehe man, so Browne, dass die externe Intervention nichts gebracht habe und auch nicht zur Versöhnung der ehemaligen Kriegsparteien beigetragen habe. Im Übrigen müsse sich gerade auch abei diesem Thema die LTTE viele, eher unangenehme Fragen stellen lassen.
Des Browne sagte zum Abschluss des Dialogs, dass er sich gerne als Moderator bei Verhandlungen mit der srilankischen Regierung als Moderator zur Verfügung stelle. Sri Lanka als funktionierende Demokratie und mit langer Erfahrung bei der Integration unterschiedlichster Ethnien sei trotz aller Imperfektionen immer noch die beste Option für eine politische Beteiligung der Tamilen am öffentlichen Leben. Brownes letzter Rat an die Beteiligten: sie mögen sich doch mit der parlamentarischen Opposition Sri Lankas in Verbindung setzen. Das sei ein politischer Hebel, der den Tamilen sofort zur Verfügung stehe…

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