Von unserem LTTEwatch-Korrespondenten in Colombo am 7. November 2009
Colombo - Der Botschafter Sri Lankas in Indonesien hat das srilankische Auswärtige Amt davon unterrichtet, dass man nun wisse, wer sich hinter „Alex“, dem selbsternannten Sprecher der tamilischen Asylsuchenden an der Küste Indonesiens verberge.
Die 255 Tamilen – unter ihnen Frauen und viele Kinder – wurden am 19. Oktober von der indonesischen Marine im Meer vor Indonesien in einem maroden Holzschiff treibend aufgegriffen und nach Indonesien verbracht, wo sie nun im westlichen Java, im Hafen von Merak, an einer Mole angeleint liegen – und sich weigern, an Land zugehen und ihr Schiff zu verlassen.
Ultimativ haben sie durch ihren Sprecher „Alex“ gefordert, nicht in Indonesien, sondern in Australien Asyl zu bekommen. Nach Sri Land könne man nicht zurück, da man dort als Tamile um sein Leben fürchten müsse. Wenn man nicht nach Australien hineingelassen werde, werde man in einen „Hungerstreik bis zum Tode“ treten oder aber das Schiff in die Luft sprengen. Es besteht der Verdacht, dass zumindest einige der Asylsuchenden versprengte Angehörige der LTTE bzw. deren Waffenschmuggelflotte sind.
Zumindest „Alex“ ist offenbar nicht direkt aus Sri Lanka gekommen. Sein Identität konnte mittlerweile ermittelt werden. Es handelt sich um den in Jaffna gebürtigen, 27-Jährigen Srilanker Kulaendrarajah Sanjeev, der schon früher erfolgreich um Asyl in Kanada ersucht hatte – wegen Verfolgung durch die LTTE. Aus Kanada aber wurde er, nach einer Reihe von Straftaten, u.a. Bandenkriminalität, im Jahr 2003 ausgewiesen. Offenbar hatte er sich nicht zurück nach Sri Lanka, sondern nach Chennai, Indien abgesetzt. Zusammen mit seinem Bruder, der in Kanada verblieb, betreibt er offenbar einen Menschenschmuggel-Organisation. Wegen dieses Deliktes wurde er auch schon einmal verurteilt.
Kulaendrarajah Sanjeevs Bruder wird mittlerweile von der Royal Canadian Mounted Police (RCMP = kanadische Kripo) gesucht. Australien weigert sich bislang, die Asylsuchenden aufzunehmen – man befürchtet eine unerwünschten Präzedenzfall. Außerdem sehe man nach dem Ende des Krieges in Sri Lanka keinen Grund mehr, weder politisches noch humanitäres Asyl zu gewähren.
Wegen des Vorfalls war es zu zum Teil heftigen Verstimmungen zwischen Indonesien und Australien gekommen, wo die Frage des Verbleibs der Asylsuchenden auch innenpolitisch für Wirbel sorgte. Mittlerweile sagt Australien, dass es Sache der indonesischen Migrationsbehörde sei, eine Lösung zu finden. Der australische Außernminister Smith sagte, es sei nicht Sache der Flüchtlinge zu entscheiden, wo sie ihren Antrag stellten. Sie seien auf hoher See gerettet worden und hätten daher nicht die Wahl.
In Indonesien sind in letzter Zeit Tausende Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, dem Irak und in letzter Zeit scheinbar auch aus Sri Lanka angelandet, deren Ziel eigentlich Australien war. Die Mittel der indonesischen Regierung reichen kaum aus, um den Zustrom zu bewältigen. Jakarta ist auf Hilfe der Vereinten Nationen und der Internationalen Migrationsorganisation angewiesen, um die Flüchtlinge unterzubringen und zu versorgen. Australien hat sich mittlerweile bereit erklärt, Indonesien gegebenfalls beim Bau von weiteren Auffanglagern für Asylanten finanziell zu unterstützen.
Bislang haben sich die srilankischen Asylsuchenden geweigert, das Schiff zu verlassen, oder sich medizinisch behandeln zu lassen. Auch haben sie sich geweigert, srilankischen Botschaftsangehörige an Bord zu lassen zur Verifikation ihrer Papiere bzw. Identität.
Kurios: Ausgerechnet „Alex“ hat jetzt Journalisten gegenüber das angebliche „Angebot“ der Asylsuchenden verbreiten lassen, man werde den (seinen?) Schmugglerring verraten, wenn man sie alle nach Australien hinein lassen würde. Es handle sich dabei, so „Alex“ nebulös, „um ein großes, Asien weit tätges Netzwerk“. Man habe die ganze Zeit über Kontakt zu den Schmugglern gehalten…

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