Von unserem LTTEwatch-Korrespondenten in Colombo vom 3. November 2009
Tigerführer und LTTE-Aktivisten in Aufruhr

Rajaratnam wird von Beamten des FBI abgeführt - ist er eine Schlüsselfigur im LTTE-Netzwerk?
Colombo – Die Verhaftung des in Sri Lanka geborenen Milliardärs Raja Rajaratnam, dem Gründer des des Galleon Hedge Fonds durch Untersuchungsbeamte des FBI wegen des Insiderhandels hat die LTTE-Führer und -Aktivisten in den USA aber auch in anderen Ländern in große Aufregung versetzt.
Rajaratnam hat nicht nur die LTTE finanziell stark unterstützt, sondern auch eine führende Rolle bei der angestrebten internationalen Anerkennung für die terroristische Organisation gespielt. Es war V. Rudrakumaran, ein srilankisch tamilischer Rechtsanwalt, der jetzt in den USA lebt, welcher die Initiative ergriff, um den so genannten „Transnationalen Tamilischen Staat von Eelam“ zu etablieren – eine ungewählte Tigerregierung ohne Land im Exil, die bald nach dem Dezimieren der LTTE samt deren militärischer Führung entstand.
Rudrakumaran, der Ober-Rechtsberater der LTTE, war Mitglied von Tiger-Delegationen gewesen, welche bei einer Anzahl von Gelegenheiten mit der srilankischen Regierung scheinbar um Frieden verhandelten. Nach dem Tod von Prabhakaran und anderen Tigerführern errichtete Rudrakumaran diesen „Transnationalen Staat von Tamil Eelam“ als virtuelle Versammlungsstätte für Tiger-Aktivisten ein, welche in der ganzen Welt verstreut sind. Rudrakumaran hat immer offen die LTTE international repräsentiert. Es war Rudrakumaran, welcher eine Delegation von Repräsentanten von 15 pro-LTTE Organisationen in den Vereinigten Staaten anführte, die den amerikanischen Unterstaatssekretär für asiatische Angelegenheiten, Robert Blake trafen, um sich über die srilankische Regierung zu beklagen, die Menschenrechte verletze.
Versteckt sich Rudrakumaran?
Rudrakumaran, der lange das Lichte der Öffentlichkeit für seinen Klienten suchte, ist angeblich in den Untergrund abgetaucht, seitdem Raj Rajaratnam von Ermittlern des FBI verhaftet worden war. Der Grund scheint offensichtlich. Es heißt, es sei ein enger Verbündeter von Rajaratnam gewesen. Die anderen Tiger-Führer und Aktivisten in den Vereinigten Staaten halten sich derzeit ebenfalls bedeckt. Eine Anzahl von Pro-Tiger-Webseiten sind derzeit inaktiv.
Da er der wichtigste Rechtsberater der LTTE ist, repräsentierte er die Interessen der Tiger-Aktivisten in Gerichtsfällen in den Vereinigten Staaten bei mehreren Gelegenheiten. Interessanterweise ist Rudrakumaran nicht für Raj Rajaratnam angetreten in dessen Anklage wegen Insiderhandels. Überraschenderweise hat auch die Pro-LTTE-Webseite Tamil Net bislang nichts über die Verhaftung von Raj Rajaratnam berichtet.
Finanzielle Unterstützung der LTTE Verbrechen in den USA
Es gilt als ernstes Vergehen, wenn man auf amerikanischem Boden irgendeiner terroristischen Organisation, die die USA verboten hilft, hilft, unterstützt oder sonstwie begünstigt. Während der Untersuchungen ist durchgesickert, dass Rajaratnam mindestens 5 Millionen amerikanische Dollar der Tiger-Tarnorganisation TRO (= Tamil Rehabilitation Organization) gespendet hat. Darum sieht er sich auch der Verfolgung wegen der – indirekten – finanziellen Unterstützung der LTTE gegenüber.
Zwischenzeitlich hat eine Gruppe von Sri-Lankern, die in den USA leben Klage in 30 Fällen gegen Rajaratnam bei einem Gericht in New Jersey eingereicht. Er soll wegen der „indirekten Teilnahme“ an der Tötung ihrer Familienangehörigen und Verwandten in Sri Lanka durch die LTTE vorgeladen wurde. In der Sammelklage wird gesagt, dass Rajaratnam zumindest teilweise für die Tötungen, die die LTTE durchführte, verantwortlich gehalten werden könne. Eine Stellungnahme des Internationalen Koordinators der LTTE, Kumaran Padmanathan alias „K.P.“, welche daraus hinausläuft, dass Rajaratnam die LTTE zweifellos finanziell unterstützt hat, dient als ein starkes Indiz zur Unterstützung der Anklage gegen Rajaratnam.
Rajs Investition an der srilankischen Börse
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die srilankische Regierung unter dem Gesetz zur Verhinderung von Terrorismus eine Rekordsumme von 13 Milliarden Rupien einziehen kann, im Falle, dass ihn das Gericht von New Jersey für schuldig befinden sollte, die LTTE finanziell unterstützt zu haben. Diese Summe nämlich hat Rajaratnam in Sri Lanka investiert.
Gericht schränkt Rajs Mobilität ein
Rajaratnam, dessen Haftkaution jetzt auf 100 Millionen amerikanische Dollar erweitert wurde, wurde außerdem mit dem Verbot belegt, sich nicht weiter als 170 Kilometer weg von New York zu bewegen. Außerdem können die Ermittler des FBI Rajaratnams Bewegungen anhand von Signalen überwachen, die von seiner elektronischen Fußfessel kommen.
In der Zwischenzeit hat Rajaratnams Anwalt an das Gericht appelliert, die Höhe der Sicherheitskaution, die ihm auferlegt wurde, von 100 auf 25 Millionen US Dollar reduziert wird. Es wird erwartet, dass die Namen weiterer hochrangiger Geschäftsleute und Politiker, die mit Rajaratnam zu tun hatten, im Laufe des Verfahrens wegen Insiderhandels gegen ihn durchsickern werden.

No comments yet
Kommentar-Feed für diesen Beitrag