Von unserem LTTEwatch-Korrespondeten in Colombo vom 9. Juli 2009

Die fünf Wanni-Ärzte während der Pressekonferenz
Colombo – Die fünf Ärzte, die in den letzten Tagen des Krieges gegen die LTTE, in der von den Terroristen besetzten Zone arbeiteten und sich immer wieder mit horrenden Geschichten an die internationale Presse wandten, haben ausgesagt, dass sie die Zahl der Toten bei weitem übertrieben haben – auf Druck der LTTE-Kader.
Die fünf Ärzte, die seit dem Ende des Krieges in Haft sind, machten diese Aussage gestern, während einer Pressekonferenz im Media Center des Büros für Nationale Sicherheit in Colombo, in dem normalerweise die Armee seine Pressekonferenzen hält. Die Mediziner, Dr. T.Sathiyamoorthy, Dr. T.Varatharaja, V.Shanmugaraja, Dr. Illancheliyan Pallavan und Dr. S. Sivapalan sagten auch, dass ihre Aussagen nicht unter Druck zustande kämen.
Die Ärzte, um deren Wohlergehen sich mehrere Menschenrechtsorganisationen gesorgt hatten, sowie recht lautstark auch die tamilische Diaspora, sind wohlauf, sie machten eine sehr guten Eindruck, auch wenn sie sehr nervös wirkten – einer von ihnen, Dr. T. Varatharaja, trug seinen rechten Arm in einer Schlinge. Ein Querschläger habe ihn getroffen, kurz bevor er auf die Seite der srilankischen Armee gewechselt sei.
Während der letzten Tage des Krieges hatten sie sich immer wieder per Funk mit Geschichten an die internationalen Medien gewandt. Dr. V. Shanmugaraja erzählt, das an einem Tag 60 Menschen getötet worden wären – die Rebellen hätten sie allerdings aufgefordert von mindestens 1000 Toten zu sprechen.
„Jeden Tag kamen die LTTE-Leute zu uns und gaben uns Listen; soundundso viele seien tot, soundundso viele seien verwundet, in der und der Gegend habe die srilankische Armee Bomben abgeworfen. Aber diese Listen waren falsch, die Zahlen waren stark übertrieben.“
Dr. V. Shanmugaraja und seine vier Kollegen sagten, dass sie die Zahl der Toten auf 600 bis 700 einschätzten, mit etwa doppelt so vielen verwundet. Die UN sowie das Internationale Rote Kreuz (ICRC) hatten in den Tagen nach dem Krieg Zahlen veröffentlicht, die zehnmal höher lagen; auch sprach die UNO von mindestens 14 000 Verletzten.
Dr. Varatharajah sagte auch, dass die Berichte, u.a. auf tamilischen Websiten über die Bombardierungen eines Krankenhauses im Februar nicht der Wahrheit entsprächen. Auch damit widerspricht der Arzt UN und ICRC – beide Organisationen behaupteten, dass dies der Fall gewesen sei; das Rote Kreuz berichtete gar von 9 Toten…
Die fünf Ärzte behaupteten nun, dass die medizinischen Einrichtungen kaum Schäden davon trugen. Die LTTE-Kader hätten indes ständig die Nahrungsmittel sowie medizinischen Lieferungen der Regierung abgezweigt und den eigenen Leute zugute kommen lassen.
Auf die Frage eines Journalisten, ob sie ihre Falschaussagen bereuten, sagte Dr. Satyamoorthy: „Natürlich bereuen wir das!“ Er bekräftigte dabei noch einmal, dass der Auftritt vor der Presse auf eigenen Wunsch zustande gekommen sei. Trotzdem hoffe man, bald entlassen zu werden. Sri Lanka sei nun ein demokratisches Land, die LTTE besiegt – und man müsse nicht länger lügen.
Amnesty International sieht diese neuen Information allerdings in einem andern Licht:“ Wir zweifeln stark daran“, hieß es in einer Reaktion auf den Auftritt von einem Sprecher der Organisation, “ dass diese Aussagen wirklich freiwillig gemacht worden sind. Bei uns entstand der Eindruck, dass diese fünf Ärzte während ihrer Haft misshandelt wurden.“
Auch UN-Sprecher Gordon Weiss bleibt bei den Opfer-Zahlen, die man genannt hatte.
Das weitere Schicksal der Ärzte ist ungeklärt. Ein Regierungssprecher sagte, die Männer hätten sich der Ko-laboration mit Terroristen schuldig gemacht; es werde weiterhin Untersuchungen geben. Bis diese beendet sind, blieben die Männer in Haft.
Mittlerweile hat die srilankische Regierung das International Rote Kreuz (ICRC) dazu aufgefordert, seine Aktivitäten im Norden des Landes „deutlich zurückzufahren“.

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5. August 2009 um 14:28
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