The Times of India im Juni 2009
Ambepussa – Gedankenverloren fummelt Kumudha an ihrem linken Zeigefinger herum. Dann steckt sie ihn eilig in die Falten ihres Rockes, wobei sie verlegen aufsieht. Sie vergißt oft, dass sie keinen Zeigefinger mehr hat. Nur noch einen Stummel an seiner Stelle.
Der Finger wurde vom Streifschuss eines Heckenschützen abgerißen, als Kumudha 2008 einen LTTE-Bunker im Dorf Konavil in Kilinochchi bewachte. Schwere Kämpfe waren ausgebrochen, als sich die srilankische Armee damals immer weiter noch Norden drängte. Das mit dem Finger geschah war nur ein paar Monate, nachdem Kugeln ihren rechten Schenkel durchschlagen hatten und man sie ins Krankenhaus brachte.
In 2004, in the midst of a Norwegian-brokered ceasefire, the LTTE was on a recruitment spree. Kumudha, barely 20 and all set to get married, was among the 100-odd young men and women and children hustled along a jungle trail from Amparai to Valaichenai in Batticaloa district in the eastern province. For nearly five years, she was forced to fight for the LTTE until she finally managed to flee in early 2009 from Visuvamadu.
2004 befand sich die LTTE inmitten des von Norwegen verhandelten Waffenstillstandes in einer wahren Rekrutierungsorgie. Kumudha, knapp 20 und kurz vor ihrer Hochzeit, war unter den rund 100 jungen Männern und Frauen und auch Kindern, die einen Dschungelpfad von Amparai nach Valaichenai im Distrikt Batticaloa in der östlichen Provinz entlanggetrieben wurden. Fast fünf Jahre lang wurde sie wie alle anderen gezwungen, für die LTTE zu kämpfen, bis es Kumudha endlich – Anfang 2009 – gelang, aus Visuvamadu zu entkommen.
Am 16. März 2009 wurde Rani, (Namen zum Schutz der Person geändert), 17 Jahre alt, aus ihrem Elternhaus in Puthukudiyiruppu um sich schlagend und schreiend geschliffen. Sie klammerte sich an ihrer Mutter fest und schrie nach Leibeskräften; doch die LTTE-Kader ließen nicht ab von ihr. Trotz ihres Flehens wurde Rani nach Valaignarmadam, nördlich von Mullivaikkal, gebracht. Fünf Tage lang wurde das Mädchen zusammen mit anderen, die zwischen 12 und 17 Jahre alt waren, gedrillt mit Gewehren und Handgranaten umzugehen.
Rani erzählt: “Im Lager weinten die jüngeren Kinder und baten mich, sie nach Hause zu bringen. Ich fühlte mich so hilflos.“ Fünf Tage lang blieb sie im Tiger-Lager, dann entschloss sie sich schließlich zur Flucht. LTTE-Kader eröffneten das Feuer auf sie. „Einige Kugeln berührten leicht meine Schulter.“ Verletzt gelang es ihr, heim zu kehren, zurück zur Mutter.
Es gibt kein Lächeln mehr auf ihrem Gesicht – nur noch Resignation. Sie sagt: „Ich möchte bei meiner Mutter sein.“ Der Generalbevollmächtigte für die Rehabilitierung Suhada Gamalath, der das Rehabilitationszentrum in Ambepussa überwacht (dort ist auch eine Armeebasis; es ist ein pittoresker Touristenkurort, etwa 60km nördlich von Colombo), sagt: „Es gibt viele solcher traurigen Geschichten hier. Aber die meisten Kinder können schon wieder lächeln.“
Vor ein paar Monaten, als viele junge Kämpfer in die Armeelager im Norden strömten und weiter ins Gefängnis geschickt wurden, gab ein Gericht in Kilinochchi die Anweisung, dass diese ein Umerziehungs- und Rehabilitierungsprogramm, das mittlerweile von UNICEF gesponsort wird, durchlaufen müssen.
Viele der jungen Insassen dieser Camps waren jahrelang anti-singhalesischer Hasspropaganda ausgesetzt gewesen, widerstanden nur schwer dem Drang, aus dem Lager zu fliehen– das von waffenstarrenden Soldaten des angeblichen Feindes umgeben war. Prasanna Mahagamage, der diesen Ex-Kadern Tanzen als Teil der Gruppentherapie lehrt (übrigens ein Beitrag der Initiative der Sri Lanka Kinder- und Jugendtheater-Organisation), sagt: „Aber ich kann jetzt bei ihnen allen Fortschritte feststellen.“
Jeden Sonntag lernen die Mädchen und Jungen, sich graziös zu zeitgenössischer Musik zu bewegen. Der Tanzlehrer sagt: „Es ist schwierig, nur damit ihre Narben zu heilen. Aber es hilft, den Geist zu beruhigen und ich glaube, dass es ein Gefühl für Rhythmus und Musik in jedem gibt.“
Im Mittelpunkt des Stundenplans stehen Kochlektionen und Berufsausbildungsklassen, z.B. Nähen, Maurern und der Umgang mit Computern und Software. Den Kindern mangelt es an persönlicher Beratung, die wichtig ist, damit sie sich von der indoktrinösen Wirkungen des „Motivationstrainings“ der LTTE abwenden können.
Dr. Thilak Jayawardhana vom örtlichen Warakapola Krankenhaus, der versucht, die Kinder zu beraten, gibt zu: “Es war anfangs frustrierend, dass man Mediatoren braucht, um überhaupt mit ihnen zu kommunizieren. Sie kennen nur Tamil und wir sprechen diese Sprache nicht.“ Er sagte TOI, dass es für die Kinder wichtig wäre, ihren Verwandten nahe zu sein.
Andy Brooks, der Chef für Kinderschutz der UNICED in Colombo sagt: “Wir sprechen uns stark für gezielte psychiatrische Beratung für diese Kinder aus.” Er weist darauf hin, dass die Regierung das Beste tue, um sicherzustellen, dass die Rückkehr der Kinder in die Gesellschaft ohne Reibunsgverluste verläuft.
Während das Gericht die Anweisung gegeben hat, dass die Kinder höchstens eine Jahr bleiben müssen, würde eine angedachte Überprüfung alle drei Monate bedeuten, dass man einige früher gehen könnten, fügt Brooks hinzu.
Dr. Jayawardhana sagt, die vom Krieg zurückgelassenen emotionalen Narben jedoch, bräuchten viel länger zum Heilen.
The Times of India im Juni 2009
Ambepussa – Gedankenverloren fummelt Kumudha an ihrem linken Zeigefinger herum. Dann steckt sie ihn eilig in die Falten ihres Rockes, wobei sie verlegen aufsieht. Sie vergißt oft, dass sie keinen Zeigefinger mehr hat. Nur noch einen Stummel an seiner Stelle.
Der Finger wurde vom Streifschuss eines Heckenschützen abgerißen, als Kumudha 2008 einen LTTE-Bunker im Dorf Konavil in Kilinochchi bewachte. Schwere Kämpfe waren ausgebrochen, als sich die srilankische Armee damals immer weiter noch Norden drängte. Das mit dem Finger geschah war nur ein paar Monate, nachdem Kugeln ihren rechten Schenkel durchschlagen hatten und man sie ins Krankenhaus brachte.
In 2004, in the midst of a Norwegian-brokered ceasefire, the LTTE was on a recruitment spree. Kumudha, barely 20 and all set to get married, was among the 100-odd young men and women and children hustled along a jungle trail from Amparai to Valaichenai in Batticaloa district in the eastern province. For nearly five years, she was forced to fight for the LTTE until she finally managed to flee in early 2009 from Visuvamadu.
2004 befand sich die LTTE inmitten des von Norwegen verhandelten Waffenstillstandes in einer wahren Rekrutierungsorgie. Kumudha, knapp 20 und kurz vor ihrer Hochzeit, war unter den rund 100 jungen Männern und Frauen und auch Kindern, die einen Dschungelpfad von Amparai nach Valaichenai im Distrikt Batticaloa in der östlichen Provinz entlanggetrieben wurden. Fast fünf Jahre lang wurde sie wie alle anderen gezwungen, für die LTTE zu kämpfen, bis es Kumudha endlich – Anfang 2009 – gelang, aus Visuvamadu zu entkommen.
Am 16. März 2009 wurde Rani, (Namen zum Schutz der Person geändert), 17 Jahre alt, aus ihrem Elternhaus in Puthukudiyiruppu um sich schlagend und schreiend geschliffen. Sie klammerte sich an ihrer Mutter fest und schrie nach Leibeskräften; doch die LTTE-Kader ließen nicht ab von ihr. Trotz ihres Flehens wurde Rani nach Valaignarmadam, nördlich von Mullivaikkal, gebracht. Fünf Tage lang wurde das Mädchen zusammen mit anderen, die zwischen 12 und 17 Jahre alt waren, gedrillt mit Gewehren und Handgranaten umzugehen.
Rani erzählt: “Im Lager weinten die jüngeren Kinder und baten mich, sie nach Hause zu bringen. Ich fühlte mich so hilflos.“ Fünf Tage lang blieb sie im Tiger-Lager, dann entschloss sie sich schließlich zur Flucht. LTTE-Kader eröffneten das Feuer auf sie. „Einige Kugeln berührten leicht meine Schulter.“ Verletzt gelang es ihr, heim zu kehren, zurück zur Mutter.
Es gibt kein Lächeln mehr auf ihrem Gesicht – nur noch Resignation. Sie sagt: „Ich möchte bei meiner Mutter sein.“ Der Generalbevollmächtigte für die Rehabilitierung Suhada Gamalath, der das Rehabilitationszentrum in Ambepussa überwacht (dort ist auch eine Armeebasis; es ist ein pittoresker Touristenkurort, etwa 60km nördlich von Colombo), sagt: „Es gibt viele solcher traurigen Geschichten hier. Aber die meisten Kinder können schon wieder lächeln.“
Vor ein paar Monaten, als viele junge Kämpfer in die Armeelager im Norden strömten und weiter ins Gefängnis geschickt wurden, gab ein Gericht in Kilinochchi die Anweisung, dass diese ein Umerziehungs- und Rehabilitierungsprogramm, das mittlerweile von UNICEF gesponsort wird, durchlaufen müssen.
Viele der jungen Insassen dieser Camps waren jahrelang anti-singhalesischer Hasspropaganda ausgesetzt gewesen, widerstanden nur schwer dem Drang, aus dem Lager zu fliehen– das von waffenstarrenden Soldaten des angeblichen Feindes umgeben war. Prasanna Mahagamage, der diesen Ex-Kadern Tanzen als Teil der Gruppentherapie lehrt (übrigens ein Beitrag der Initiative der Sri Lanka Kinder- und Jugendtheater-Organisation), sagt: „Aber ich kann jetzt bei ihnen allen Fortschritte feststellen.“
Jeden Sonntag lernen die Mädchen und Jungen, sich graziös zu zeitgenössischer Musik zu bewegen. Der Tanzlehrer sagt: „Es ist schwierig, nur damit ihre Narben zu heilen. Aber es hilft, den Geist zu beruhigen und ich glaube, dass es ein Gefühl für Rhythmus und Musik in jedem gibt.“
Im Mittelpunkt des Stundenplans stehen Kochlektionen und Berufsausbildungsklassen, z.B. Nähen, Maurern und der Umgang mit Computern und Software. Den Kindern mangelt es an persönlicher Beratung, die wichtig ist, damit sie sich von der indoktrinösen Wirkungen des „Motivationstrainings“ der LTTE abwenden können.
Dr. Thilak Jayawardhana vom örtlichen Warakapola Krankenhaus, der versucht, die Kinder zu beraten, gibt zu: “Es war anfangs frustrierend, dass man Mediatoren braucht, um überhaupt mit ihnen zu kommunizieren. Sie kennen nur Tamil und wir sprechen diese Sprache nicht.“ Er sagte TOI, dass es für die Kinder wichtig wäre, ihren Verwandten nahe zu sein.
Andy Brooks, der Chef für Kinderschutz der UNICED in Colombo sagt: “Wir sprechen uns stark für gezielte psychiatrische Beratung für diese Kinder aus.” Er weist darauf hin, dass die Regierung das Beste tue, um sicherzustellen, dass die Rückkehr der Kinder in die Gesellschaft ohne Reibunsgverluste verläuft.
Während das Gericht die Anweisung gegeben hat, dass die Kinder höchstens eine Jahr bleiben müssen, würde eine angedachte Überprüfung alle drei Monate bedeuten, dass man einige früher gehen könnten, fügt Brooks hinzu.
Dr. Jayawardhana sagt, die vom Krieg zurückgelassenen emotionalen Narben jedoch, bräuchten viel länger zum Heilen.
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