Von Shanaka Jayasekara

Sydney - Die Mumbai Angriffe vom 26. bis 29. November haben gezeigt, dass jede Großstadt für Belagerung und Geiselnahme anfällig ist. Die vereinten Angriffe an verschiedenen Orten mit einer großen Anzahl von Verwundeten hatten eine bisher nie gesehene Größenordnung. Anfänglich schienen die Ereignisse auf eine Belagerung und eine Situation der Geiselnahme hinzudeuten. Aber als die Krise weiterging, wurde es offenkundig, dass es keine glaubwürdige Lösegeldsforderung geben würde und dass dies ein Selbstmordattentat war, welches in Mumbai das Höchstmaß an Zerstörung anrichten sollte. Die Situation der Belagerung und Geiselnahme war eine reine Taktik, um die Zeit des Angriffs zu verlängern.

In der Vergangenheit haben die tschetschenischen Rebellen die Taktik der Belagerung und Geiselnahme benutzt, wie man an dem Angriff im Moskauer Theater vom Oktober 2002 und an dem Angriff auf die Schule in Beslan vom September 2004 sehen konnte. Aber es gibt einen deutlich sichtbaren Unterschied zwischen den Angriffen in Mumbai und den Angriffen in Russland. Die tschetschenischen Rebellen hatten erwartet, dass sie Geiseln für ihre im Gefängnis sitzenden Kameraden austauschen könnten, obwohl die Chancen dafür gering waren. Bei den Angriffen in Mumbai hatte die Gruppe der Selbstmordattentäter nicht die Absicht, wegen eines Austauschs zu verhandeln. Sie waren vielmehr entschlossen, so viel Schaden wie möglich anzurichten und – was noch wichtiger war – den Zustand der Verwirrung und des Chaos andauern zu lassen. Die Situation der Belagerung und Geiselnahme in Mumbai kann am ehesten mit dem Angriff auf das World Trade Centre in Colombo, Sri Lanka, am 15. Oktober 1997 verglichen werden, sowie mit der folgenden Situation der Belagerung und Geiselnahme im Gebäude des „Lake House“ in der Innenstadt von Colombo (Frontline, 1-14. November 1997). Die Absicht der Gruppe der LTTE Selbstmordattentäter war es gewesen, so viel Schaden wie möglich anzurichten, indem sie eine Bombe in einem Lastwagen am WTC explodieren ließen und dann die Belagerungssituation bis in die frühen Stunden des nächsten Morgens herauszögerten. Es ist wahrscheinlich, dass zukünftige terroristische Angriffe mit Belagerung und Geiselnahme eine terroristische Taktik sein werden, um nicht nur Zerstörung zu verursachen, sondern auch die Angriffe zeitlich zu verlängern.

Die Angriffe in Mumbai waren professionell geplant und mit einem hohen Grad an Genauigkeit ausgeführt worden. Es ist offenkundig, dass die Angreifer ein Training für den Gebrauch von Waffen und Sprengstoffen bekommen hatten. Sie hatten es sorgfältig geplant, die Angriffsperiode auf über zwei Tage auszudehnen. In de Tat dehnte sich der Angriff auf fast 60 Stunden aus. Der Grund dafür war die Unfähigkeit der indischen Polizei, welche mit der Herausforderung einer städtischen Situation der Geiselnahme nicht fertig wurde. Die Gefangennahme des einen Angreifers Ajmal Amir Kamal, eines Einwohners von Faridkot – in der Nähe von Multan in Pakistan – hatte direkte Verbindungen zu der pakistanischen Lashkar-e-Taiba (LeT) aufgezeigt. Das Hauptquartier der LeT ist in Muridke, in der Nähe von Lahore, und von dort aus wird ein kompliziertes Netzwerk von Trainingslagern und Stützpunkten in Azad Kashmir in Pakistan gesteuert. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass die Gruppe der Selbstmordattentäter in Pakistan an einem ausgedehnten Planen und Training teilgenommen hat. Der indische Nachrichtendienst hat eine Unterhaltung mit dem Satellitentelefon überwacht, welche zwischen der Gruppe der Selbstmordattentäter, während sie sich auf dem Meer befanden, und ihren Organisatoren in Lahore stattfand. Dabei wurde die Bereitschaft zum Angriff beschrieben. Die indischen Behörden erwarten eine Zusammenarbeit mit Pakistan, damit sie die Telefonnummern identifizieren können. Zusätzlich wurde eine Email geschickt, auf Grund derer die Gruppe als Mujahedin aus Dekkan identifiziert werden konnte. Die Gruppe hatte einen russischen Webmail-Dienst und eine Übersetzungs-Software benutzt. Die IP-Adresse, welche sich auf diesen Email-Zugangspunkt bezieht, wurde als ein Cybercafé in Lahore identifiziert.

Das Planen eines solchen Angriffs erfordert nicht nur Training, sondern auch gewichtige Hilfe von lokalen Unterstützungsnetzwerken. In der Vergangenheit hatte das aktivste moslemische Verbrechenssyndikat in Mumbai, welches als „D-Kompanie“ bekannt ist und welche von Dawood Ibrahim geführt wird, die lokale logistische Unterstützung für islamistische Gruppen geliefert.

Es wird angenommen, dass Dawood Ibrahim gegenwärtig im Exil in Karachi unter dem Schutz der ISI lebt. Das ausgedehnte Netzwerk der „D-Kompanie“ engagiert sich aktiv beim illegalen Waffenhandel, durch welchen terroristische Gruppen und kriminelle Organisationen mit Waffen beliefert werden. Dieser Waffenhandel kommt ursprünglich aus Pakistan. Die LTTE hat eine aktive Zelle für das Verschaffen von Waffen in Mumbai, welche eng verbunden ist mit dem moslemischen Verbrechenssyndikaten. Im Januar 2007 hat die Maharashtra Polizei eine LTTE Beschaffungszelle in Mumbai zerschlagen und fünf LTTE-Arbeiter (Sivakiran, Selvachandran, Karan, Nithin und Bharathidasan; siehe Dekkan Herald von 31. Januar 2007) verhaftet.

Die LTTE Zelle in Mumbai hatte moslemische Verbrechenssyndikate benutzt, um an Waffen und Komponenten für den dualen Gebrauch zu kommen. Nach der Verhaftung der LTTE Zelle wurden sehr wichtige Mitglieder eines moslemischen Verbrechenssyndikats (Miraj Saheb Ismail und Asgar Ali von Null Bazar) verhaftet. Man fand eine Lieferung von 6 Tonnen (nach der metrischen Maßeinheit) Komponenten für den dualen Gebrauch für die LTTE (Rediff.Com – 27.Januar 2007). Die LTTE hat ihre nahen Verbindungen zu den moslemischen Verbrechenssyndikaten in der Umgebung von Mumbai aufrechterhalten, und diese Verbindungen ermutigen und unterstützen die informellen Netzwerke von islamistischen Gruppen, welche für den Gebrauch aktiv bleiben.

Bei einer kürzlichen Untersuchung der Vollzugsabteilung der Indischen Steuerbehörde wurde enthüllt, dass Hassan Ali Khan, ein moslemischer Geschäftsmann in Mumbai 300 Millionen US Dollar von einem verdächtigen saudischen Waffenhändler mit Namen Adnan Khashoggi erhalten hatte. Tatsächlich haben die indischen Behörden die Vereinigte Bank der Schweiz (UBS) daran gehindert, die Standard Chartered Bank (Indien) aufzukaufen, da die UBS nicht an der Untersuchung von Hassan Ali Khan beteiligt war (Hindustan Times, 1. Februar 2008).

Hassan Ali Khans Geschäftspartner Adnan Khashoggi wurde durch die Untersuchung der Ermordung von Rajiv Gandhi von 1991 als einer der Schlüssel-Waffenhändler der LTTE identifiziert. Es wird geglaubt, dass die LTTE mit diesem Netzwerk arbeitete, um sich große Waffenlieferungen zu verschaffen und Möglichkeiten des Verschiffens zu bekommen.

Die aktive Beteiligung der LTTE an den moslemischen Verbrechenssyndikaten in Mumbai liefern solche Netzwerke mit illegalen Geschäftsgelegenheiten und Gelegenheiten zur Geldwäsche. Diese Beteiligung ermutigt auch die Syndikate, aktiv bei der Verbreitung von Waffen und Sprengstoffen in Mumbai zu bleiben. Die Netzwerke, welche die Beschaffung für die LTTE aktiv unterstützen, haben die Erfahrung und Fähigkeit, den islamistischen Gruppen, welche örtliche Unterstützungsunternehmen suchen, ähnliche Dienste anzubieten. Wie man es hinsichtlich Dawood Ibrahims „D-Kompanie“ in Mumbai gesehen hat, zögern diese Syndikate nicht, für islamistische Gruppen aus Pakistan Unternehmen durchzuführen.

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Anmerkung der LTTEwatch-Redaktion: Shanaka Jayasekara ist einer der leitenden Dozenten am Zentrum für Kontrolle, Spionage und Terrorabwehr (PICT) an der Macquarie Universität in Sydney, Australien.