Übersetzt aus dem Sri Lanka Guardian vom 3. April 2008

Von K. Mylvaganam in Killinochchi  -  Ich hatte die seltene Gelegenheit, sehr genau die Einzelheiten des Todes des Schwarzen Tigers Thurairathinam Kalairaj (Ilam Puli) zu erfahren. Dieser wurde zum Märtyrer, als der Anuradhapura Flugzeugstützpunkt von den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) angegriffen wurde.

Ilama Puli wurde am 13. Oktober 1981 in einem Fischerdorf mit Namen Myliddy geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Fischer, der ein großes Motorboot besaß. Er beschäftigte zehn Leute und führte ein sehr bequemes Leben mit seinem eigenen, aus Stein gebauten Haus, einem Motorrad und all dem, was ein wohlhabender Mensch so besitzt. Er hatte drei Kinder, wobei Ilam Puli das mittlere Kind war und die anderen beiden Schwestern waren.

„Weil du für mich ein Gedicht bist“ und natürlich brach sie danach auch zusammen.“

“Kavi (Maveeran Ilam Pulis Schwester) erzählte mir letzte Woche, dass Ilam Puli einmal mit ihrem Foto, das mit roten Rosen geschmückt war, kam. Als sie ihn nach dem Grund dafür fragte, soll er gesagt zu haben: „Es ist, weil du für mich eine Rose bist.“ Sie konnte ihre Gefühle nicht kontrollieren und schluchzte, als sie dies erzählte... Während seiner Besuche scheint Ilam Puli seine Eltern um ein paar Dinge gebeten zu haben. Eins davon war, dass sie im Falle seines Todes jene, welche ihnen die Nachricht von seinem Tod bringen würden, liebevoll behandeln und ihnen Tee anbieten sollten. Das andere war, dass sie seinen Sarg mit roten Rosen schmücken sollten, wobei er darauf vertraue, dass diese seine Schwester Kavi symbolisieren. An einem anderen Tag erzählte mir Kavi, dass Ilam Puli sie gewöhnlich Kavi und nicht Kaiarasi nannte. Als sie ihn fragte, warum er sie so nannte, soll er gesagt zu haben: „Weil du für mich ein Gedicht bist“ und natürlich brach sie danach auch zusammen.“

Ilam Puli hing sehr an seinen beiden Schwestern und besonders an Kaviarasi, der jüngeren. Er wurde im Nadeswara College in Myliddy erzogen, bis die Invasion der srilankanischen Armee (SLA) 1995 bei der Familie zu einer Tragödie führte. Die Familie war unter mehreren Lakhs (=Tausenden, die Red.) von Leuten, welche die Jaffna Halbinsel in einem Exodus verließen. Sie ließen ihre Besitztümer zurück und hatten nur, was sie in ihren bloßen Händen tragen konnten. Da das Motorrad in einer Garage eingeschlossen war, mussten sie es auch zurücklassen.

Unglücklicherweise hatten sie keine Bankkonten und ihre ganzen Ersparnisse bestanden nur aus den Juwelen, welche die Frauen trugen. Sie verloren alles – das Boot, den Motor, das Motorrad und alles, was sie im Haus zurückließen. Sogar das Haus selbst wurde später vom Tsunami weggeschwemmt. In ein paar Stunden wurde eine einst reiche Familie zu bitterarmen Flüchtlingen.

Sie erreichten Nagarkovil zu Fuß und lebten in einem behelfsmäßigen Schuppen – was für ein Kontrast zu dem großen aus Stein gebauten Haus mit den vielen Räumen! Ilam Puli und seine Schwestern setzte ihre Erziehung in der Nagarkovil Regierungsschule fort, die gemischt und für Tamilen war. Zufälligerweise ist dies auch die Schule, welche von der SL Luftwaffe 1995 versehentlich bombardiert worden war.

Da sein Vater ein guter Fischer war, holte er sich ein paar Baumstämme und fabrizierte daraus einen Katamaran, um im Thalayadi weiter zu fischen. Aber ihre Probleme kamen erneut hoch, als die srilankische Armee begann, den Osten von Vadamaradchchi mit Granaten zu beschieben. Dies betraf auch Nagarkovil. All jene Bewohner von den Dörfern in der Nähe mussten weiter ins Vanni ziehen.

Schließlich erreichten sie Mallavi. Und wieder ein anderen Schuppen, in dem alle fünf Mitglieder der Familie unterkommen mussten. Dieses Mal gab es keine Möglichkeiten zum Fischen im Herzland von Mallavi, fernab der Küste. Sie waren vollkommen auf die Almosen angewiesen, welche ihnen die internationalen, nicht von der Regierung abhängigen Organisationen (iNGOs) gaben. Aber das reichte kaum aus, um fünf Münder zu füttern. Schon früher war der Vater von der IPKF angeschossen und schwer verletzt worden, und eine seiner Lungen und eine Niere funktionierten nicht mehr richtig.

Daher konnte er nicht mehr schwer körperlich arbeiten. Daher war es Ilam Pulis Mutter, die Arbeit als Tagelöhnerin in der Nachbarschaft finden musste. Doch Mallavi ist nicht ein sehr wohlhabendes Gebiet. Es gab Tage, an denen niemand der Familienmitglieder irgendetwas zu essen hatte. Und dennoch kamen sie irgendwie durchs Leben und Ilam Puli mit seinen Geschwistern trat dem Mallavi Maha Vidhyalayam bei.

Er und seine jüngere Schwester waren außergewöhnlich gut in der Schule. Er hatte so gute Resultate in der Oberstufe, dass der Zugang zur Universität für ihn offen stand. Aber seine Liebe zu seiner Familie nagte an ihm. Er konnte sie nicht zurücklassen. Und außerdem konnte er wegen der damit zusammenhängenden hohen Kosten noch nicht einmal von einem Studium träumen.

Man sagte mir, dass er immer seinen Freunden erzählt hatte, dass der Grund für ihre gegenwärtige Notlage die srilankanische Regierung (GoSL) wäre. Ihm taten die übrigen Flüchtlinge leid. Ihr Elend verletzte ihn. Diese Feindschaft führte ihn zu einer Entscheidung, die er für die beste hielt: Er trat der LTTE bei und bekämpfte den Feind, welcher in seinen Augen das Leben von mehreren tausend Leuten ruiniert hatte. Ohne Wissen der Eltern trat der 1999 der LTTE bei.

Sein beispielhafter Dienst und seine verdienstvollen Qualitäten wurden sofort von den Vorgesetzten in der LTTE erkannt. Er wurde schnell der medizinischen Division zugeteilt und ihm wurde das notwendige medizinische Wissen vermittelt. In vier Jahren qualifizierte er sich als praktischer Arzt und jeder nannte ihn Doktor. Er erfüllte seine Pflichten beispielhaft und stellte seine Hingabe und seine Aufopferung in diesem edlen Beruf zur Schau.

Man erzählte mir, dass er verschiedene chirurgische Operationen unter sehr primitiven Umständen durchführte und so viele Leben und Körperglieder rettete. Sehr viel ältere Doktoren und Chirurgen bewunderten seine Geschicklichkeit in der Chirurgie. Er war ein Doktor, der sich ganz seiner Aufgabe hingab, und er sorgte mit Liebe und Hingabe für seine Patienten. Er rettete so viele Leute, dass er viel Freunde gewann. Einer – wie wollen ihn „Cholan“ nennen – dessen Leben von Ilam Puli gerettet worden war, wurde sein Busenfreund. Nun, nach dem Tod von Ilam Puli, kümmert sich “Cholan” um die Familie seines Freundes.

Der Herzenswunsch von Ilam Puli war immer gewesen, ein Black Tiger, ein Schwarzer Tiger zu werden. So bewarb er sich bei dem Führer der LTTE, Villupilai Pirapakaran – aber bekam keine Antwort. Nach einem Jahr unternahm er einen neuen Versuch. Nach einer langen Wartezeit von weiteren sechs Monaten wurde er von dem Führer zu einem Gespräch gebeten und der Führer sagte ihm, dass er ihn einfach deswegen nicht einberufen konnten, weil Ilam Puli der einzige Sohn in der Familie sei. Es rührte mein Herz, als ich dies von Kaviarasi hörte. LTTE-Chef V. Pirapakaran, der oft als “erbarmungsloser Führer” hingestellt wird, hat in sich solch ein solch sanftes und zärtliches Herz.

Aber Ilam Puli kehrte mit einem gebrochenen Herzen zurück. Er bekam einen Tag Urlaub und besuchte seine Eltern. Ich hörte, dass er an diesem Tag ungewöhnlich mürrisch war. Sie kannten den Grund nicht. Wenn er normalerweise nach Hause kam, saß er gewöhnlich neben seiner Mutter und hielt ihre Hand und legte sie sich von Zeit zu Zeit auf seine Augen. Er ließ auch immer Kavi (wie er Kaviarasi nannte) auf der anderen Seite Platz nehmen. Und bevor er ging, berührte er immer die Füße seiner Eltern (Patha Namaskaram). Er hing so sehr an seiner Familie und liebte sie.

Seine Mutter erzählte mir, dass ihnen Ilam Puli einmal schrieb und sie bat, ihm ein kleines Radio zu besorgen. Das taten sie, als sie ihn das nächste Mal besuchten. Aber als sie ihn drei Monate später wieder besuchten, hatte er das Radio nicht bei sich. Seine Erklärung war, dass er es einem anderen LTTE Kader-Mitglied von Batticaloa geschenkt hatte, welcher keine Eltern oder Verwandte hatte. Dies sei ein Symbol für Reichtum in der Armut.

Ilam Puli gab nie auf, bis er sein Ziel erreichte. Er bewarb sich weiter, bis er eines Tages endlich als Schwarzer Tiger genommen wurde. Er erzählte dies niemandem, und das ist typisch für die Schwarzen Tiger. Weder sein bester Freund, noch irgendein Familienmitglied, einschließlich seiner Mutter, die er so liebte, wussten von dieser “Berufung”.

Instinkt sagt seiner Mutter, wenn sie zurückschaut, dass ihr Sohn einige Monate vor dem Angriff ein Schwarzer Tiger geworden sein muss. Dies muss so sein, weil seine üblichen Besuche, die früher ziemlich häufig waren, allmählich seltener und seltener wurden. Sogar wenn er sie besuchte, hielt er Abstand zu seiner Mutter und seiner geliebten kleinen Schwester Kavi. Offenbar trennte er sich im Interesse beider Seiten von der Familie ab. Nur er wusste, was bevorstand.

Kavi erzählte mir letzte Woche, dass Ilam Puli einmal mit ihrer Foto kam und ihr Foto mit roten Rosen geschmückt hatte. Als sie ihn nach dem Grund dafür fragte, soll er gesagt zu haben: „Es ist, weil du für mich eine Rose bist.“ Sie konnte ihre Gefühle nicht kontrollieren und schluchzte, als sie dies erzählte. Ich würde seiner Feststellung zustimmen, denn sie ist so hübsch wie eine Rose.

Es war mehr als sechs Monate her, seit er seine Familie zum letzten Mal besucht hatte. Erst, als die „Neuigkeiten“ ihnen von Karikalan übermittelt worden waren, erfuhren sie die ganze Geschichte. Während seiner Besuche scheint Ilam Puli seine Familie um zwei Dinge gebeten zu haben. Das eine war, dass sie im Falle seines Todes jene, welche die Botschaft von seinem Tod brachten, liebevoll behandeln und ihnen Tee anbieten sollten. Das andere war, dass sie seinen Sarg mit roten Rosen schmücken sollten, welche – wie ich sicher bin – seine Schwester Kavi symbolisiert. An einem anderen Tag erzählte mir Kavi, dass sie Ilam Puli Kavi und nicht Kaviarasi nannte. Als sie ihn fragte, warum er sie so nannte, scheint er gesagt zu haben: „Weil du für mich ein Gedicht bist“ und danach brach sie natürlich auch zusammen.

Aber ich halte seine Mutter sehr hoch in Ehren. Ich habe sie am Tag des Begräbnisses oder bei der 31.Tages-Zeremonie nicht weinen gesehen. Als ich sie vor zehn Tagen traf, um diesen Artikel vorzubereiten, fragte ich sie nach dem Grund dafür. Sie sagte, dass sie viel weinte, als ihr die „Neuigkeiten“ gebracht wurden, aber ein paar Stunden später habe sie sich zusammengerissen, weil sie sich an das erinnert habe, was ihr Ilam Puli einst gesagt hatte. Und dies war, dass niemand von ihnen seinen Tod beweinen solle.

Trotz der sehr schwierigen Umstände bekam Kaviarasi  beim Oberschul-Examen eine B und zwei C-Noten. Aber die Armut, die Scheußlichkeiten der Armee und die Tatsache, dass sie die Schwester eines Schwarzen Tigers ist, verhinderten, dass sie die Universität in Jaffna besuchen konnte. Wie schade!

Sowohl beim Begräbnis als auch am 31. Tag waren verschiedene Personen aus dem LTTE-Kader, die von Ilam Puli behandelt worden waren, anwesend. Sie lobten seine Fürsorge und die Hingabe, mit der er die Verletzten pflegte, sehr. Ihre gefühlsgeladenen Worte kündeten von ihrem großen Respekt für ihn.

Obwohl Ilam Puli ein befähigter Doktor war, wird das Foto von der Hütte, in der seine Eltern lebten, die Armut der Eltern porträtieren. Aus offenkundigen Gründen werden ihre Gesichter nicht gezeigt. In dieser kleinen Hütte leben seine Eltern mit ihren Töchtern. Die ältere Schwester ist verheiratet und hat auch ein Kind. Obwohl er ein Doktor war, wurde ihm kein Lohn gezahlt. Dies ist die Praxis der LTTE, deren Kader unbezahlte Freiwillige sind, die ihr Leben für die Verbesserung unserer Gemeinschaft opfern.

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Anmerkung der LTTEwatch-Redaktion: Wir stellen ausdrücklich fest: Dieser Bericht ist frei von jeglicher Ironie. Der Berichterstatter lebt in dem von der LTTE besetztem Gebiet im Norden Sri Lankas. Ironie wäre tödlich für ihn – ebenso wie offene Kritik.  Aus gegebenem Anlass haben wir ihn aus dem Archiv hervorgeholt.

Der wegen Mordes und diverser Kriegsverbrechen international zur Festnahme ausgeschriebene LTTE-Anführer V. Prabhakaran erklärt die angeblich Notwendigkeit von Selbstmordbombern so:

“Die Welt, welche Selbstmordattentate, die gegen Zivilisten gerichtet sind, als Akt des Terrorismus ansieht, sieht die Kriegsstrategie, welche die Schwarzen Tiger und die LTTE gebrauchen, ebenfalls als Akt des Terrorismus an. Das ist blasphemisch. In einem inter-rassistischen Krieg zwischen den Tamilen und den Singhalesen ist die Notwendigkeit für eine Strategie, um die Tamilen vor dem Genocid, der von der srilankanischen Regierung durchgeführt wird, zu schützen, etwas, das die Welt gut verstehen sollte. In diesem Kontext ist folgender Spruch ein Axiom: ‘Die Not ist die Mutter der Erfindung’. In dem Befreiungskampf der Tamilen gibt es einen Mangel an Personal für den Kampf und es gibt auch einen Mangel an Munition, um einen Krieg durchzuführen. Der LTTE wird die Notwendigkeit aufgebürdet, diesen Mangel, der in der tamilischen Gemeinschaft existiert, auszugleichen, um die tamilische Gemeinschaft vor der Vernichtung zu bewahren.“